Helgi Jónsson – Münster Gleis 22, 13.03.10

von Hififi am 17. März 2010

in Feierlichkeiten

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Helgi Jónsson ist das personifizierte Talent. Das muss nicht jeder mögen, denn schließlich kann man Musik auch arbeiten (wenn man muss). Helgi Jónsson ist ein Feingeist, einer der zwar sicher viel geprobt haben wird, der Rest waren aber die guten Gene, so etwas lässt sich sehen und erahnen, wenn er zu seinem Publikum spricht. Die Musik ist dabei so feingliedrig wie ihr Erzeuger, der auf der Bühne des Gleis‘ manchmal fast ein wenig verloren wirkt und zu Beginn auch erst einmal seine außergewöhnlichen Songs sprechen lässt. Die sind, wie es eben zu Island passt, verträumt und irgendwie einfach nicht so ganz von dieser Welt – es wird beinahe langsam zur Gewohnheit – und qualitativ gehört „For The Rest Of My Childhood“ zum Besten, was das letzte Jahr zu bieten hatte. Leider war das Gleis nur mäßig gefüllt, wobei es gerade in diesem kleinen Rahmen Sinn ergibt, sich diesen eher „leisen“ Künstlern zu widmen. Der gelernte Posaunist und Multiinstrumentalist nimmt an diesem Abend mit Keyboard und Gitarre vorlieb, jeweils in der umgeschnallten Variante, da „der Keyboardständer in Island vergessen wurde“. Das kam dann schon auf Deutsch aus seinem Munde, denn nach den ersten vier bis fünf Liedern ging es auf Wienerisch weiter durch den Abend, denn dort hat Helgi acht Jahre seines Lebens verbracht, bevor er endgültig zum Kosmopoliten wurde. Dementsprechend leidet er auch an diesem Abend unter einem ordentlichen Jetlag, war er doch vor ein paar Tagen noch in L.A. Sein Deutsch ist klar und präzise, stammt aber von einer zurückhaltend wie offensichtlich ein wenig verwirrten Künstlerseele, wo wir wieder bei den Songs wären, bei denen es sich sehr ähnlich verhält. Immer hart am Pathos entlang, stimmlich das ein oder andere Mal gefährlich nah am schmalztriefenden Damien Rice, bekommt Helgi Jónsson jederzeit die Kurve. Und dafür ein Danke, denn sonst wär’s irgendwie vergällt. Umso erfreulicher, dass „Dry Run“ so schön an Ron Sexsmith und seiner eher unprätentiösen Darbietungsweise erinnert und vielleicht so ein wenig hervorsticht, was niemals als eine Kritik an den restlichen Songs verstanden werden soll, nur einen besonders hervorhebt. Und ganz allgemein habe ich schon lange keinen so wunderbar kurzweiligen, wie besonderen Abend im Gleis 22 verbracht.

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