Haldern-Pop Festival Freitag – Haldern/Rees, 14.08.09

von Hififi am 28. August 2009

in Feierlichkeiten

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Es ist wirklich warm, heiß könnte man gar sagen. Sehr ungewöhnlich das, so hat es die letzten fünf Jahre immer artig geregnet. In solchen Fällen, geht es nur noch über die Leidensfähigkeit, die einen weiterhin Bier trinken lässt, obwohl dem Körper mehr nach Wasser lechzt. Aber so ein Festival ist kein Wunschkonzert! Denn wenn es nach mir gegangen wäre, hätten Asaf Avidan & The Mojos und der Headliner des Abends Athlete gleich mal ihre Slots tauschen können. Denn mein Lieblings-Israeli weiß wenigstens ein wenig Stimmung zu verbreiten an einem weites gehend extrem ruhigen Haldern-Freitag. Nun gut, jetzt ist Partytime. Avidan beginnt sein Set mit dem akustischen „Maybe You Are“ und ich bin gleich glückselig und kann mit ein dämliches Grinsen nicht verkneifen. Anders als noch im Bielefelder Forum vor einigen Tagen geht es sofort weiter mit Stromgitarren und Rock’n’Roll. Die Herren und Damen Mitstreiter betreten die Bühne und riffen, solieren, singen und schwitzen. Allen voran Asaf „Joplin“ Avidan, der voller Inbrunst dem Blues verpflichtet, winselt, schreit und leidet, dabei aber ganz hervorragende Laune zu haben scheint. Wenigstens grinse ich jetzt nicht mehr alleine dämlich vor mich und geklatscht wird auch ganz anständig, denn schließlich wissen die Halderner, was sich gehört und vor allem wenn etwas was taugt.

Gut zwanzig Minuten später zelebrieren Port O’Brien aus dem fernen Alaska ihre Folk-Version eines Bright Eyes-Auftrittes. Seltsamerweise scheinen in der Sonne nicht nur Eistüten zu schmelzen, sondern auch der Sound wabert etwas hilflos aus den Boxen, als sei er auf dem Weg sich Abkühlung im nahegelegenen See zu verschaffen. Dabei schaffen es gerade die neuen Songs, des am 2. Oktober erscheinenden, regulären zweiten Albums, zu langweilen und ein wenig im Soundmatsch unterzugehen. Gut, sie müssen erst noch richtig gehört werden, bevor sich eine abschließende Meinung gebildet werden kann, bloß ist der 45-minütige Auftritt an diesem Tag keine besonders gute Werbung. Dann doch lieber „I Woke Up Today“ vom Vorgänger, der doch diese wunderbaren Seemannslieder, voller Melancholie bereithält. Die verliert sich heute schnell, da Van Pierszalowski’s zwar leidend, aber wenig überzeugend seinen Gesang zu Gehör bringt. Das eindringliche „Pigeonhold“ mit seiner schrägen Instrumental-Passage bleibt verschollen, oder wird vom Berichterstatter verpasst, was schade ist, denn es hätte der ganzen Performance sicherlich etwas Auftrieb verliehen. So lässt sich nur ein durchwachsener Auftritt einer ansonsten vielversprechenden, jungen Band konstatieren.

Anschließend bricht im Spiegelzelt die Hölle los und zu gefühlten 150 Grad zelebrieren The Temper Trap (zum Interview) aus Melbourne einen schweißtreibenden, wie intensiven Gig, direkt aus der Prog-Fabrik. Irgendjemand hatte doch im Vorfeld die Frechheit, mir diese Band als die australischen Coldplay vorzustellen, was nicht wirklich zutreffend erscheint. Von mir aus wegen der omnipräsenten Melodien, der vier Aussies, die allerdings wesentlich treibender, wie es Bloc Party mit „Silent Alarm“ vorgemacht haben, verpackt werden. Was Dougy Mandagi an Gitarre und Mikrofon vollbringt, muss allerdings erstmal von Kele Okereke geschlagen werden, der ja eigentlich momentan eher abbaut als zulegt.

Mit der Hauptbühnenbeschallung des guten Owen Pallett (Final Fantasy), bin ich dann infolge des gerade Erlebten, nicht ganz einverstanden und suche Unterschlupf im Schatten. Pallett steht ganz allein auf der großen Bühne und fiedelt und loopt wie ein Berserker, was einer gewissen musikalischen Spannung sicherlich nicht entbehrt, aber einfach nicht zündet und so geht es den Meisten am heutigen Tag.

Nun beginnt leider eine doch eher lange Durststrecke an etwas beliebig daherkommender Pop/ Rock meets Singer/ Songwriter-Musik aus aller Herren Länder. Einzig Anna Ternheim weiß etwas Stimmung zu verbreiten, verzaubert gleichzeitig mit ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz. Den Tiefpunkt setzen Loney Dear, mit einer geradezu grenzdebilen Vorstellung exaltierter Hippie-Kammermusik. An diesem Solo-Projekt Emil Svanängens scheiden sich seit Jahren die Geister, nur konnte ich es die Jahre zuvor vermeiden, es mir anzuhören. Jetzt ist es also soweit und bitte nicht so schnell nochmal.

Um 23 Uhr wurde es nicht wirklich besser, dafür aber interessanter anzusehen. Patrick Watson demonstriert seine „Wooden Arms“, die leider nicht halb so eingängig sind, wie der Vorgänger „Close To Paradise“. Manchmal bedarf es doch einfach nur einer eingängigen Melodie, oder eines bewährt großartigen „The Great Escape“ um zu unterhalten, so lässt sich eher von einem durchwachsenem Auftritt berichten, der arm an Höhepunkten bleiben muss.

Aber es kommt noch schlimmer, na ja, so schlimm auch wieder nicht. Schließlich hat ein gewisser Herr Nutini schon einmal abgesagt, sodass den meisten Festivalbesuchern eine gewisse Erleichterung im Gesichte geschrieben steht, denn es ist Brit Pop-Zeit. Athlete stehen zu später Stunde (so spät, wie nie zuvor laut Joel Pott) auf der Hauptbühne und haben neues Material mitgebracht. Jetzt ist „Beyond The Neighbourhood“ doch noch gar nicht so alt, aber fleißig waren sie nun schon immer, was eher für die Album-Releases gilt, als für ihre Auftritte, die sie seit Jahren mit Hingabe in Deutschland absagen. Gut, nun sind sie also hier und begeistern mal so gar nicht. Ich versuche es ganz artig, wippe mit, singe gelegentlich Textfetzen und komme nach einer halben Stunde zu einem wenig erfreulichen Fazit. Ich weiß es nicht besser, aber so in etwa stelle ich mir einen A-Ha- Auftritt vor. Aber so alt sind Athlete doch noch gar nicht?! So gibt es einen Querschnitt durch ihr gesamtes Schaffen, mit dem Hauptaugenmerk auf den ´05er-Chartstürmer „Tourist“, sympathische Ansagen und polierte Popmusik. Aber „Wires“ ist immer noch schön!

Fotos: Martin Lehmann

Livedabei (gewesen):

http://youtube.com/HififiSterereo

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Dr.Gonzo August 28, 2009 um 14:40 Uhr

Also mir hat Patrick Watson sehr gut gefallen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich ihn das erste Mal live sah…ausgesprochen sympathisch! Eines meiner persönlichen Highlights. Port o´Brien: 100% Deiner Meinung. Athlete: Bin fast ausgerutscht, so glatt war das…Schade : (

Schade auch, dass das Woodpigeon-Set im Zelt so enttäuschend langweilig war, haben die Kanadier doch auf ihren Alben durchaus etwas mehr Abwechslung zu bieten, weshalb ich sie hier doch mal zum Reinhören empfehlen möchte.

2 Dr.Gonzo August 29, 2009 um 13:12 Uhr

Ach schade, dass es mir jetzt erst einfällt, aber auf den Athlete Auftritt passt eigentlich das geniale Zitat des Videokünstlers Nam June Paik wie die Faust aufs Auge:
„When too perfect, lieber Gott böse!“ . )

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