Hurricane Festival – Scheeßel 19.-21.06.2009

von Benjamin am 27. Juni 2009

in Feierlichkeiten

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Das Hurricane 2009 wurde natürlich von der Reunion von Faith No More überschattet. Aber wenn man es genau betrachtet, waren einige (ehemals) stilbildende Bands vor Ort: Kraftwerk sind Pioniere elektronischer Musik, Nine Inch Nails waren mal die Sperrspitze des Industrial, Die Ärzte als neben den Hosen bekannteste Deutschpunk-Vertreter, Fettes Brot als eine von zwei Säulen des poppigen deutschen HipHops und und und.

Aber der Reihe nach! Glasvegas haben angeblich das Festival eröffnet. Gesehen haben sie nicht viele, da der Beginn für 15.30 angesetzt war, das Gelände gegen 15.20 geöffnet wurde und als ich nach dem Regenschauer vor der Bühne stand (16 Uhr), waren Glasvegas weg! Sie sollten bis 16.20 spielen, gaben aber wohl bereits nach 20min auf Grund von Problemen mit dem Gitarrenequipment auf. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, schließlich ist die Band extra auf diesen Slot gesetzt worden, damit sie pünktlich auf einem Festival auf den ihnen ergebenen britischen Inseln auftreten können. Jedenfalls haben sie so definitiv den Flieger bekommen.

Die erste Band, die ich also gesehen habe, waren die Editors. Ein solider Auftritt inklusiver aller Hits. Nicht berauschendes, also Frauen gucken: Duffy! Irgendwie hat diese unterkühlte Britin Charme und ihre souligen Songs sind auch nett anzuhören. Also so nebenbei während man sich unterhält. Ein bisschen Franz Ferdinand, die wie immer solide das Volk zum Tanzen brachten. FF machen richtig Spaß, wenn man nah dran sein kann. Weiter hinten fehlt ein wenig das Feuer. Franz Ferdinand wirken halt besser live in Clubs als von Platte bei Kaffee und Kuchen. Clubatmosphäre bietet die Zeltbühne. Da rappte Dendemann, den meine Begleitung damals bei Eins-Zwo richtig gut fand. Heute ist Dende ein langweiliger alter belangloser HipHopper. Schade. Aber Die großen Rockhelden der Popszene sollten ja auch jetzt auftreten: Ein bunter Strauß an neuen wie alten Hits, also eine ausgewogene abwechslungsreiche Setlist haben die Kings of Leon gehabt und wenn man die alten Songs neben den neuen hört, dann merkt man eigentlich erst, wie erstaunlich gut die Band funktioniert. Was aus der Heimanlage wie ein Bruch mit dem dreckigen Bluesrock des ersten Albums wirkt, zeigt live, dass alles nebeneinander bestehen kann. Leider hörten die Kings of Leon 15min vor regulärem Ende auf. Was aber nicht schlimm war, denn man konnte sich noch einen schönen Platz für die Performance von Kraftwerk sichern. Die vier Musiker auf der Bühne hinter ihren Laptops („die surfen bestimmt im Internet“) waren irgendwie unwichtig. Was sich auf den Leinwänden abspielte und die Songs wie Autobahn, Expo 2000 oder Tour de France in bewegte Bilder und Computeranimationen umsetzte, war sehenswert. Auch der Sound war unglaublich gut. Ein gelungener Festivalstarttag, auch wenn ich wegen der vielen Überschneidungen The Do und Nneka verpasst habe.

Samstag gab es zwar auch eine böse Überschneidung, aber die habe ich durch ein Nickerchen umgangen: Nach Blood Red Shoes und The Wombats (beide Bands waren gut, aber so richtig habe ich die Bands aufgrund netter Gesprächspartner nicht verfolgt…) habe ich mich wieder schlafen gelegt und so habe ich mich gegen Pixies und Fleet Foxes entschieden und nicht für eine der beiden Bands.

Dafür war ich aber zu Lykke Li rechtzeitig fit. Was die Frau auf der Bühne an Energie verbreitet, ist unglaublich. Dance Dance Dance, Tonight, Everybody but me sind live richtige Tanzhits. Ein wundervolles Konzert! Aber keine Zeit, das alles zu verarbeiten, denn jetzt kamen die Helden: Faith No More zeigten, dass ihre Songs auch nach Jahrzehnten noch funktionieren und man merkte wieder, wie viele Bands sich an Faith No More orientieren. Eine kleine Enttäuschung war allerdings die 1zu1 Wiedergabe der Songs. Es fühlte sich an, als wenn die Band einfach nur ihr Greatest Hits Album performten. Aber etwas anderes erwartet man ja auch von einer Reunion nicht. Aber immerhin konnte ich so in den Genuss eines Faith No More Auftritts kommen, den ich vor 10 Jahren eben nicht hatte. Taumelnd von dem Hitfeuerwerk und noch immer benommen von der Energie des Lykke-Kinds sowie voller Glückseligkeit habe ich mir dann die Melancholie von Nick Cave and The Bad Seeds geschenkt und mich schlafen gelegt.

Sonntags war ich dafür richtig fit und zu allem bereit. Leider war der Hurricanezeitplan in diesem Jahr ganz schwach am Sonntag. Ohne das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben, wird als erste Lily Allen bewundert. Das Popsternchen ist so natürlich und authentisch, dass sie einen in den Bann ziehen kann. Schon sehr sympathisch, was sie da auf der Bühne performt. Sympathisch sind auch Keane. Poprock britischer Art, grundsolide und mit dem Queen-Bowie-Song „Under Pressure“ eine sichere Coverversion. Fettes Brot machten dann das, was sie am besten können: eine gigantische Party. Dafür haben sie auch nur Party-Hits (Jein, The Großer, Schwule Mädchen, Nordisch by Nature uvm.) ausgepackt und die kritischen Songs – die sie ja durchaus haben – zuhause gelassen. Doch, war in Ordnung, brachte Spaß. Aber auf der anderen Bühne kommen Nine Inch Nails, also rüber. Was Trent Raznor da macht, ist inzwischen eine solide Rockshow. Nichts besonderes, v.a. wenn man den Auftritt von Nine Inch Nails mit dem von Faith No More vergleicht: Die Musik von Faith No More packt mich heute noch, sie klingt weiterhin frisch und einzigartig. Nine Inch Nails sind 10-15 Jahre zu spät, um mich in irgendeiner Form zu faszinieren. Also nach 5-6 Songs rüber zur Besten Bänd der Welt. Die Ärzte begleiten mich musikalisch über die Hälfte meines Lebens und nach dem letzten schwachen Album und nem mittelmäßigen Konzerterlebnis dazu, wollte ich eigentlich nur rüber, um mit ihnen Schluss zu machen. BelaFarinRod haben mich aber wieder rumbekommen. Der Auftritt war kurzweilig und machte Spaß. Hits haben sie ja auch genug, dazu ein wenig Bühnenbespaßung mit großen Gesten und schmutzigen Witzen. Ein guter Abschluss des Hurricane-Festival 2009. Apropos gut: Die sanitären Anlagen waren für ein so großes Event unglaublich gut, die Idee, gekühltes Beck’s für 1 Euro (plus 25 Cent Pfand) auf dem Campinggelände zu verkaufen – Müllvermeidung ist das Stichwort – war super. Und, was ich loben muss: Security-Menschen, die auf so einem Riesenfestival, fast immer lächeln, ansonsten aber nicht auffallen, sind gute Security-Menschen! Vielleicht lag es auch daran, dass sie nur auf 60 000 betrunkene Musikfans aufpassen musste und nicht auf 75 000 wie im vergangenen Jahr.

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{ 5 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon Juni 28, 2009 um 16:43 Uhr

Bennie, ich fall hie vom Hocker! Du hast Pixies und Fleet Foxes verschlafen?? NEIN!!!

Bei Pixies könnte man einwänden, ok es ist eine Reunion und die Songs halt die, die man schon seit jahren kennt. Aber Fleet Foxes darf man sich doch nicht entgehen lassen, echt!

2 Pynchon Juni 28, 2009 um 16:45 Uhr

„einwenden“ wollte ich schreiben, aber das war im Zustand des Schocks.. 😉

3 RockinBen Juni 30, 2009 um 08:54 Uhr

hm, gute Frage, wenn „einwenden“ von „Einwand“ kommt, dann wäre „einwänden“ gar nicht so verkehrt… Da dem aber nicht so ist („Einwand“ kommt von „eingewandt“), ist „einwänden“ auf der Normebene der deutschen Sprache falsch. So, kleine sprachwissenschaftliche Fingerübung meinerseits zu Beginn des Arbeitstages 😉

Ansonsten: wenn ich nicht akkreditiert werde, dann habe ich das gute Recht mich standesgemäß zu betrinken! Wenn dann noch die äußeren Umstände gegen mich sprechen (kleine Pause am Zelt, da fängt es an Katzen und Hunde zu regnen, also ins Zelt gelegt und eingeschlafen…), dann kann ich nicht alles sehen. So ist das nun mal… 😉

4 otic Juli 3, 2009 um 16:30 Uhr

Fleet Foxes dürfen ruhig eingewändet werden, ganz im Sinne von einmauern.

5 Sterereo Juli 8, 2009 um 12:11 Uhr

Na, na, na! Soll das etwa heißen, dass die tollen Fleet Foxes vor den feinen Ohren von otic keinen Gefallen finden? 😉 Ich find sie nach wie vor großartig. Zwar nicht etwas für jeden Tag und jede Stimmung, aber immer wieder schön.

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