I Am Kloot – JZ Kamp Bielefeld, 18.10.08

von Hififi am 22. Oktober 2008

in Feierlichkeiten

Es gibt immer ein paar Bands, die man sträflich vernachlässigt, wenn von einer bestimmten Stadt mit großer Musiktradition die Rede ist. Im Falle Manchester, denkt wohl jeder zuerst an Oasis, dann wahrscheinlich an The Smiths und auf jeden Fall sind auch die Stone Roses noch sehr präsent. I Am Kloot gibt es zwar erst seit neun Jahren, aber mittlerweile ist das Trio um John Bramwell auch in „Madchester“ eine feste Größe und in Deutschland zumindest nicht mehr völlig unbekannt.

Anfangs noch fester Bestandteil der „Quiet Is The New Loud“-Bewegung um Bands wie die Turin Brakes und den Kings of Convinience, distanzierten sich I Am Kloot schon mit ihrem Zweitwerk wieder von dieser Selbstlimitierung und verloren sich ein wenig im Bombast. 2008 sind sie mit „I Am Kloot Play Moolah Rouge“ wieder dort wo sie angefangen haben. Ihr viertes Studioalbum knüpft wieder an die Tradition des Debüts an und war innerhalb weniger Tage im Kasten. So etwas funktioniert natürlich nur, wenn man eingespielt und noch dazu eine hervorragende Live-Band ist und bei aller Bramwellscher Redseligkeit, ist noch ein wenig Platz um dies unter Beweis zu stellen.

John Bramwell ist ein Scherzkeks, so lässt er keine Gelegenheit aus, um mit dem Publikum in Kontakt zu treten und fühlt sich sichtlich wohl, wenn es seine Ausführungen mit ein wenig Gelächter bedenkt. Besonders schön sind Ansagen wie „this song’s about desaster“, vor allem, wenn sie mehrmals kommen und damit schon recht präzise der textliche Inhalt, des ein oder anderen Songs beschrieben wird. Und so werden die knapp zwei Stunden zu einer extrem kurzweiligen Angelegenheit, in denen das Kamp neunzehn Songs und einen unterhaltsamen Entertainer geboten bekommt. Pete Jobson (Bass) und Andy Hargreaves (Drums) müssen da gar nicht groß in Aktion treten, sodass sich beide komplett auf ihr Spiel konzentrieren können und das ist im Falle von Andy Hargreaves eine spannende Angelegenheit. Wie er dort mit den Besen seine drei Becken streichelt und dabei jeden Schlag wie selbstverständlich aus den Handgelenken schüttelt, wird einem auf einmal eine gewisse Jazz-Tradition in der Musik der Drei bewusst. Und auch der Blues ist in Songs wie „Hey Little Bird“ sehr greifbar und somit kommen mal andere Wurzeln zu tragen, als z.B. die von Oasis, auch wenn sie nicht ganz so offensichtlich sind, und obwohl Bramwell heutzutage wie eine Mischung aus Noel Gallagher und Paul Weller aussieht. Jedenfalls war an diesem Abend mit dieser Band die Crème de la Crème des Brit Pop in Bielefeld und sie waren noch nicht einmal unsympathisch.

Setlist:

One Man Brawl

Fave Sky

Someone Like You

Morning Rain

Strange Arrengements Of Colour

Hey Little Bird

Titanic

The Runaway

Storm Warning

Ferris Wheels

Life In A Day

Twist

Dead Mans Cigarettes

Suddenly Strange

To You

Proof

I Believe

Because

Bigger Wheels

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon Oktober 24, 2008 um 15:00 Uhr

I am Kloot! Das ist ja mal geil, Nico! Aus irgendeinem Grund habe ich die im Laufe der Jahre aus den Augen verloren, obwohl ich ihr Debüt „Natural History“ noch nach all den Jahren klasse finde!
Der Song „To you“ ist beispielsweise von „Natural History“. Sehr schade vielleicht, dass sie „Sunlights hits the snow“ und „Dark star“ nicht gespielt haben…
Aber die beste Nachricht: sie machen noch immer Musik und haben ein neues Album- sehr geil!
Waren denn auch ordentlich Leute da?

2 Hififi Oktober 24, 2008 um 19:13 Uhr

Ich kann das immer ganz schlecht schätzen. Vielleicht 300?

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