Immanu El – Forum Bielefeld, 20.04.2011

von Hififi am 30. April 2011

in Feierlichkeiten

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An Abenden wie diesem leidet die Bielefelder Konzertszene unter den frühsommerlichen Temperaturen und so sind unter Umständen viele potenzielle Forumbesucher kurzfristig im Biergarten versackt, als sich in einem abgedunkelten Club hervorragende Livemusik anzuhören.

Die gibt es zuerst von den Niederländern um Eins Zwei Orchestra, die My Bloody Valentine-Soundeskapaden auf nahezu perfekte Popsongs zu drapieren wissen. Und auch wenn keine Sau die Songs kennt und deshalb niemand so recht weiß, wann es an der Zeit ist zu applaudieren, kann das halbstündige Set absolut überzeugen. Und da die Songs gerne in einer Wall of Sound auslaufen und wiederum das nächste Stück gerne kreischende Gitarren voranstellt und eh alles ineinander übergeht, ohne längere Ansagen, muss das Publikum in Schutz genommen werden. Mitten im Song will niemand Beifall spenden und so ist es mit den Sympathiebekundungen etwas kompliziert. Das Ehepaar van Maurik lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und harmoniert gesanglich, wie es kaum besser geht. Aus dem Dunstkreis der nicht minder großartigen Brown Feather Sparrow (und ab sofort Eins Zwei Orchestra) wird auch in Zukunft noch einiges zu erwarten sein, es darf sich vorgefreut werden.

Die fünf Jungspunde von Immanu El haben es also gar nicht mal so leicht, eine würdige Nachfolge anzutreten, sind aber stilistisch wie optisch weit entfernt vom grundsoliden Indie-Noisepop der Niederländer. Episch und im Postrock verwurzelt, ist es vor allem der glasklare Gesang der Strängberg-Brüder, der dem Ganzen einen gewissen Glanz zu verleihen weiß. Problematisch bleibt allerdings nicht zuletzt der fast ausnahmslos identische Songaufbau: es wird fragil begonnen, übergeleitet wird in eine Eruption aus Gitarren und Synthies um sich dann zumeist wieder zurückzunehmen und geendet wird, wie es begonnen hat. Ich fühle mich an meine alten Emo-Helden von Elliott erinnert (vor allem an deren Album „Song In The Air“ von 2003), wobei gesanglich Jónsi Birgisson von Sigur Rós herzlich grüßen lässt. Der Sound ist wiederum so glasklar, die Band absolut liebenswürdig, dass durchaus von einem geglückten Abend die Rede sein kann. Aber eben Sigur Rós, oder besagter Jónsi, die Latte durchaus sehr hoch gelegt haben. Es lässt sich allerdings an Lydia van Maurik-Wever von Eins Zwei Orchestra sehr genau das Potenzial der Göteborger erahnen, sie zuerst ganz hinten mit geschlossenen Augen auf einer Bank sitzt und den zweiten Teil des Sets direkt vor der Bühne miterlebt.

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