Hindoslem – The Haste, The Calm And The Glorious Days

von JonesKorn am 17. Juli 2010

in Musik!

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„Rock mit Eiern“ versprechen die vier Österreicher von Hindoslem auf ihrer Website, wenngleich wohl mit einem zwinkernden Auge. Ihr bereits drittes Album geht teilweise wirklich recht heftig zur Sache und ist dabei bemüht, links und rechts des gewohnten Pfades interessante Stilelemente einzubinden.

Große Worte also, auch beim Albumtitel „The Haste, The Calm And The Glorious Days“. Das Geheimnis um diese Bezeichnung löst sich beim Blick auf die Songtitel: „The Haste“, „The Calm“ und „The Glorious Days“, jeweils instrumentale Stücke, die das Album gewissermaßen in drei Drittel teilen und dabei orchestralen Pomp ausstrahlen, an der an einen Piraten- oder Abenteuerfilmsoundtrack erinnerernd auf. Dabei behandeln sie teilweise auch die musikalischen Themen der folgenden/ vorhergehenden Stücke. Der erste Teil startet nach dem Intro mit an Metal grenzenden schnell-aggressiven Gitarren- und vor allem Schlagzeugattacken gleich voll durch, ist aber auch immer mal wieder elektronisch durchsetzt. Lieder wie „Backdrift“ könnten ganz ähnlich auch auf einem Raunchy-Album ihren Platz finden. Dass sich das Quartett selbst sicher nicht so ganz ernst nimmt, beweisen nicht nur die Lyrics von „Dogma“ („Oans, Zwoa, Dei / Just Fucking Listen To Me“) und dass eher in die Power/ Poser-Metal-Welt passende Bild in der Mitte des Booklets, sondern auch die Albereien am Anfang und Ende von „Error In Progress“. Es ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass das alles ihr Ernst sein kann. Mit „The Calm“ gibt es dann einen Richtungswechsel und wie titelbedingt anzunehmen ist, geht es etwas ruhiger zur Sache. Die heftigen Schlagzeugteile fehlen hier fast ganz, dafür werden Herzensangelegenheiten thematisiert („A call“ sowie das hiervon eingeleitete „Lovesick“) und es wird auch mal ein Orchester bemüht („Riverside“). Das klingt alles angenehm bis eingängig und ist annähernd radiotauglich. Der Song „Lovesick“ hätte auch eines der besseren Stücke auf All In von Mark Sweeney sein können. „Riverside“ lädt außerdem ganz offensiv zum Mitträllern bei Liveauftritten ein und geht fast schulbuchmäßig vom langsamen Tempo über den Einsatz von Streichinstrumenten und Glocke, bis hin zum großen Finale das mit zusätzlichem Hintergrundgesang garniert ist. Für mich der beste Titel des gesamten Albums, der hätte auch von einer der besseren (Brit-)Pop-Rock Band stammen können.

Der etwas schwächelnde Schlussteil wird vom längsten Instrumentalteil „The Glorious Days“ eingeleitet. Es wird wieder etwas Fahrt aufgenommen und im abschließenden „Pirato“ auch noch einmal das Orchester eingesetzt. Der abwechselnde Gesang (ein- und mehrstimmig) in „The Kid From The Darkside“ lässt leichte Erinnerungen an Crossover oder Core-Elemente wach werden, ohne musikalisch in der einen oder anderen Richtung zu landen. Ohnehin, und insgesamt ziehen Hindoslem einige musikalische Register, zitieren verschiedene Musikrichtungen (Metal, Core, Industrial, usw.) und haben dadurch ein recht heterogenes Scheibchen eingespielt. Das kann man als Schwäche (keine Positionsbestimmung) oder als Stärke (abwechslungs- und variantenreich) auslegen. Letztlich ist es ein sauber produziertes Rockalbum geworden, dass einige Kreativität und viel Können durchhören lässt. Für den großen Durchbruch ist es aber vielleicht zu verspielt.

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