Indiana Jones – Das Königreich des Kristallschädels

von Sterereo am 22. Mai 2008

in Film ab!

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Ein langer Schlapphutschatten fällt auf den staubigen Wüstensand. Drumherum stehen Stiernacken in Uniformen und schäußlichem Aktzent, die nur darauf warten in bester Bud Spencer-Manier niedergefaustet zu werden. Was drei Mal funktioniert, klappt auch noch ein viertes Mal: Indiana Jones ist angekommen im Spätherbst seiner Höhlenkriecherkarriere, diesmal mit knochigem Kristallschädel im Handgepäck.

Kippschalter im Götzenformat, Giftpfeile spuckende Lendenschurzträger und jede Menge verfaulter Leichen zum wegschieben, aufstemmen und festhalten. Indiana Jones hat auch im Vorruhestand der 50er Jahre seltsame Ferienpläne. Erst wird er gekidnappet von Pony-Bob tragenden KGB-Schlampen (verheizt: Cate Blanchett) bevor er mit nahschallgeschwindigkeit ins Atomtesteldorado Area-51 bugsiert und dort dank Kühlschrankbunker unversehrt die Pilzwolke begaffen kann. Eben ein Mann für biblische Katastrophen. Angequatsch vom motorradfahrenden James Dean-Verschnitt Mutt (Shia LaBeouf) lässt sich der Halbtags-Professor dann in den Amazonas lotsen. Dort findet er neben seiner alten Nepal-Liebe Marion (mit zeitlosem „Indy!“-Schrei: Karen Allen) auch die Russen wieder. Diese treiben die Abenteuerausflügler in einen dieser Maya-Tempel, die allen mystischen Klischees zur Folge sowieso nur Alien-Abschussrampen sind. Sobald das schöne Goldstättchen in bester CGI-Bombast eingeebnet wurde, ist die überdimensionale Story endlich am Ende.

Spielberg, Lucas und Ford trauen sich auf ihrer Indiana Jones-Kaffeefahrt nicht über eine (ver)wundernswerte Geschichte hinaus, spicken sie aber mit allen Herrlichkeiten der Reihe. Die Ikone Indy frustet jedoch auch nach 19 Jahren Leinwandabstinenz ein Schattendarsein zum einleitenden „Jäger des verlorenen Schatzes“ und verkommt ein wenig zu marvel(mittel)mäßigen Bombastkino. Fans pfeifen trotzdem am Ende die Titelmelodie und Insider singen: „Indiana fucking Jones!“, während wieder andere Schlimmes ahnen als vielsagend der Filzhut in Richtung Nachwuchs segelt.

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{ 7 Kommentare… read them below or add one }

1 Hififi Mai 26, 2008 um 21:03 Uhr

Werd mir das dann morgen auch mal zu Gemüte führen und bin sehr gespannt. Indy forever!

2 RockinBen Mai 26, 2008 um 22:15 Uhr

Du bist ja übergeschnappt!!! Guckt man Indiana Jones Filme nicht Sonntags Nachmittags zum Ausnüchtern auf Kabel 1, Tele 5 oder wie diese Sender alle heißen???

3 JonesKorn Mai 26, 2008 um 22:46 Uhr

Wenn man (sehr großzügig) über das Ende hinwegsieht, ist es ein guter Indiana Jones Film. Obwohl ich anfangs etwas Last hatte in die richtige „Indystimmung“ zu kommen, manchmal wirkte alles etwas aufgesetzt.

4 swo Mai 27, 2008 um 16:41 Uhr

Ich fand das Ende auch etwas merkwürdig und es hat dem Film (wenn man es nicht geahnt hat, was nicht allzu schwierig war) eine Unzufriedene Richtung gegeben. Ach und es ist kein James Dean Verschnitt, sondern ein Marlon Brando (siehe Hut).

5 Sterereo Mai 27, 2008 um 21:37 Uhr

Aber er darf den Hut doch garnicht tragen, unser Schach-Mutt. Hoffentlich niemals…

6 swo Mai 28, 2008 um 14:32 Uhr

ich meinte auch den mopedhut/mütze was früher wohl als helm durchging

7 otic Mai 28, 2008 um 15:00 Uhr

Habe gestern die OF geshen. Bin eh nie so der Indyfan gewesen, aber der Streifen ist nun wirklich laaangweilig. Ich fand sogar das Ende gar nicht so esoterisch-schwurbelig wie anderorts bemäkelt. Altmodisch anmutendes Actionkino (was gar nicht mal so unsympathisch ist) mit einem Hauptdarsteller, um den man sich latent Sorgen macht, weil er gleich einen Herzinfarkt bekommen könnte.

Alles ist nett, vorhersehbar, familienfreundlich. Selbst Cate Blanchet ist kaum sexy, was echt ein Kunststück ist. Und eine Story fehlte komplett, aber darauf hatte ich auch nicht gehofft.

Irgendwas fehlte einfach, nur was?!

Ach ja, der Spaß beim Zugucken.

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