Heaven Shall Burn – Iconoclast

von JonesKorn am 2. Mai 2008

in Musik!

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Dass sich Heaven Shall Burn derweil auch im hart umworbenen Markt um die Fans des Metal eine beachtliche Hörerschaft erspielt haben, hat nicht zuletzt der starke und trotz sengend-mittäglicher Hitze beeindruckend gut besuchte Auftritt auf dem Wacken Open Air 2007 bewiesen. Auch die in zahlreichen (Fach-)Zeitschriften dieses Genres vollzogene Umbettung der Band vom Metalcore in den (Melodic) Death Metal spricht dafür. Denn echte Metalheads hören keinen Metalcore…

Solche Gedankenspiele sind natürlich Quatsch. Erstens einmal sollte man sich nicht vom vermeintlichen Genre einer Band abschrecken lassen sie zu hören und zweitens fühlt sich Heaven Shall Burn für mich noch immer 1a wie Metalcore an. Was immer das auch bedeuten mag, schließlich beansprucht heute nahezu jede Band für sich, keinem Genre zugeordnet werden zu können – und was ist überhaupt Metalcore?. Auf „Iconoclast“ finden sich Ritte auf der Gitarre, die locker von In Flames oder Children Of Bodom stammen könnten („Like a thousand suns“) und die Doublebass aus „Murderers of all murderers“ erinnert insbesondere an „Confusion Bay“ von Raunchy. Es wird hier deutlich mit dem Metal sympathisiert, vielleicht noch stärker als bei vergleichbaren Bands aus dem Metalcore, aber größtenteils könnten die Songs ohne besonderes Aufsehen zu erregen auf einem „As I Lay Dying“ Album untergebracht werden; jedenfalls habe ich mehr als einmal an „Frail Words Collapse“ denken müssen. Irgendwie ist die Einordnung in den Metal damit für mich sehr konstruiert.

Genug Geplänkel, zurück zum Album. „Iconoclast (Part One: The Final Resistance)“, so lautet der vollständige Titel. Und wie der Name vermuten lässt geht es hier wieder gewohnt aggressiv und kämpferisch zu Werke. Neben der musikalischen Wucht bekommt man hier für’s Ohr die (links-)politischen Texte geboten, das Auge freut sich über das opulente brachiale Artwork (Cover und Booklet) und für ein ein gut investiertes geringes Aufgeld bekommt man in der „Limited Edition“ noch eine DVD oben drauf, die den Mitschnitt des eingangs erwähnten Wackengigs enthält.

Insgesamt bin ich jedoch etwas enttäuscht vom Album. Zwar sind alle Veröffentlichungen der Thüringer bisher ungefähr im Zweijahrestakt erschienen, aber hier kommt es mir vor, als wäre es für „Iconoclast“ noch zu früh gewesen: alles wirkt wenig komplex oder herausfordernd und bei diesem Album habe ich sehr lange gebraucht, um die einzelnen Titel deutlich voneinander abgrenzen zu können. Es klingt fast immer ähnlich und so fällt es mir schwer, einen echten Favoriten zu wählen; „breiig“ war der Gedanke, der mir bei der Hörpremiere irgendwann Anfang dieses Jahres als erstes durch den Kopf schoss. Einzig die kontrastbietenden Elemente in „Awoken (Intro)“ und „Equinox“ sowie auch manch ruhige Passage in den einzelnen Stücken (wie in „A dying ember“) haben hohen Wiedererkennungswert.

Damit das ganze nicht zu negativ abschließt: „Iconoclast“ läuft bei mir sehr oft im Auto. Es ist ganz einfach gut produziert und sorgt für eine angenehme Vibration der Fensterscheiben. Es ist auch keinesfalls schlecht, aber eben bei weitem auch kein Meilenstein wie „Antigone“. Für einen möglichen Teil zwei erwarte ich jedenfalls etwas mehr Innovation…

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