I Am Kloot – 25.10.2010, Münster, Gleis 22

von am 30. Oktober 2010

in Feierlichkeiten

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I Am Kloot ist so eine Band, dessen Karriere nie so richtig Fahrt aufgenommen hat. Seit ihrem Albumdebüt „Natural History“ bis zu „Sky At Night“ gab es Höhen und Tiefen, aber insgesamt hielt sich alles in einem eher unspektakulären Rahmen. Bezeichnenderweise wurden die erwähnten Alben unter anderen von Elbows Guy Garvey produziert – auch so eine zumindest hierzulande unterschätzte Band, die den Status Geheimtipp trotz durchgehend grandioser Alben dauerabonniert hat.

Auch heute noch ein Aufreger: Als bei der VOX-Sendung „Das Perfekte Dinner“ plötzlich John Bramwell als Gastsänger ein paar Songs als Intermezzo zwischen zwei Gängen brachte, hatten die eingeladenen Gäste nicht mehr dazu zu sagen als „Ganz nett. Hätte es aber nicht gebraucht.“ Der geneigte Zuschauer bekam zu Hause feuchte Augen und die Herrschaften am Tisch saßen da und waren nicht einmal ansatzweise berührt. Schräge Welt, aber passend für I Am Kloots Rezeptionsgeschichte. Irgendwie oft nicht richtig wahrgenommen, von Kritikern gelobt, von den Fans gefeiert, ohne den großen Durchbruch zu schaffen. Und dennoch, das Gleis ist an diesem Abend ausverkauft. Jeder will mal gucken kommen, schließlich hat man den Bandnamen schon mal irgendwo gehört. Entsprechend durchmischt ist das Publikum: Gelegenheitskonzertgänger aus dem Radiomainstream, junge Indienerds, Britpopper und Papas und Mamas.

Der Ostwestfale Ron Diva wird brav abgeklatscht, sein deutschsprachiger Indiepop bleibt aber kaum beachtet. Unspektakulär nett.

I Am Kloot sind zu einem Quartett angewachsen, um den vielfältigen Sound ihrer bisherigen Alben zumindest ansatzweise gerecht zu werden: Klavier und Saxofon sind die untermalenden Sounds des Abends. Schon jetzt freut man sich auf den Sax-Einsatz von „Radiation“, aber bis dahin ist es noch ein längere Weg.

Das für den kleinen Club etwas zu pompöse Intro vom Band gibt die Stimmung vor, die den ganzen Abend über vorherrschen sollte, nämlich die einer Band, die es gewohnt ist, größere Venues zu bespielen. Der glasklare Sound erscheint stets eine Spur zu gewaltig für das Gleis. Das hat allerdings den Vorteil, dass die zahlreichen Dauerquatscher selbst bei den ruhigeren Passagen einfach übertönt werden können. Aber so richtig kuschelig wird es nicht, Band und Publikum kommunizieren höflich miteinander, aber Bramwell und Co bleiben in ihrer Blase und das Publikum seinerseits ebenso.

Das Set ist ein Querschnitt durch die Bandgeschichte, wobei der Fokus eher auf den ruhigeren Pubrockstücken liegt. Es fehlen viele ihrer schmutzigeren Bluesnummern. Erwartungsgemäß sind die meisten Songs abgespeckte Varianten von „Sky At Night“: „Northern Skies“, „Lately“ und später auch das grandiose „Radiation“, sowie „Same Shoes“ mit seiner schwülen Saxofon-Romantik. Dazwischen dann Hits und Semihits aus allen Schaffensphasen. Das unkaputtbare, mittlerweile schon auf drei Alben erschienene „Proof“, die Single „From Your Favourite Sky“ oder das beschaulich schöne „At The Sea“. Wer zum Rocken gekommen ist, hat es nicht leicht an diesem Abend. Sicher waren I Am Kloot noch nie eine Uptempo-Rockband, aber trotzdem hätte man sich gelegentlich ein paar Noise-Ausbrüche wie „This House Is Haunted“ oder ein knackigeres „Gods And Monsters“ gewünscht. Nichtsdestotrotz ein tolles Herbstkonzert nachdem man es sich mit einer Flasche Rotwein am Plattenspieler gemütlich machen kann und sich fast ein bisschen darüber freut, dass es draußen langsam immer dunkler und kälter wird.

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