Hjaltalín – Bunker Ulmenwall Bielefeld, 07.10.09

von Hififi am 20. Oktober 2009

in Feierlichkeiten

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Als Hjaltalín beim diesjährigen Haldern Pop-Auftritt “Don’t Stop ‘til You Get Enough” von Michael Jackson spielten, haben die Meisten (so auch ich) an eine Art Gimmick gedacht. Eine Hommage an einen der größten Künstler aller Zeiten. Dass die Coverversion vielleicht ein Fingerzeig in die Richtung gewesen sein könnte, die die Isländer musikalisch in Zukunft gehen werden, war wirklich nicht zu erahnen. Die fünf bis sechs neuen, bisher unveröffentlichten Songs, atmen einen Funk/ Dance-Einschlag, der dem Septett gut zu Gesicht steht. Mal abgesehen davon, dass sich hervorragend dazu tanzen lässt. Angekündigt hatte ich meinen Begleitern Hjaltalín allerdings als verträumten Indie-Pop mit einer Prise Folk, was nicht völlig falsch, aber an diesem Abend sicherlich nur der halben Wahrheit entspricht. So staune ich nicht schlecht, als Christoph (Hjaltalíns Tourmanager) mir während einer Zigarettenlänge vom neuen Steckenpferd der Band berichtet, zugegeben eine gewisse Skepsis meinerseits war auch mit dabei. Anderthalb Stunden später ist jedwede Skepsis verflogen, während anhaltender Applaus unsere Big Band für eine Zugabe auf die Bühne spült.

Der Bunker Ulmenwall ist eine leicht kuriose Konzertstätte. Das geht schon los, wenn zu Recherchezwecken die Homepage zu Rate gezogen wird und einem dort die Hausnummer 0 begegnet. Nun bin ich zu dem Zeitpunkt noch nicht darauf gekommen, dass es daran liegen könnte, dass Bunker gerne unterirdisch installiert werden. Jetzt ist es wahrscheinlich dem berüchtigten ostwestfälischen Humor geschuldet, wenn ein Bunker die Nummer 0 abbekommt. Unter Tage begegnet einem die Bühne in der Mitte eines wohnzimmergroßen Raumes, sodass sie sich von drei Seiten einsehen lässt, was dem Musiker so ziemlich den letzten Rest Intimsphäre raubt. Damit lässt sich aber leben und als Konzertgänger wird einem eine neue Perspektive geboten. Jedenfalls stehen im Anschluss sieben dicht gedrängte Musiker auf der Bühne und los geht es mit „I Lie“, welches Högni Egilsson alleine mit seiner Gitarre absolviert. Seine Stimme ist dabei so herrlich eigen, so ganz weit ab vom Schuss, dass ich an dieser Stelle gerne einen Vergleich schuldig bleiben würde. Ich muss, wenn ich ihn höre, immer an Ronja Räubertochter, Erdmännchen und die schwedische Tundra denken und wie sehr ich mich in dieser überaus warmen Klangfarbe verlieren kann, ist mir geradezu unheimlich. Dem steht Sigga Thorlacius allerdings in nichts nach und wenn es dann auch noch ein Fagott (!), Violine und Klavierklänge dazu gibt, kann eigentlich nicht mehr viel passieren. Jedenfalls war nach fünf Minuten klar, dass Hjaltalín hier und heute einen grandiosen Auftritt hinlegen würden.

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