Interpol – Columbiahalle Berlin, 17.11.07

von Hififi am 27. November 2007

in Feierlichkeiten

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Die Columbiahalle erinnert vom Aufbau und Fassungsvermögen an das alterwürdige PC 69 zu Bielefeld, welches leider viel zu früh in Rente geschickt wurde. Man sollte sich bei Zeiten bemühen, den Balkon zu betreten und sich einen Platz möglichst weit oben sichern, damit man natürlich besser sieht und es scheint wirklich so zu sein, dass der Sound dort einfach wesentlich transparenter wirkt. Es waren Stimmen zu vernehmen, die den Sound eher als matschig empfunden, die dazugehörigen Personen allerdings auch nicht den Weg nach oben gefunden haben. Sei es, wie es sei, es gibt wie so oft nur totale Begeisterung und die Ernüchterung, mit einer einzigartigen Rock-Band langsam aber sicher ein wenig abgeschlossen zu haben.

Interpol haben ihre Freunde und Mit-New Yorker von Blonde Redhead als Support verpflichtet und damit einen guten Griff getan. Kazu Makino und die Zwillingsbrüder Amadeo und Simone Pace bringen mit Stücken wie „23“ und „SW“ den einzigartigen Sound von My Bloody Valentines „Loveless“ auf die Bühne und das klingt weder antiquiert, noch geklaut. Die meiste Zeit singt Kazu Makino, die von ihrem Synthie zur Bassgitarre wechselt, um sich schlussendlich von beidem zu trennen, und dass klingt befremdlich. Oft klingen Blonde Redhead ein wenig unterkühlt, betont künstlerisch und wirken so ein wenig künstlich. Dass ist an dieser Stelle, an jenem Abend im Vorprogramm zu Interpol allerdings egal, denn es war einfach spannend dieser abgefahrenen Version von moderner Indie-Musik zu lauschen. Es wurde das aktuelle Album „23“ vorgestellt und fast komplett zum Besten gegeben und nach ca. 45 Minuten war der Zauber vorbei und das Publikum sichtlich verunsichert, was nun davon zu halten wäre. Der Applaus jedenfalls fiel eher verhalten aus.

Unterkühlt ist sicher auch ein gutes Stichwort um den Auftritt des Headliners zu beschreiben. Es war klar, sicher, aber in dieser Ausgeprägtheit, kombiniert mit dieser Art Dresscode, doch eher befremdlich. Die nächsten anderthalb Stunden waren gut, vielleicht sogar sehr gut, trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack von Imagereiterei. Diese Distanz zu ihren Fans, die nun wirklich völlig aus dem Häuschen waren, habe ich so noch nicht gesehen. Es gibt keinerlei Ansagen und Carlos D. macht eher den Eindruck, als ob man ihn auf die Bühne zwingen müsste. Aber gut, das weiß man, und wenn man es ignorieren kann, dann ist dieser Auftritt ein fulminanter. Also jetzt endlich zur Musik: Interpol haben also diese drei Alben veröffentlicht, die geradezu von außerirdischer Qualität sind. So ist nun eigentlich nur noch eine Frage zu klären: Wie war der Sound? Da ich diese Frage schon beantwortet habe, bleibt mir nur ein zwiespältiges Resumee zu ziehen. All diese großen Songs, mit diesen hypnotischen Gitarrenläufen, mit Paul Banks Gesang, zu dem nun wirklich nichts mehr zu sagen bleibt, all das hätte ein einzigartiges Konzert garantieren können… Aber weshalb habe ich das einfach nicht empfinden können? Waren die Erwartungen zu groß? Ich bin fürs Erste durch mit Interpol.

01. Pioneer To The Falls

02. Obstacle 1

03. Narc

04. C´mere

05. The Scale

06. Say Hello To The Angels

07. Mammoth

08. No I In Threesome

09. Slow Hands

10. Rest My Chemistry

11. The Lighthouse

12. Take You On A Cruise

13. Evil

14. The Heinrich Maneuver

15. Not Even Jail

16. Untitled

17. Stella Was A Diver And She Was Always Down

18. PDA

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1 Iain Januar 28, 2008 um 19:44 Uhr

sowas und diese rezi grad, wo ich interpol entdecke und endlich sagen kann: jepp, sie sind langweilig….

ich bleib bei editors, pathos hin oder her 🙂

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