Hundreds – Interview

von Sterereo am 17. Dezember 2009

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Zwei Mal zwei Geschwister zum Achtaugengespräch. Das Brüderpaar von Hififi & Sterereo trifft Eva und Philipp von den Hundreds, die sie mit ihrer selbstbetitelten EP und den dazugehörigen verträumten Indie-Electro-Klängen restlos überzeugt haben.

Nico: Die alles entscheidende Frage: Wann kommt das Album und auf welchem Label?

Eva: Auf welchem Label wird natürlich nicht verraten. Ist auch noch nicht ganz sicher. Veröffentlich werden soll es Anfang Februar, spätestens im März. Es ist schon gemischt und fertig.

Nico: In der Uckermark. Wie ist das zustande gekommen?

Eva: Stimmt, in Barbara Morgensterns Ferienhaus war das.

Nico: Dorthin hat sie euch eingeladen?

Eva: Nee, wir haben sie gefragt.

Philipp: In so einer Scheune war das, dort haben wir unser Zeug hingebracht und gemischt.

Eva: Wir haben uns gut verstanden auf der Tour, sonst hätten wir das wohl nicht gemacht. Zu der Zeit hat sie ihr Baby in Berlin bekommen und war deshalb nicht dort.

Nils: Wie kam des mit der Tour, mit Barbara Morgenstein?

Eva: Unser Booker hat bei ihr einfach angefragt.

Nils: Wenn ihr also jetzt auf Tour seid, könnte immer ein Label dabei sein, das nur auf euch gewartet hat. Das ist doch mal spannend.

Eva: Allerdings.

Philipp: Manchmal weiß man schon vorher, ob jemand da ist.

Nico: Ihr kommt viel rum. Als wir in Hannover waren, war es fast wie ein Heimspiel.

Eva: Ja, ich habe in Hildesheim studiert. Ihr habt noch Freunde von mir im Zug getroffen, richtig?

Nico: Richtig, die kamen aus Bielefeld. Von Minden aus hatten wir einen Zug für uns und kamen so ins Gespräch. Hast du nicht auch in Bielefeld studiert?

Eva: Nein, aber gearbeitet. In einer Grundschule. Ich mag Bielefeld immer noch gerne.

Nico: Sonst nehmt ihr in Hamburg auf und habt dort euren Proberaum. Vorher warst du in Erfurt?

Philipp: Ja, ich habe in Erfurt immer noch einen kleinen Proberaum. Ansonsten bei mir in Hamburg in meinem Wohnzimmer.

Eva: Schlafzimmer.

Philipp: Ja, Schlafzimmer.

Eva: Klassische „Bedroom-Production“. Bei mir haben wir doch „Song For A Sailor“ aufgenommen? Und „I Love My Harbour“ auch, oder? Zumindest eingesungen.

Nils: Vorher hat doch jemand in Erfurt gewohnt, oder?

Eva: Das ist eine alte Geschichte. Philipp wohnt mittlerweile in Altona und ich in Eimsbüttel. Das ist nur eine Viertelstunde mit dem Fahrrad.

Nico: Ihr kennt das vielleicht. Wir sind auch Geschwister und gehen uns häufig ziemlich auf den Geist. Braucht ihr Auszeiten, oder könnt ihr euch wirklich ständig am Kopf haben?

Eva: „Am Kopf haben“? (lacht)

Philipp: Ach, wir werden uns auch wieder auf den Geist gehen.

Eva: Und dann aus dem Weg. Erst auf den Geist, dann aus dem Weg. Kommt gar nicht so häufig vor. Vielleicht, weil wir auch so weit auseinander sind.

Nico: Bei uns sind’s auch immerhin sieben Jahre!

Eva: Da sind wir doch deutlich näher. Dann weiß ich auch nicht, was ihr da falsch macht! (lacht)

Philipp: Jetzt rauft euch doch mal zusammen! (lacht)

Nico: Momentan geht’s auch wieder. Auf Festivals, so drei Tage am Stück, das ist hart.

Nils: Dann wird am letzten Tag schweigend nach Hause gefahren! (lacht) Obwohl, diesmal ging’s doch sogar, oder?

Philipp: Wo wart ihr denn überall?

Nico: Auf dem Melt!-Festival waren wir und auf dem Haldern-Pop. Also zusammen. Und ich war noch auf dem Appletree-Garden.

Philipp: Ich will auch auf dem Haldern spielen!

Nico: Das wäre super. Richtig schön im Spiegelzelt.

Nils: Ist das so ein Fernziel von euch, mal auf solchen Festivals zu spielen?

Eva: Zwei Festivalauftritte haben wir sogar gespielt diesen Sommer und einige Leute erreicht. Aber was ist das Fernziel? Erstmal das Album. Und dann? Das Roskilde? (lacht)

Philipp: Ich könnte auch sagen, wie immer: Weltherrschaft! Nein, das Fernziel ist, dass es lebensfähig wird. Eine Fanbasis zu erarbeiten und mal ordentlich zu Touren. Nicht mit 15 Leuten in zwei Minivans unterwegs zu sein.

Nils: Also das Rockstarleben?

Eva: Nein, nicht wirklich. Aber wenn ich ständig besoffen wäre, wäre das sicher besser auszuhalten. Ich sollte damit anfangen! (lacht)

Nico: Was ich immer so interessant finde, wenn ich meinen Freunden was von den Hundreds vorspiele, dann gibt es immer nur absolut positives Feedback, oder es ist vielen auch einfach zu langsam. Aber diese Soundverliebtheit finde ich geil, so viele Schnipsel, wie du da einarbeitest.

Philipp: Danke, cool!

Nico: Jetzt hätte man nur noch eine Frage draus machen müssen. (allgemeines Lachen) Beschreib doch mal, wie machst du das?

Philipp: Du hast es schon mit dem Wort Schnipsel gesagt, das ist der Schlüssel dazu. Ganz trivial gesagt, schneide ich einfach und suche Schnipsel heraus, die mir gefallen. Dabei passieren auch ganz viele Fehler, dann verrutscht die Spur und plötzlich ist ein zu großer Hall drauf. Wenn ich mir das dann anhöre denke ich so: „Hä? Was ist jetzt schief gelaufen? Aber das ist ja geil!“ So passiert das eigentlich. Ich bin nicht der technisch Versierteste und peile so durchs Leben und peile auch am Computer. Irgendwie kommt am Ende so etwas dabei raus.

Nico: Woher kommen dann diese Samples? Ganz oft ist es Evas Stimme, oder?

Eva: Genau. Zum Beispiel bei „Wait For My Raccoon“ musste ich 15 Mal „Ah!“ in fünf verschiedenen Tonlagen singen.

Philipp: Das ist das Intro von „Fighter“. Vorher wusste ich auch nicht, was ich damit mache. Nun macht es halt „Ah!“

Eva: Das war wirklich lustig. Ich bin aus Erfurt weggefahren und habe nur gedacht: Da bin ich mal gespannt, was der daraus macht. Wir haben nur Stimme und Klavier aufgenommen. Ein paar Tage später hat er es mir dann geschickt und ich dachte: Was ist das für eine House-Ballade?

Philipp (empört): House-Ballade! Was?!

Eva: Echt, voll ätzend. Aber als ich’s mir richtig angehört habe, hat es mir gefallen.

Philipp: Eva ist meine Geschmackssicherheit.

Nico: Also ihr prüft euch gegenseitig?

Philipp: Wenn an den Texten mir etwas seltsam vorkommt, dann sage ich das auch, ob sie es dann macht, steht dann auf einem anderen Blatt. Genauso sagt sie mir halt auch: „Das wummst noch nicht.“ Darauf kann ich mich verlassen, wenn ich nicht weiter weiß.

Nils: Wer ist von euch eigentlich darauf gekommen diese Nachtkamera im Video auf eurer Homepage mit Seifenblasen zu kombinieren?

Eva: Wir sind nachts in Berlin in den Park gegangen. Wir hatten schon vorher irgendwo Konfetti aufgetrieben und als ich in meine Tasche griff, habe ich die Seifenblasen gefunden, die ich einen Tag vorher für den Kindergarten gekauft hatte. Zehn Minuten vorher also erst gefunden und dann wurden die wichtig. Ein Zufall.

Nils: Dazu leuchten deine Augen so dämonisch. Was würden die Kindergartenkinder zu dem Video sagen?

Philipp (lacht): Gruseltante!

Eva: Die kriegen das ja nicht zu Gesicht. Doch auch meine Freunde sagen: „Oh, wir erkennen dich ja gar nicht wieder“.

Nils: Ich find das total spannend, du machst musikalische Früherziehung? Ist doch eine total andere Welt gegenüber den Hundreds.

Eva: Naja, Singen und Klatschen.

Nils: Also doch kein Unterschied.

Philipp: Nur ich bin nicht dabei. (lacht)

Eva: Ja, das sind dann so Krippengruppen und die Kinder sind so ein Jahr alt.

Nils: Da ist so ein Konzertabend aber schon Kontrastprogramm. Wir freuen uns darauf, euch mal wieder live zu erleben oder bald euer Debütalbum in den Händen zu halten. Viel Erfolg weiterhin, und Danke für das Gespräch!

Fotos: Jenny Schäfer (tagohneschatten.de)

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