James Bond – Casino Royal

von Sterereo am 26. November 2006

in Film ab!

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James Bond bekommt diesmal richtig was auf die Eier. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zuerst vergeigt er es einen unwichtigen Bombenleger zu stellen und sprengt stattdessen zu Ms bedauern eine Botschaft, dann verzockt er 10 Millionen am Pokertisch und verliebt sich am Ende noch in den Feind.

Was ist bloß los mit Daniel Craig? Als blauäugiger Blondschopf tritt er in den Dienst des Königreichs und scheint nichts richtig machen zu können. Er ist stur, arrogant und zynisch. Zwar ist er für Millionen von Maschinenpistolenkugeln ebenso untreffbar wie seine Vorgänger, doch der frisch beförderte Doppelnullagent hat einiges mehr Mühe mit dem Töten. Wo andere die Bleispritze bemühen ist der neue Bond am Erwürgen und Ersäufen.

Zumindest bei den Bösewichten ist alles im Lot. Fiese Narben machen sofort unmissverständlich klar, wer dem neuen Bond ans Leder möchte. Diesmal geht es um eine Menge Geld, 150 Millionen Dollar. Diese hat der Fiesling nämlich durch Bonds Anti-Terroreinsatz auf dem Miami International verloren. Die Bilanz kann nur noch durch eine gepflegte Runde Poker wieder bereinigt werden. Mit am Tisch: hochkarätige Terroristen, das Narbengesicht und natürlich Daniel Craig. Abgelenkt durch seine schöne Tarnungs-Ehefrau vom Schatzamt verliert er alles und bezahlt fast mit seinem Leben. Irgendwie wird alles gut und aus Tarnung wird schnell ernst; James Bond verliebt sich unsterblich. Der Womenizer vorm Herrn will Göttergatte werden und reicht sogar die Scheidung vom Secret Service ein. Doch immer kommt alles anders, als man denkt und böse Menschen haben immer ein Augenleiden.

Aufgepasst, dieser Bondfilm ist anders. Es gibt keine Spielereien von Q zu sehen, ja, nicht einmal Q selbst ist zu sehen. Miss Moneypenny, die Bond anschmachetende Sekrätärin ist ebenfalls nicht ein einziges Mal im Bild. Stattdessen werden Martinis verschmäht und die Vorstellungsfloskel „Bond – James Bond“ ausgelassen. Doch der konservative Agentenfan kann beruhigt sein, alles Taktik. Denn auch ein Bond hat einmal angefangen und musste Lehrgeld bezahlen. Casino Royal ist zwar die 21. Bond-Verfilmung, aber spielt in der Handlung vor allen anderen Streifen und soll die Entwicklung vom Ottonormalagenten zum Superspion darstellen.

Dadurch hat der Streifen mehr von einem Actionreißer als von einem Agentenmärchen, was für alle Nicht-Bondhardliner wirklich ein großes Plus ist. Es wird geschwitzt, geblutet und gelitten, wie in jedem anständigen Actionkino. Wer also neugierig auf Bond ist, aber das Szenario bisher zu albern war, sei dieser Film empfohlen. Der unterschwellige ironische Ton tut sein übriges.

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{ 4 Kommentare… read them below or add one }

1 Hififi November 26, 2006 um 17:15 Uhr

Klingt ja gar nicht mal so schlecht. Aber in diesem Leben werde ich nicht mehr zum Fan. Die alten mit Sean Connery habe ich noch ganz gerne gesehen, aber Pierce hat mir dann endgültig die Suppe versalzen.

2 Starfever November 26, 2006 um 21:50 Uhr

Nach unsichtbaren Sportwagen, Eispalästen und [U]äusserst[/U] unglaubwürdigen Gletscherrodeleien war man am Ende der Fahnenstange angekommen.
Ich war erst etwas überrascht, aber dann hoch erfreut.
Bond wurde geerdet. Bond ist wieder ein Mensch, der auch einstecken muss.
Der aber auch austeilt und das so kompromisslos wie Connery damals, wenn nicht darüber hinaus.

3 Hififi November 27, 2006 um 23:39 Uhr

Tja, dann vielleicht doch gucken?!

4 Sterereo November 28, 2006 um 14:10 Uhr

Nie war der Einstieg so einfach…

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