Helgi Jónsson – Blindfolded

von am 27. Januar 2011

in Musik!

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„For The Rest Of My Childhood“, Jónssons letztes Album, war eine musikalische Gratwanderung. Die Grenzen zwischen Pop, Klassik und Pathos auslotend wurde es zuweilen etwas anstrengend, ihm auf seinem Weg durch Gefühlsberge und –täler zu folgen. Und das, obwohl er den Hörer stets liebevoll und sympathisch an die Hand nahm. Manchmal wurde es einfach zu viel der Emotion und des sentimentalen Bombasts, selbst wenn, oder gerade weil alles nahezu nach Perfektion klang. Auf dem Minialbum „Blindfolded“ ist er erwachsener und leicht abgeklärter geworden. Im Helgi-Jónsson-Rahmen natürlich. Er nimmt nicht mehr ein Wechselbad nach dem anderen, schwingt sich seltener in höchste Wolken hinauf, um dann wieder am Boden liegend seinen Absturz zu beklagen. Die Eckpunkte seiner Musik bleiben weitgehend gleich: Radiohead, Sigur-Rós und klassische Arrangements setzen weiterhin die musikalischen Akzente auf „Blindfolded“. Besonders die gefühlvolle Effektkollage „Thu Matt Alltaf Gista Her“ klingt nach den ersten beiden, allerdings dermaßen mitreißend formuliert, dass ein Plagiatsvorwurf hier nicht angebracht ist. Neben den Gitarrenpopsongs im Radioformat „Make Me Fall“ und „Auora“ lassen sich noch einige feine Klavierminiaturen entdecken. Erik Satie hätte sie nicht zärtlicher auf den Punkt bringen können. Nur noch bei „Wild Hearts Run Out Of Time“ wird die ganz große Indiefolk-Oper inszeniert, und die kommt inmitten der restlichen Reduktion nicht nur besser zur Geltung, sondern hört sich in diesem Rahmen auch noch richtig gut an.

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