Intro Intim (The Rakes, Filthy Dukes und James Yuill) – Gebäude 9, Köln, 17.01.09

von Sterereo am 18. Januar 2009

in Feierlichkeiten

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Wenn die Intro intim wird, dann wird es irgendwann schön muckelig warm – kuschelig geradezu. Tatsächlich füllt sich die industrie-schicke Halle des Gebäude 9 zügig mit Schaulustigen die sich deshalb irgendwann zwangsläufig aneinandertätscheln. Mag in erster Linie an den hippen Rakes liegen, die als Headliner an diesem Konzertabend magnetisch wirken. Doch die findigen Labelleute von Coop haben mit den Filthy Dukes und James Yuill noch mehr Londoner abgestellt.

Nachdem wir im noch fast menschenleerem Vorraum des maroden Stahl-Beton-Baus ein intimes Gespräch über James Yuills Arbeitsplatz (Schlafzimmer) und -weise (Laptop) geredet haben (Interview bald natürlich hier) schlendert der unscheinbare James schluffig und fast unbemerkt einige Zeit später zu seinem weißen iBook auf die Bühne. Mit seiner hageren Erscheinung in Kombination mit der dicken Hornbrille sieht er aus wie eine Kreuzung aus dem Elektro-Frickel-Gott Console von The Notwist und dem Weltstadtneurotiker Woody Allen. Mit ersterem hat er zumindest beruflich mehr am Hut. Bei Songs wie „No Pins Allowed“ wird die hellhölzerne Gitarre auf den Rücken geschnallt und an den Reglern hantiert, bis es teilweise recht lärmig aus den Boxen wummert, findet dann aber wieder den richtigen Dreh(knopf) die Melodie in den tanzbaren Bereich zu schieben. Sowas erntet irritierte Blicke, angesichts der liebevollen Folkpassagen, bei denen die Elektroklänge schon mal gänzlich in den Hintergrund treten. Folktronica ist übrigens auch die Lieblingsbezeichnung des Londoners für den abgefahrenen Genremix.

Auf exessiven Hardware-Einsatz baut der Auftritt der Filthy Dukes, nur Folk gibt’s hier keinen. Dafür jede Menge Syhnthies-Sound durch Samples- und Keyboard-Akrobatik. Mit Basser und Schlagzeuger im Schlepptau resultiert daraus ein elektrisierender Angriff auf die allgemeine Tanzwut, die zuallererst Sänger Olly Dixon befällt. Dieser Elektro/Synthiepop hat den simplen Auftrag einfach zu gefallen, womit wenig bis gar kein Noisegelärme sich in die Musik einschleicht. Spaß macht es den meisten trotzdem (oder deswegen?).

Die Erwartungen an die Quasi-Headliner The Rakes sind da schon anders geartet. Neues Album „Klang“ (übrigens in Berlin eingespielt) ist nämlich unterwegs und exklusive Vorab-Hörgenüsse fest einkalkuliert. Ob schon ein Hit wie „The World Was a Mess But His Hair Was Perfect” rauszuhören ist, der eine vergleichbare Melodie ins Gehirn pflanzt? Bei den meisten Mädels vor der Bühne sind solche Gedanken spätestens dann verflogen, sobald im stürmischen Aufgalopp die perfekt frisierten Jungs ins Licht drängen. Tatsächlich machen die neuen Songs einen relativ großen Teil des Sets aus und serviert wird solide Indie-Rock-Kost zu der bedenkenlos gezappelt werden konnte (und wurde). Keine Ausreißer rauszuhören und somit große Feierstimmung angesagt. Kein Wunder, denn auch Einladungen wie „We Danced Together“ vom noch bis März aktuellen Album „Ten New Messages“ wollten die wenigsten ausschlagen. Zwar hielt das Haarspray dadurch nicht bei allen, doch auch mit zerzausten Haaren war für einige am Ende endlich wieder die Welt in Ordnung.

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