Hemden – Nimm das Geld und lauf! EP

von Benjamin am 30. März 2010

in Musik!

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Hemden zeigen, wie deutschsprachige Popmusik spannend klingen kann! Und: Sie häufen dermaßen viele Zitate auf der EP, dass eigentlich ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Unterhaltungskultur und Kulturindustrie nötig ist. „Take The Money And Run“ ist zum einen ein Film von Woody Allen, zum anderen ein Song der Steve Miller Band, soviel als Einleitung.

Der titelgebende Song beginnt dann auch direkt mit einem verfremdeten Zitat von Theodor W. Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen Film.“ Man hat es hier mit Wortspielern zu tun, mit intelligenten Menschen, die dann auch noch relaxte Musik machen (der Grundrhythmus von Bass und Schlagzeug) und diese mit einer Surfgitarre paaren. Element of Crime haben auf ihren frühen Alben solche Dinge gewagt. Überhaupt die Surf- und Swinggitarre ist ein Hinhörer auf der gesamten EP. Dazu kommt gelegentlich eine Orgel (wie in „Wilde Welt“). Hört man nur auf die Texte, dann denkt man sich oft „schön gesagt“. Die Kunst ist dann, mit diesen Texten zu fesseln. Das funktioniert meistens, indem man nicht ganz alltägliche Beobachtungen beschreibt, ein wenig Witz einbringt und das richtige Maß Interpretationsspielraum für den Hörer lässt. Genau das schaffen Hemden. Auch wichtig: Die Stimme von Birger Reese klingt poppig-melodiös. Sie wird aber je nach Song rauer („Lucifer“) oder weicher, bleibt aber trotz aller Massenkompatibilität individuell. Die EP ist zwar nur mit fünf Stücken angegeben, als Hidden Track kommt aber eine deutschsprachige Version von „Everybody Has Got To Learn Sometimes“. Auch das ist großartig. Da frage ich mich, warum er nicht als regulärer sechster Track angeführt wird. Der Song ist in dieser Übersetzung und in dieser Form brillant. Die komplett eigenen Songs der Band sind es im übrigen auch und wem Tomte zu langweilig sind, Element of Crime inzwischen zu wenig rockig, der sollte es mit Hemden versuchen!

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