Holy Ghost – dto.

von am 29. April 2011

in Musik!

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Mit Understatement macht man kaum etwas falsch. Meint man. Die Reduktion auf ein Minimum macht „Holy Ghost“ eigentlich so gut wie unangreifbar. Denn im Radio und auf der Tanzfläche funktionieren die Songs ohne weiteres nebenbei, und was braucht man schon mehr? Kommt darauf an, was man erwartet. Reduktion muss ja nicht gleichbedeutend Leere sein. Irgendwie erwecken Nick Millhiser and Alex Frankel aber mit ihrem ersten Longplayer den Eindruck, dass sie es sich ein bisschen zu einfach gemacht haben. „Holy Ghost“ ist voller schimmernder Tracks, durch deren löcherige Popkonstrukte man geradewegs ein Buch lesen könnte, so wenig passiert hier. Das, was passiert macht geradezu Angst: mittlerweile ernst gemeinter, artifizieller Eighties-Funkpop, der in seinen polarisierenden Augenblicken an Don Johnson, Rollkragenpullover und Schnöseligkeit denken lässt. Was LCD-Soundsystem bis zuletzt über alle Maße erhaben erscheinen ließ, wird hier noch einmal ein paar Grade herunter gekühlt. Die Moleküle tanzen hier nicht richtig, sondern führen sparsam, spackige Bewegungen aus, als hätten Kraftwerk versucht, Michael Jackson zu covern. „Hold My Breath“ klingt beispielweise wie ein nur halb aufgepumpter Remix von Primal Screams „Swastika Eyes“. Die Mitarbeit von Gästen lässt sich, wie überhaupt jede Arbeit an „Holy Ghost“, nur erahnen: The Rapture, Penguin Prison und Michael McDonald von den Doobie Brothers hinterlassen nur minimale Spuren. Es gibt gefällige Stellen, von denen man sich viel mehr gewünscht hätte, wie zum Beispiel die kurze Underworld-Reminizens am Ende von „Jam For Jerry“ oder die hübsch künstlichen Phill-Collins-Drums im Mittelteil vom New-Order-Popper „It’s Not Over“, dem Einäugigen unter den hier kompilierten Blinden. „Wir wollten kein Album machen, das nur in den Clubs gespielt werden kann“, erklären die beiden Macher die geradezu unwirklich blasse Grundstimmung der Platte, „Wir wollten etwas machen, das man von vorne bis hinten auch zuhause hören kann.“ Das haben sie geschafft. Wenn man allerdings anschließend das Haus verlässt und gefragt wird, was man zuletzt gehört habe, wird es einem beim besten Willen nicht mehr einfallen: „Irgendwas mit Keyboards“. Dieser Chip ist nicht nur nicht mehr ganz heiß, sondern schmeckt auch noch so neutral, dass er eigentlich kaum vorhanden ist.

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