Hegemund – Nuit Blanche

von Benjamin am 14. Mai 2010

in Musik!

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Aus der Krautrock-Zeit in Deutschland sind ein paar inspirierte Musiker übrig geblieben, die sich vom Rockigem im Kraut-Rock verabschiedet oder abgewendet haben und statt dessen eine rockige Struktur in modernen Jazz einfließen lassen. Damit hat man die für viele Ohren anscheinende Zerfahrenheit des Jazz eliminiert und ihn hörbarer gemacht. Diese Aussage könnte man als Frevelei abtun, aber Hegemund haben mit ihrem Album „Nuit Blanche“ genau so etwas geschaffen. Loungigen Jazz kombiniert mit vereinzelt eingesprenkelten elektroakustischen Anwandlungen und einem klitzekleinen Schuss Buena Vista Social Club. Dabei hätten sie in der Rhythmik noch eine kleine Spur mehr Mut beweisen können, aber so richten sie sich in einer Nische des Jazz oder Lounge oder des deutschen To-Rococo-Rot-Post-Rocks ein, die bisher keiner belegt. Voll wird es in dieser Nische sicherlich nicht mehr werden, ganz im Gegenteil: diese Musik wird voraussichtlich weiterhin unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden – leider. Dann wo man allerorten in Kneipen nur noch mit The Whitest Boy Alive in Dauerschleife beschallt wird, könnte man ruhig mal die Platte von Hegemund auflegen. „Nuit Blanche“ ist aufregend unaufregend, genau die Platte, die man demnächst für den Balkon brauchen wird. Hier wird das bewiesen, was man ob der unzählig engstirnigen Veröffentlichungen im Jazz ODER im Post-Rock ODER im Lounge/Chillout fast nicht mehr glauben kann. Ohne sich gezielt auf etwas festlegen zu wollen aber gleichzeitig ohne zerfahren und unentschieden zu wirken, schaffen Hegemund eine Platte, die alle drei Genres miteinander verbindet und sich in kleinen Portionen hier und da bedient. Hegemund sind einzigartig jazzig in ihrer elektronischen Post-Rockigkeit, sie sind einzigartig elektronisch in ihrer postrockigen Jazzigkeit und sie sind einzigartig postrockig in ihrer jazzigen Elektronigkeit.

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