Immergut 2009 – Bericht

von alex am 10. Juni 2009

in Feierlichkeiten

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Wie sollte es auch anders sein: Wenn ich denn irgendwo ankomme, dann zu spät. So auch dieses Jahr. Gegen halb sieben erreichen wir das gut versteckte Festivalgelände, während Virginia Jetzt! die ersten Akkorde anstimmen.

Wir laden aus und mir wird wieder klar, warum ich das Immergut so schätze. Es ist die familiäre Atmosphäre. 5.000 Menschen die zum Großteil wegen der Musik, nicht zum Komasaufen hier aufschlagen. Das ist die Begeisterung der Veranstalter, die vor 10 Jahren kurzerhand beschlossen eine Feier mit all ihren Lieblingsbands zu schmeißen. Eine Molkerei übernimmt das Sponsoring. Gespielt wird immer im Wechsel Hauptbühne, Zelt, Hauptbühne, Zelt – zwei Tage lang.

Das übliche Festivalprozedere erwartet uns. Schleppen, Zelt aufbauen, Grillen. Olli Schulz macht dazu seine Witzchen. Seit „Mach den Bibo“ ist er ja recht groß geworden. Ich sah ihn schon einmal, ausgesprochen lustig war das da, was der Herr Schulz veranstaltet.

Die erste bewusst gesehene Kapelle sollen Sometree sein. Stark an Radiohead erinnert es, wenngleich nicht so abgefahren. Viel Piano, guter Gesang, tolles Schlagzeug. Hin und wieder kommt es zu Postrock-Ausbrüchen, eine Wall of Sound schlägt dem Publikum entgegen. Gute Band!

Auf der Hauptbühne erwarten uns Polarkreis 18. Als großer Bewunderer des selbstbetitelten Debüt-Albums gehe ich mit Spannung hinüber. Zu Anfang spielen sie viele Stücke vom neuen Album, die Songs zünden nicht recht, zu verhalten sind die Drums gemischt, die gerade den Sound der Band ausmachen. Doch bei „Some Sundays“ bessert sich der Klang, die sechs komplett in weiß gekleideten Herren überzeugen mich vollends. Selbst das von mir bislang kritisch betrachtete „Allein, allein“ funktioniert und gegen Ende des Konzertes wenden die Musiker dem Publikum den Rücken zu, um mit Masken zum psychedelischen Finale anzusetzen.

Es entgeht mir nun eine Band, die des Anschauens mehr als würdig gewesen wäre: Bodi Bill. Sie waren mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt, leider.

Nach geleerter Weinflasche geht es zurück auf‘s Gelände. The Whitest Boy Alive. Sie begrüßen die Zuhörerschaft damit, seit fünf Wochen das erste Mal wieder zusammen Musik zu machen, Probe auf der Bühne sozusagen. Ungeschickt, und anfangs hapert es auch merklich mit dem Zusammenspiel. Zu stark empfand ich auch den Bruch zwischen Erlend Oyes ernsten Texten und seinem Herumgehampel dort auf der Bühne. Die Rhythmusgruppe ist dafür sehr überzeugend. Schade, gerade als großer Anhänger der Platten. Trotz alledem schöne Musik, möglicherweise kannte ich die Aufnahmen einfach zu gut.

Die Sterne gefielen nicht so. Da ist bei mir nie der Funke übergesprungen. Meine Leute waren dafür umso begeisterter.

Um kurz vor drei erscheinen Frittenbude auf der Zeltbühne. Es klingt stark nach Deichkind. Anfangs für cool befunden, gleicht doch jedes Lied dem anderen. Und was dieser Typ da auf der Bühne mit seiner Gitarre gemacht hat, ohne Kabel und Verstärker soll mir wohl auf Ewig ein Rätsel bleiben.

Die folgende Feierei im Zelt ist umso unterhaltsamer, doch irgendwann wollen dann weder Beine noch Ohren mehr, es geht Richtung Schlafsack.

Dem Krach zum Trotz schlafen wir nahezu bis Mittag. Mit am See baden, Grillen und trinken vergehen einige Stunden. So sind Telekinesis die erste Band die wir uns samstags ansehen. Komplett im Alleingang hat Michael Lerner die Stücke geschrieben. Live spielt er Schlagzeug, und das mit Leib und Seele. Die typischen Indie-Gitarren erklingen dazu. Kurzweilige Lieder sind das, mit Melodien die hängen bleiben.

Friska Viljor. Zwei unglücklich verliebte junge Männer treffen sich um Songs über ihre Verzweiflung zu schreiben. Auf der Bühne macht die Band um die beiden kreativen Köpfe aber einfach eine große Feier mit dem Publikum.

Die Jungs von Tomte sah ich wohl zu häufig, als das mich die Hamburger zum aktiven Zuhören bewegen könnten. Was aber zu unserem Zelt hinüberschallt hört sich gewohnt gut an.

Jeans Team sind der nächste Elektroact nach Frittenbude. Ihren Namen in Leuchtbuchstaben im Hintergrund, werden hier tanzbare Rhythmen und Synthieflächen produziert, dazu recht flacher, deutscher Text. Laut war es außerdem, hat aber Spaß gemacht.

Die altbekannten Kettcar fallen durch einen übermäßig betrunken Markus Wiebusch auf. Der während der Ansagen stark lallt, aber fehlerfrei singt. Eigentlich keine gute Vorraussetzung für einen Auftritt. War aber wieder erwarten recht großartig was Kettcar da ablieferten.

Mit Pale um kurz vor zwölf nähert sich das Fest dem Ende. Sie traten bereits auf dem ersten Immergut vor zehn Jahren auf, jetzt sind sie wiedergekommen, um ihr allerletztes Konzert zu spielen. Ein emotionaler Auftritt mit einem zu Tränen gerührten Holger Kochs, tollen Songs und bebendem Zeltboden bleiben im Gedächtnis. Es endet mit unzähligen Menschen auf der Bühne und einer Konfettikanone. Großartig!

The Soundtrack of Our Lives bilden den passenden Abschluss mit ausufernden Instrumentalpassagen, die sich abwechseln mit recht harten Rocksongs. Sänger Elbott Lundberg wandert Moses-ähnlich mit einer Kerze durchs Publikum. Gottesdienst auf LSD beschreibt das Ganze gut, denke ich bei mir.

Nach den letzten Tönen wird noch ein wenig im Zelt weitergefeiert. Danach schlafen, packen und wieder nach Haus. Schön war‘s!

Mehr vom Fest? Nachschlag im Immergut-Blog oder auf der hochoffiziellen Homepage!

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