International Love-Nerd Pop-Festival (feat. The Black Atlantic. Björn Kleinhenz, Windmill) – JZ Kamp Bielefeld, 27.09.2009

von Benjamin am 29. September 2009

in Feierlichkeiten

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Es gibt Konzertabende, die perfekt passen. Das International Love-Nerd Pop-Festival im Bielefelder Kamp passte sehr gut als Wochenendabschluss: Die Party vom Vorabend saß noch in den Knochen, da stand man schon im Kamp. Wenn drei Bands spielen, dann ist die Gefahr, dass eine nicht überzeugt, sehr groß. Aber alle Sorge war unbegründet.

The Black Atlantic aus Groningen eröffnen den Abend, bestehend aus vier Bandmitgliedern die reihum an Klavier, akustischer Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Ukulele tätig sind, alle wohlgemerkt. Wenn sie zusammen singen, klingt das außerirdisch gut, klingt so wunderschön, dass ich mich darin verlieren könnte, jetzt wo ich diesen Bericht schreibe und „Reverence For Fallen Trees“ sich im CD-Player dreht. Offensichtlich hat Geert van der Velde den Großteil der Songs geschrieben und auch sonst das Sagen, zumindest die Ansagen übernimmt er komplett. Seine Mitstreiter/In sehen allerdings auch nicht gerade aus, als hätten sie große Lust auf Interaktion, ganz anders, als das zu späterer Stunde bei Windmill der Fall sein sollte. Die Songs und gelegentlich van der Veldes Gesang lassen mich an Chris Higdon von Elliott denken, die es leider schon lange nicht mehr gibt. Jetzt haben The Black Atlantic aber diesen Folk-Einschlag der Sorte Fleet Foxes und präsentieren diesen gekonnt wie der Riesen-Hype des letzten Jahres. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich könnte wahrscheinlich noch stundenlang zuhören und so versöhnen mich die Niederländer mit diesem Sonntag, der uns vier Jahre „soziale Kälte“ beschert hat.*

Der zweite Act des Abends war der nette Singer-Songwriter Björn Kleinhenz aus Göteborg. Ein Mann und seine Akustikgitarre – das kann schnell langweilig werden. Kleinhenz verstand es jedoch, dass Publikum in eine gespannte Melancholie zu versetzen. Nachdenklich sind die Songs, die meist persönliche Themen haben. Kleinhenz hat sein aktuelles Album „Burma“ in einem Haus auf einer kleinen Insel geschrieben (welches er mit seiner Freundin bewohnte) und das merkt man auch. Seine Coverversion von „Worlds apart“ (…and you will know us by the Trail of Dead) ist erwähnenswert, ebenso das Ende seines Auftritts. Björn Kleinhenz will zum Abschluss einen Song spielen, den er vor seinem Inselaufenthalt geschrieben hat und der die Erwartungen und Wünsche an den Aufenthalt beschreibt. Auf der Insel oder danach muss er aber „Scheiße gemacht“ haben und so bricht er den Song nach der ersten Strophe tiefbewegt ab. Er muss einen anderen spielen, der ihn nicht an den Inselaufenthalt erinnert. Von den Veranstaltern bekommt er anschließend grünes Licht für eine Zugabe und schließt ein Samplegerät an, auf welchem er Backgrounds aufgenommen hat, die er für ein Michael Jackson-Cover („Billy Jean“) benötigt. Aber an diesem Abend kann Kleinhenz nicht lustig sein und er beendet den Song vorzeitig. So endet ein denkwürdiger Gig, der so authentisch, sympathisch und emotional war, dass dieses abrupte Ende irgendwie passt.

Die Headliner Love-Nerds waren dann Windmill. Bassist Tommy Heap und Sänger/Keyboarder Matthew Thomas Dillon hatten diese albernen Riesenbrillen und man ahnt schon, dass die Briten unberechenbar sind. Nach drei Songs vom neuen Album spielen sie die ersten Hits von „Puddle City Racing Lights“. Die Melodien von „Fit“, „Plastic Preflight Seats“ oder „Tokyo Moon“ sind ja schon unglaublich gut, aber die Performance schlägt alles. Das Trio auf der Bühne scherzt, neckt sich und fordert das Publikum auf, nach vorne zu kommen. Bei der leider sehr überschaubaren Audience ist die Aufforderung fast überflüssig. Man sieht und hört alles auch noch vom Merchandisingstand aus. Als Highlight des Auftritts präsentiert sich „Ellen save our energy“ vom neuen Album. Dillon verlässt für den Song seinen Stuhl hinterm Keyboard und tanzt wilder und verrückter als Eddie Argos von Art Brut. Spätestens jetzt weiß man, dass die Brillen kein Gag sind, um die wunderbaren Popsongs ein wenig aufzulockern, nein, die Band besteht einfach aus Freaks. Ein sehr guter, weil in dieser Art auch unerwarteter, Gig, der das Wochenende würdig beendet.

* den Auftritt von The Black Atlantic hat Hififi beschrieben.

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1 Hififi September 29, 2009 um 22:21 Uhr

Oh man, ich weiß gerade nicht, wo ich bei The Black Atlantic ein Klavier gesehen haben will und habe wohl an den Klang des Keyboards gedacht. Na ja, doppelt hält besser, gell?

2 RockinBen September 30, 2009 um 08:33 Uhr

joa, das Keyboard wurde zwischendurch aber auch als Klavier gespielt, von daher ist das ja nicht ganz falsch.

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