Is Tropical – Native To

von am 27. Juli 2011

in Musik!

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Der Beginn der Zehner-Jahre wird von Kulturhistorikern in ferner Zukunft garantiert als die späten Achtziger-Jahre des neuen Jahrtausends kategorisiert. Wer hätte gedacht, dass das zackige Electro-Pop-Revival so lange anhalten würde? Jede Modeerscheinung ist allerdings irgendwann zumindest für einen gewissen Zeitraum wieder obsolet. Sagt man. Hofft man. Is Tropical befinden sich auf der Abwärtswelle der gerade verebbenden Synthiepop-Flut und werden allein deshalb nicht mehr als so spektakulär wahrgenommen werden können, wie es noch vor ein paar Jahren möglich gewesen wäre. Auch wenn live alle Beklopptenregister gezogen werden: zuckende Lichtblitze, Verkleidungen, Neon und viel Hymne. Vielleicht ist die Errungenschaft dieses Jahrzehnts ja auch einfach die endgültige Loslösung der (Indie)-Popbands vom Medium Musikalbum, das nun nicht mehr als identitätsstiftendes, repräsentatives und vor allem beständiges Werk gesehen wird, sondern eher als kurzlebiger Soundtrack zur nächsten Party. Denn als solches funktioniert „Native To“ hervorragend. Is Tropical pressen dafür noch einmal alles aus der ausgewrungen geglaubten Indiepop-Zitrone, was noch an Restoriginalität drinsteckte. Glückshormone sprudeln hier aus jedem Track und lassen das Blut noch ein letztes Mal mit den Zutaten hochkochen, die in den letzten Jahren schon so erfolgreich von anderen Bands (MGMT, Ratatat, Mystery Jets, Metronomy) zusammengesucht wurden: Südländisches Flair mit Mandolinenklängen, künstliche Achtziger-Posergitarren, dumpf treibende Basslinien, zuckersüße Popmelodien auf Keyboardbasis und ein immer vorhandener durchgestylter Beat. Selbst der mittlerweile unvermeidliche Berlin-Bezug wird durch den gleichnamigen Song hergestellt. Trotz aller Anstrengung und netter Songs wird man das Gefühl nicht los, dass „Is Tropical“ auf einen abgefahrenen Zug aufgesprungen sind. Dass man das alles schon einmal gehört hat. Mal sehen, ob sie es schaffen, mit ihrem nächsten Album ein eigenes Vehikel zu konstruieren, mit dem sie ihre Songs dann von Disco zu Disco karren können.

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