Helgi Jónsson – For The Rest Of My Childhood

von Hififi am 24. Oktober 2009

in Musik!

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Gut, dass Island mit knapp 320.000 Einwohnern doch als bevölkerungsarm angesehen werden kann und außerhalb des Inselstaates spricht wohl auch so gut wie niemand diese mystisch klingende Sprache. So muss Helgi Jónsson wenigstens nicht in der ständigen Angst leben, jemand könnte seinen kleinen Schwindel enttarnen, seine textlichen Extravaganzen sozusagen. „Manchmal erfinde ich mir (…) sogar eine Art eigener Sprache und hoffe inständig, die meisten Menschen mögen sie für isländisch halten.“ Einfach weil Text auf „For The Rest Of My Childhood“ mehr als Lautmalerei, als weiteres unterstützendes Instrument , funktioniert und der Musik als Ganzes dienen soll. Als jemand, der sich immer erst am zweiter oder dritter Stelle mit den Texten beschäftigt und auch nur wenn das Gehörte zusagt, kann ich dieser Methode bedenkenlos folgen.

Offensichtlich ist es eine isländische Besonderheit anstatt nur eines Instrumentes gleich einen ganzen Haufen davon spielen zu können. Jónsson war die Posaune wohl irgendwann nicht mehr genug und das Touren als Gastmusiker z.B. für Sigur Rós sicher nicht die vollkommene Erfüllung. Ein weiteres Soloalbum muss her und so klingt „For The Rest Of My Childhood“ so isländisch wie es sich nur wünschen last, aber eine andere Note ist auch dabei, eine, die wir seit Björks “Debut” selten von der Insel gehört haben: lässt es sich wirklich Pop nennen? Na ja, im Singer/ Songwriter-Gewandt sicher schon und gleich der Opener „Ashes Away“ spielt in der ersten Liga, zwischen altgedienten wie Jeremy Enigk und Damien Rice, dessen Schwermut dieser Song aus jeder Pore atmet. Gerade die eben genannten Namen sind mit Pathos (und vor allem Damien Rice) assoziiert, noch und nöcher, was Jónsson auf diesem Album größtenteils vermeiden kann, trotz Klavier und Streichern. Es klingt sehr viel karger und reduzierter und Jónsson leidet nicht so exaltiert, wie Damien Rice, weshalb ihn wohl auch so schnell niemand in sein Herz schließen wird, mal abgesehen davon, dass bei Damien Rice der „Beschützerinstinkt“ der holden Weiblichkeit aktiviert und sie zum CD-Kauf motiviert werden. Da müssen Enigk und unser Isländer wohl ohne auskommen und es klingt sogar besser!

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