James Yuill – Interview

von Sterereo am 27. Januar 2009

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Tatort Folktronica. Hier mischt jemand vermeitliche verbotene Substanzen zusammen. Rückstände finden sich an den Händen von James Yuill, der tanzbarste House-Sounds mit sensiblen Folk-Klängen auf „Turning Down Water For Air“ mischt. Eine explosive Mischung. Auf der Spurensuche würde uns der gelernte Forensiker James Yuill sicher weiterhelfen, doch er steht unter dringendem Tatverdacht. Für diese Musik hat er sogar seinen Beruf und damit Gratis-CDs aufgegeben. Grund genug für eine kurzfristige Vernehmung.

Was hat dich dazu bewogen jetzt als Musiker zu arbeiten?

Ich mache Musik seitdem ich sehr jung war und jetzt werde ich nicht mehr jünger. Also wollte ich es auf einen ernsthaften Versuch ankommen lassen. Deshalb habe ich den Job aufgegeben und angefangen meine CDs herumzuschicken, mich mit Leuten getroffen und in das Geschäft eingearbeitet.

Beim Intro Intim Konzert bist du auf Tour durch Deutschland. Dein erstes Mal hier?

Nein, ich war schon für ein Radiointerview in Berlin Ende letzten Jahres. Dort habe ich auch vor kurzem einen Gig gespielt. Also eigentlich ist es mein drittes Mal hier. Aber das erstmal richtig auf Tour.

Den Job, den du aufgegeben hast, das war bei einer Musikargentur, wo du den ganzen Tag Musik kategoriesieren durftest, richtig?

Genau, dass war mein Job. Da habe ich ungefähr drei Jahre gearbeitet und Musik für Werbespots ausgesucht.

Ist das nicht ein seltsamer Bezug zu der Musik? Ständig dieses aussuchen?

Naja, eigentlich war es gut, denn ich habe ständig irgendwelche Promos bekommen und war so laufend mit guter Musik versorgt. Jetzt habe ich eine Menge CDs – eine riesige Sammlung – das ist großartig. Drei Jahre lang ständig den neusten Kram auf dem Schreibtisch. Somit war das Ganze eigentlich ziemlich cool (grinst).

Wie hat dich das als Musiker beeinflusst?

Gewaltig! Die ganzen Künstler, die ich so schätze, kamen so an mich heran. Keine Ahnung, ob ich sonst von Ed Banger-Records gehört hätte, wenn nicht durch Justice.

Das kommt alles in deinen Songs zusammen. Diese Urgewalt eines Justice-Gigs in den Elektropassagen aber dann doch diese Kombination mit dem vergleichsweise gemächlichen Folk. Wie ist das zustande gekommen?

Als ich nach London gekommen bin nach der Uni habe ich versucht so epische Elektro-Sachen mit Gitarre zu mischen. Kein Wunder, ich war in Camebridge auf der Universität, wo auch Nick Drake war. Damit bin ich vor einiger Zeit schon ins Studio gegangen und habe damit rumgespielt. Dabei ist so etwas wie House herumgekommen. Dann habe ich angefangen mich in die Musik mehr und mehr rein zu knien.

Also ist neben Justice auch Nick Drake ein Einfluss?

Absolut! Ich habe angefangen seine Alben zu hören, etwa in dem Alter, in dem er war, als er sie augenommen hat. Er hatte wirklich einen großen Einfluss auf mich. Genauso wie die ganzen 60er-70er Jahre-Bands, wie Pink Floyd und Led Zepplin.

Da kommt einiges zusammen. Auch Aphex Twin hört man bei dir heraus. Es heißt, dass Richard James teilweise in seinem Schlafzimmer aufgenommen hast, was du ja auch getan hast für „Turning Down Water For Air“.

Richtig, das hatte damit zu tun, dass ich noch bis nachmittags gearbeitet habe und mich dann ins Schlafzimmer verzog, um am Laptop Musik zu machen. Das war ziemlich hart, die Tage wurden ganz schön lang. Aber es war mir eine Herzensangelegenheit. Du vergisst zum Teil die Mahlzeiten und gehst komplett in der Musik auf.

Wie sieht das aus, wenn du an deiner Musik arbeitest?

Normalerweise schreibe ich die Tracks zuerst auf der Gitarre und dann packe ich die ganzen Elektroteile dazu. Aber jetzt, bei den neuen Songs, hält sich dass die Waage. Manchmal habe ich einen Loop im Computer und schreibe den Rest darum herum. Der neue Kram ist sehr viel härter.

Was meinst du mit neuen Songs? Die von „Turning Down Water For Air“?

Nein, ich habe einige brandneue Songs. Die erscheinen aber nicht vor 2010, weil ich die Promo für dieses Album erstmal noch zuende machen muss, denn es kommt demnächst erst in den USA auf den Markt. Dabei habe ich schon eine Menge fertig. Das ist schon etwas frustrierend nicht die Möglichkeit zu haben, es raus zu bringen. Es wird zwar, wie erwähnt, härter, aber es sind auch noch folkigere Töne darauf. Ich versuche wirklich da ein Album zu erschaffen, das beide Aspekte vereint.

Du sagst also, demnächst werden deine Songs noch tanzlastiger. So wie bei „No Pins Allowed“?

Tatsächlich ist „No Pins Allowed“ der neuste Song vom Album. Eigentlich habe ich es zum Live-Spielen geschrieben, ich hätte nicht gedacht, dass es aufs Album kommt. Es wird in Zukunft sehr viele verzerrte Base-Lines und House-Beats geben, garniert mit markigen Gitarren-Riffs.

Eindeutig, du vermischt Folk mit Electronica. Die „Welt“ schrieb etwas über „Lagerfeuermusik mit Laptop“. Wie würdest du das ganze überhaupt nennen wollen?

Oh, eine Menge Leute sagen „Folktronica“, was der Sache wohl am nächsten kommt. Ich würde nicht sagen es ist mehr Electro oder House und der Folk ist dabei nicht wirklich der traditionelle Folk sondern eher Indie-Akustik, Richtung Pop. Ich weiß nicht, ob es das alles trifft. Jemand sagte mal, es bringt dich gleichzeitig zum Weinen und zum Tanzen, also muss es „Crancing“ heißen (lacht).

Wie ist dass, wenn du auf der Bühne gleichzeitig die Gitarre und den Laptop beidenen musst?

Ich versuche da eine Balance zu finden. Manchmal mache ich die Gitarre und manchmal die Elektronik live. Aber häufig spiele ich die Gitarre und überlasse dem Computer die Arbeit, was mich wirklich Schmerz, es so machen zu müssen. Bei den härten Stücken drehe ich an den Knöpfen und verändere dann hier und da noch etwas. Ich mixe dann innerhalb dieser Songsstrucktur.

Wofür du ganz alleine zuständig bist, denn du hast das Album selbst produziert. Eine Entscheidung die du machen wolltest, oder musstest?

Nunja, ich bin so etwas wie ein Kontroll-Freak (grinst). Es war aber auch leider eine Notwendigkeit, da ich niemanden hatte, der mir da unter die Arme griff.

Aber es gab doch sicher jemanden, den du deine Kreationen vorspielst?

Meinem Mitbewohner spiele ich die Songs vor. Der ist sehr ehrlich, das ist wirklich gut so. Und jetzt hab’ ich tatsächlich einen Manager, der mir da hilft. Aber ich neige dazu einfach die Musik zu schreiben und mir später einige Male anzuhören. Bis ich dann sage, yeah, das ist cool. Ich bin da normalerweise schon recht objektiv mit meiner eigenen Musik.

Deinem ehemaligen Beruf in der Werbeagentur geschuldet?

Wahrscheinlich. Ja. Ich merke recht schnell, was gut ist und was nicht.

Wenn du es dir aussuchen dürftest, wer dich produziert?

(überlegt nur kurz) Dann wohl Radiohead. Thom Yorke und Jonny Greenwood sind eine kreative Macht. Wahrscheinlich würde ich einfach in der Ecke sitzen, nicken, und sie machen lassen. (spielt die Szene vor) Jap, jap, fine, that’s great! (lacht)

Denken wir uns auch und lassen den Verdächtigen vom Harken. Er hat schließlich noch einges vor – mit Gitarre und Laptop.

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