Holy Fuck – LP

von Benjamin am 18. November 2007

in Musik!

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Holy Fuck werden derzeit von diversen Musikmagazinen besprochen. Viel Lob (beispielsweise in der Intro), ein wenig Kritik (zu wenig Melodie mokieren die Kollegen von laut.de). Jetzt versuche ich mich mal an der Platte der Elektro-Band aus Toronto. Ein Erfahrungsbericht.

Normalerweise kommt mir elektronische Musik nicht häufig ins Haus. Aber hier bin ich neugierig. Was verbirgt sich wohl hinter der Band um die beiden Vollzeitmitglieder Brian Borcherdt und Graham Walsh, die von Bassisten und Drummern unterstützt werden? In der Vorberichten zum Album habe ich von Chemical Brothers und Elektro-Bloc Party gelesen. Beim ersten Hören war ich noch nicht begeistert: Das Album wirkt nicht, wenn man auf einem Sessel sitzt und die Lautstärke eher gering ist. Das zweite Hören, mit einem MP3-Spieler an einer Bushaltestelle stehend, war ein ganz anderes. Trotz des trüben Wetters bewegten sich die Beine, das Gesicht verzog sich zu einem Lächeln und nur der nahende Bus sorgte dafür, dass ich nicht wild rumgetanzt habe. Also, ich merke mir: dieses Album will Bewegung. Und ich will dieses Album bei meinem nächsten Club-Besuch hören (ok, liebe DJs: „Milk Shake“ oder „Lovely Allen“, wenn ihr mir nur ein Liedwunsch erfüllen wollt)!

Nun zum musikalischen: Holy Fuck benutzen nicht, wie man bei der Schublade „Electronica“ meinen könnte, einfach ein paar Laptops, sondern legen auf den überwiegend organisch mit Bass und Drums produzierten Beat, Synthies, Keyboards, Kinderorgeln, Gitarrenriffs, 35mm Filmspulengeräusche und anderes. Das entscheidende ist, durch welchen und wieviele Verzerrer und Verstärker das gespielte Instrument gejagt wird. Gesang gibt es in dem Sinne nicht, allerdings weisen einige Songs verzerrte Stimmfetzen auf. So entstehen höchst unterschiedliche Songs: „Lovely Allen“ könnte beispielsweise auch ein Instrumental der Stars sein, während „Milk Shake“ eher den Chemical Brothers zuzuordnen wäre, „Frenchy’s“ erinnert im Intro an das Projekt Mr. Oizo des französischen Musikers und Filmemachers Quentin Dupieux (eine absichtliche Referenz könnte man bei dem Namen des Tracks meinen). Ein Album für die gute Laune, ein Album für den Tanzboden, aber auch ein Album, welches als Soundtrack für die Wanderung durch eine mit Menschen gefüllte Straße taugt. Oder im Auto, aber da habe ich es noch nicht gehört und ich befürchte, dass ich je nach Track viel zu schnell fahren würde.

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{ 4 Kommentare… read them below or add one }

1 otic November 19, 2007 um 11:53 Uhr

Holy Fuck haben auf mich einen etwas anderen Effekt, aber ich stimme zu: Tolle Pladde!

2 RockinBen November 19, 2007 um 18:06 Uhr

Welchen Effekt denn?

3 otic November 20, 2007 um 10:29 Uhr

Mehr so hypnotisierend, lähmend – im positiven Sinne.

In diesem Zusammenhang sei auch das Debütalbum & die EP empfohlen. Alles super!

4 Sterereo Januar 23, 2008 um 15:30 Uhr

Kam letztens was bei Tracks über die Jungs. Nachdenklich über Keyboard-Schrott gebäugt und wild motiviert an sämtlichen halb-abgefallenen Knöpfen drehend. Mag schon vieles aussagen über die Musik. Alles sagt allerdings der Bandname, wenn man weiß, dass er auf den Ausspruch von Freunden zurück geht, denen die ersten Werke vorgespielt wurden. Holy Fuck!

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