Ingrid Michaelson – Everybody

von am 5. Oktober 2009

in Musik!

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„‚Everybody’ ist wirklich für jedermann“, schrieb das amerikanische Paste Magazin zu Michaelsons zweitem Album, und sie haben absolut Recht, mit allem was dazugehört. Wenn ein junges Mädchen Indiefolk macht fällt es oftmals schwer, etwas Negatives zu schreiben, besonders wenn sie dabei ganz leicht (!) schräg und melancholisch herüberkommt. Solange man nicht ausschließlich auf Gangsta-Rap oder Knüppel-Gabba steht muss es einfach ein, zwei Melodien auf diesem Album geben, die einem in irgendeiner Weise sofort nahe gehen, so niedlich und nett ist jeder der zwölf Songs, die hier dargeboten werden. Ideal geeignet also für das Format, das heutzutage als Sprungbrett für junge (und alte) Künstler genutzt wird: Fernsehserien. In diesem Falle war es „Grey’s Anatomy“: „Keep Breathing“ wurde 2007 für das Staffelfinale ausgespielt und – schwupps – war halb Amerika aus dem Häuschen und katapultierte das kleine Indiemädchen Ingrid in die Herzen der Weltbevölkerung. „Everybody“ erinnert an eine Light-Version von Regina Spektor: Viel Klavier, viel Streicher, aber viel weniger schrullig und kraftvoll als das Original. Hier ist alles zart und liebevoll wie in einem Disneymärchen. So wie man manchmal – alle Zyniker mögen bitte diesen Satz überspringen – Lust darauf hat, die eine oder andere Träne in einem Schmachtfetzen von Film zu vergießen, so könnte man auch Lust auf diese Platte bekommen. Es stört allerdings die allgegenwärtige Unmittelbarkeit. Alle zwölf Songs wollen unbedingt Körperkontakt herstellen, bis hin zur Belästigung. Alle zwölf Songs sind glatt, sanft und unantastbar in ihrer „Ich will für dich da sein“-Attitüde, dass man sie manchmal verprügeln möchte, oder sehnsüchtig darauf wartet selbst einen Kinnhaken verpasst zu bekommen. Eine Platte für Weihnachten mit Mama, Serienabende mit der besten Freundin oder Verabschiedungsszenen am Flughafen. Schade, dass ich keinen Knüppel-Gabba im CD-Regal stehen habe.

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