Hurricane Festival – Scheeßel, 23-25.6.06

von Benjamin am 26. Juli 2006

in Feierlichkeiten

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Und wieder ein Mal: Hurricane! Mein inzwischen 5. Mal im schwarzen Sand der Lüneburger Heide! Ums vorweg zu nehmen: War eine Verbesserung zum letzten Jahr, aber 2001 und 2002 bleiben unübertroffen!

Freitag Abend habe ich mir eigentlich nur die Artic Monkeys angesehen. Nett, aber irgendwie belanglos. Sind ganz schön routiniert, die Bengels.

Weiß auch nicht, was da mit mir los war. Habe irgendwie den Tag musikalisch verpennt. Und zu Maximo Park war ich dann bereits müde. Aber die Jungs kenn ich ja auch schon.

Samstag dann mal so nen richtigen Festivaltag gemacht: The Kooks sind unglaublich nett. War schön, genau das richtige für so einen Festivalnachmittag mit dieser Mischung aus Rock, Pop und Punk mit den netten Reggae-/Ska-Elementen. Aber zu so einem Nachmittag passt eigentlich noch besser: Donovan Frankenreiter. Entspannung pur. Der Mann liebt seine Gitarre und benutzt sie für einfache Musik. Sehr Funkig das ganze. Auch immer schön: Die hüftschwingenden, tanzenden Mädels. Das bei Sonnenschein, ein Traum!

Ein Höhepunkt am Samstag: The Raconteurs! Jack White muss nicht alle Instrumente bedienen und darf sich auf seine Gitarre konzentrieren. Sein Kumpel Brendan Benson bedient die andere Klampfe und singt ebenfalls. Man merkt, dass hier Freunde auf der Bühne stehen, die Spaß an der Musik haben und völlig unverkrampft drauflosspielen. So kommt es zwischendurch zu ausgedehnten Gitarrensoli und kleineren Jameinlagen. Musikalisch bewegt sich das ganze im Bluesrock und melodischen Indie-Pop a la Beatles. Ist auch nicht weiter verwunderlich, ist doch Benson Beatles-Fan und Jack White einer der größten Bluesrocker der letzten 5 Jahre. Schöe Musik entsteht dabei. Gespielt wurde in der Stunde wohl das komplette Album.

So weiter gehts, Teil 2 vom Fest!

Wegen der Nahrungsaufnahme Blackmail verpasst, aber die gibts ja immer irgendwo für günstig. Mando Diao auch, aber das ist weniger schlimm. Sind zu arrogant für durchschnittliche bis gute Musik… Obwohl nen Blick konnte man auf dem Weg zu den Shout out louds auf sie werfen. Toll sahen sie aus, aber das tut die Keyboarderin bzw. Multiinstrumentalistin der letztgenannten auch. Und mir war in dieser Situation der melodiöse Pop-Rock lieber. Shout out louds sind eine Band, deren Sound die Leichtigkeit anderer schwedischer Gitarrenpopbands gepaart mit etwas Folk und noch ner Spur Indie-Rock sich in den Ohren festkrallt. Ohrwurm-Garantie ist angesagt. Leider hört man die Bässe der blöden Hives zu häufig. Naja, das Konzert war trotzdem ein Genuss! Dann raus ausm Zelt und ein wenig dem hüpfenden Pele der Hives zugeguckt. Ja, ich habe sie damals 2001 als Vorband der Ärzte gesehen und finde sie inzwischen langweilig. Bravopunks halt.

Aber eigentlich warten wir ja nur auf: The Strokes! Und man freut sich zu früh: Astreiner Sound, viel zu bunte Lichter, alles passt wunderbar zusammen, aber da kann ich mir auch zu Hause die CD einlegen und bunte Glühbirnen anmachen. Wo man jetzt eine Diskussion anfangen könnte, ob man lieber sehen möchte, ob die entsprechende Band ihre Aufnahmen auch live astrein umsetzen kann oder ob man lieber Bühnenaktion mit kleinen Unsauberkeiten bevorzugt. Bei Rockmusik eher letzteres… Vielleicht stand ich auch einfach zu weit von der Bühne entfernt… Ach ja: Die Lichteffekte erinnerten mich doch stark an die vom Wir sind Helden-Auftritt vom letzten Hurricane.

Der extrem heiße Sonntag begann mit einem Ausflug aufs Festivalgelände und unter einem Sonnenschirm lauschten wir den Klängen von Pete Blume, den Gewinnern des Beck’s-Nachwuchsband-Wettbewerbs. Machen nette deutschsprachige Rockmusik, aber das ist derzeit in. Wenigstens haben sie nen ordentlich rockenden Frontmann. Bleibt abzuwarten, was passiert, wenn Pete Blume nen Plattenvertrag haben. Meine Prognose: Dann klingen sie wie Madsen, Revolverheld und co.

Reste essen und Biertrinken auf dem Zeltplatz folgten bis es bei mir mit den Two Gallants weiterging. Juhu, waren die SUPER mit ihren ausladenden Soli und dem trockenen, punkigen, folkigen, rockigen Sound. Was zwei Leute mit zwei Instrumenten (hat der Gitarrist eigentlich das Gitarrenmodell gewechselt? ich glaub nicht!) auf der Bühne alles so anstellen können. Ok, auch hier hat man zwischendurch die Band von der Hauptbühne – The Cardigans!!! – gehört. Veranstalter überlegen se sich da ne bessere Lösung! Siehe Kommentar von Otic zu Hurricane Teil 1 (dem Kurzbericht zu Archive).

Dann raus ausm Zelt und was spielen The Cardigans in dem Moment? „Hanging around“! Einen meiner liebsten Songs der Schweden! ICh bin hin und weg und bleibe es die letzten 30 min dieses Konzerts! Super Band, tolle Frontfrau!

Anschließend Live! Bin wahrscheinlich nicht der einzige der damals ihr Album „Throwing Copper“ rauf-und-runter gehört hat und in Discos mit Rockmusik zu „I Alone“ getanzt hat. Dementsprechend feier ich auch die Songs von „throwing Copper“ ab und murmel mantra-artig „früher waren die mal gut“ bei allen anderen, zum Teil erschreckend langweiligen, Songs. Damals halt…

Zum (unfreiwilligen) Abschluss des Festivals gibts für mich Wir sind Helden. Ein Sammelsurium an Hits. Wohlfühlen, mitsingen, ach ne, wat schön. Schön war auch als Judith Holofernes die Ordner draufhingewiesen hat, dass die Leute bei der Hitze doch eher Wasser gebrauchen könnten als diese duseligen überdimensionalen Magentaroten Werbehände einer Telekommunikationsfirma. Und weil die Ordner Wasser für ne gute Idee fanden, hat die schwitzende Menge auch Wasser bekommen. Ein Highlight des Konzerts war das The Cure-Cover „Why can’t I be you?“ mit Bläserunterstützung. Die Jungs an den Tuten beendeten den Song mit einer kurzen Wham!-„Careless Whisper“-Einlage. Großer Spaß!

Naja, was folgte war der Abbruch des Festivals und ein ordentliches Unwetter. Aber davon habt ihr sicherlich schon in der Presse gelesen.

Insgesamt war es ein tolles Festival!

Ach ja: Dank an die junge Dame vom Visions-Stand für das Gratis-Wasser am Samstag und an den jungen Herrn desselben Stands, der mir nochmal die Shout out louds ans Herz legte.

Und Danke an den Typ mit dem Starthilfekabel (welches er von wiederum jemand anderem geliehen hatte) und die 4 Mädels im dunklen Ford Mondeo, die meiner Autobatterie (was son ein brennendes Innenraumlicht an Strom zieht…) etwas Saft geschaft haben. O-Ton: „Klar wir helfen gerne, wenn ihr wisst wie die [auf die Motorhaube deutend] aufgeht.“ Haben sie aber dann selbst rausgefunden… Ach ja: Der Mann im Gelbe-Engel-Auto wollte für diesen Dienst 40 Euro haben, da er angeblich kein offizieller ADAC-Mann sei könnten wir auch nicht Blitzmitglieder werden, wie das normalerweise geht. Sausack, der!

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{ 5 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Juli 4, 2006 um 11:59 Uhr

„Mein“ Teil 2 dauert etwas! kommt aber in den nächsten Wochen 😉 Aber vielleicht schrieben ja noch andere Hurricane-Fahrer über ihre Festival-Eindrücke!

2 Sterereo Juli 5, 2006 um 00:59 Uhr

Zu blöd. Mensch, ich wäre auch gerne da gewesen! Im Gegensatz zu dir fand ich nämlich das 2005er Hurricane schweine geil. Liegt vielleicht daran, dass es mein erstes war. Wird aber auf jeden Fall nicht mein letztes sein. Scheeßel 2007: Ich komme! 🙂

3 otic Juli 5, 2006 um 20:29 Uhr

Am Freitag sind auf jeden Fall noch die großartigen ELBOW hervorzuheben!
Passten zwar nicht so ganz an Ort und Stelle, trotzdem toll!

Ansonsten gut:

– WOOOOLFMOTHER!
Sorry, hab‘ einfach Spaß an den Jungs! Auch bei gefühlten 48 Grad & 100 % Luftfeuchtigkeit

– Shout Out Louds
Immer wieder schön. Tolles Set, tolle Stimmung, wie immer…

-The Brian Jonestown Massacre
Anton war ja ganz gut drauf. Reverb & Feedback. Ansonsten siehe Elbow.

-The Gossip
Erwartungsgemäß der absoluter Live-Hammer! Obwohl mir die „Movement“/“Thats not what I heard“-Stücke wesentlich besser gefallen haben, als das neue Material. Lieber Schräbbelgitarre als Groove-Bass.

-TCTC
Nach einigen Jahren, der erste Liveauftritt, den ich sehen durfte. Nach etwas enttäuschender Vorabverkostung des neuen Materials um so positiver überrascht. Toller Auftritt, mit viel Noise. Auch ohne Didz.

-Archive
Extrem übertönt von Wir sind Helden. Ansonsten: Solide, unter Erwartung.
Gna!

4 RockinBen Juli 28, 2006 um 19:56 Uhr

Grad den Bericht von ARTE übder das Festival gesehen. EIgentlich ganz gut gemacht, aber manchmal wirkte Die Reportage wie ein 120min Werbespot für das Hurricane. Nach dem Bericht war ALLES perfekt! Naja, bin ja vom Krisenmanagment vor und während des Unwetters nicht überzeugt gewesen. Aber egal… Unser Zelt hat das Unwetter sehr gut überstanden und das ist doch die Hauptsache.

5 JonesKorn Dezember 10, 2006 um 15:53 Uhr

Vielleicht ein bisschen spät, aber dennoch:
erwähnenswert finde ich auch noch den Auftritt von Sigur Rós. Die hatte ich vorher noch überhaupt nicht gehört und sie waren mir nur vom Namen her ein Begriff. Die müssten am Samstag den Abschluss gegeben haben, jedenfalls war von meiner Truppe niemand mehr anwesend und ich habe sie mir sozusagen „alleine“ angeschaut (so wirklich alleine ist man auf dem Hurricane natürlich nicht). Interessant fand ich jedenfalls, dass ich zu der Musik praktisch im stehen hätte schlafen können, was aber überhaupt nicht negativ gemeint ist, im Gegenteil. Es war ein herrlicher Abschluss eines langen Festivaltages, der für mich überhaupt nicht besser hätte sein können. Den größten Teil des Auftritts habe ich jedenfalls mit geschlossenen Augen verfolgt.

Apocalyptica waren leider nicht so überragend, wie ich sie vom Wacken 2005 in Erinnerung hatte. Vermutlich lag es auch daran, dass die Musik deutlich besser wirken kann, wenn es dunkel ist; zumindest empfinde ich das so. Musikalisch war da sicher nichts dran auszusetzen. So habe ich mich dann sogar ein bisschen zurück gezogen und auf sämtliches headbangen verzichtet.

Zum Thema „Live“ (also der Band) kann ich auch nur anmerken, dass alles, was vom „Songs From Black Mountain“ Album kam, flach, gewöhnlich und vor allem langweilig klang. Um so wohltuender war es, wenn die alten Songs gespielt und lauthals vom Publikum mitgesungen wurden (bis dahin dachte ich, dass [I]ich[/I] viele Texte auswendig kenne…).

rock on
Jens

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