Japandroids – 13.02.2010, Münster, Gleis 22

von am 20. Februar 2010

in Feierlichkeiten

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Vancouver is the place to be in 2010. Aber an diesem Samstagabend gehören umgekehrt mindestens zwei kleine Stückchen Kanada dem Publikum des nahezu ausverkauften Münsteraner Clubs, zumal es im Gegensatz zum Olympia-Gastgeber an diesem Abend vorab massenhaft echten Schnee auf den Kopf gibt. Genau das richtige Wetter also, um sich mit energetischem Noiserock die Ohren durchblasen zu lassen.

Zuvor gibt es als netten, lokalen Support die Clean Sheets: Solider, kaum origineller Indie-Pop-Punk, vornehmlich aus den 90er-Jahren herübergerettet. Als typisches Beispiel sei „Girl From Mars“ erwähnt: Titel bei Ash geklaut, die Melodie von Weezers „Say It Ain’t So“.

Wie Indierock-Was-auch-immer im Jahr 2010 zu klingen hat zeigen Brian King und David Prowse im Anschluss nach einer längeren Umbaupause. Das Duo legt einen überschwänglichen Geräusch-Salto nach dem anderen hin. Das Schöne an Japandroids live ist, dass sie –mehr noch als auf Platte – viele Songs zwischenzeitlich zerfallen, im Feedback untergehen und wieder auftauchen lassen, und so für Endorphinschübe in Serie sorgen. Zwischen Geschrei und Gesang, Gitarrenfiepen und unsauberen Akkorden, Melodie und purer Kraftstrotzerei bewegen sich Japandroids kontinuierlich in Spannungsfeldern. Dabei klingen die Kanadier einen Tick weniger hart, als auf ihren Studio-Outputs, allen voran ihr erst vor ein paar Wochen in den Medien abgefeiertes Album „Post-Nothing“. Sie verlieren damit ein wenig an der Nähe zu McLusky, die ihnen in vielen Reviews attestiert wurde, und kreieren einen vor Energie nahezu berstenden Rock’n’Roll-Godzilla zwischen alles umhauenden, frühen …Trail Of Dead, 90er-Jahre-Post-Hardcore-Slackrock und/oder dem positives Chaos einer Wrens-Liveshow. Zum Schluss gibt es wie zur Bestätigung aller bemühten Vergleiche mit der Waliser Ex-Band eine Coverversion von „To Hell With Good Intentions“, und gerade hier wird deutlich, wie sehr sich beide Bands doch in ihrer Herangehensweise an Songgerüste unterscheiden: Die kanadische Version ist viel weniger aggressiv, aber kein bisschen leiser; weniger auf den Punkt, aber nie so zerfahren, dass der Songs seinen ursprünglichen Charakter komplett verliert. Hiermit sei eine möglichst baldige Livebegegnung mit den beiden dringendst empfohlen, denn in diesem unverdorbenen Stadium wird sich die Band wahrscheinlich nicht lange halten können: Entweder fahren sie mittelfristig ihr Tempo zurück, oder sie werden sich binnen nicht allzu langer Zeit kaputtgerockt haben.

Foto: myspace.com/japandroids

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