Guru Guru – Forum Bielefeld, 13.10.2011

von Hififi am 18. Oktober 2011

in Feierlichkeiten

Post image for Guru Guru – Forum Bielefeld, 13.10.2011

Krautrock ist ja seit einiger Zeit wieder hoch im Kurs und findet sich als Referenz gar in elektronisch durchgestylten „Über-Alben“ wie Caribous „Swim“ wieder. Selbst die Red Hot Chili Peppers und vor allem Flea wurden nie müde zu betonen, welchen enormen Einfluss Bands wie Can und Neu! auf sie gehabt haben, selbst wenn sich das beim besten Willen nicht heraushören lässt. Und Guru Guru waren mitten drin, als Ende der 1960er-Jahre der deutsche „Improvisations-Rock“ so richtig Fahrt aufnahm und sich zu internationaler Bekanntheit aufschwang. Ob nun Guru Guru nach Definition experimentellen und überwiegend instrumentale Gitarrenmusik spielen, lässt sich zudem nicht so einfach beantworten, sind sie selbst im „Kraut-Kosmos“ ihr eigener Planet, um den sie Raumschiffe kreisen lassen. Alles in allem ist der knapp zweistündige Auftritt allerdings eine durchaus gelungene Mischung aus Space-, Blues- und Jazzrock, auch wenn der überwiegende Teil der Songs vom aktuellen Album „Doublebind“ kommt und so das Hauptaugenmerk auf dem Jazzanteil zu liegen scheint. Nehmen wir einmal „Geraldine“ (zweiter Song des aktuellen Albums) und stellen einen gewissen Hang zu Jazz-Standards wie z.B. „Take Five“ von Dave Brubeck fest. Mit „Jazzkraut“ befindet sich zudem ein Titel auf „Doublebind“ der ziemlich genau umschreibt, wohin 2011 die Reise geht – und dabei liegt die Betonung klar auf dem Jazz. Aber gerade wenn Hans Reffert zur Slide-Guitar greift, sie auf seinem Schoß platziert und ein Solo zum Niederknien spielt, sind die musikalischen Grenzen schon wieder so verschwommen, dass es eigentlich auch völlig egal ist. Oder nehmen wir Roland Schaeffer (nach Begründer Mani Neumeier am Schlagzeug der dienstälteste Guru Guru), der aus weltmusikalischer Sicht ein besonderes Schmankerl bereithält: Ein Nadaswaram – eine fernöstliche Oboenart, die ich jetzt einfach mal salopp als „Schlangenbeschwörertröte“ bezeichnen möchte. Als musikalischer Tausendsassa bedient er zusätzlich das Saxofon und die Gitarre – ganz nebenbei gibt es zudem eine große Ähnlichkeit zu Klaus Kinski und Lou Reed festzustellen. Mani Neumeier und Peter Kühmstedt am Bass bilden eine Einheit in Sachen Funkrhythmen, die sich allerdings nie im Frickel-Jazz verlaufen, wie es bei Kraan um den Hattler und den Wolbrandt-Brüdern gelegentlich zu beobachten ist. Warum ich Kraan ins Spiel bringe? Oben erwähnte Ur-Besetzung hat geschlossen auch schon bei Guru Guru gemuckt, aber wer hat das nicht?! So wie sie dort auf der Bühne stehen, gibt es sie seit 2005, was sehr wahrscheinlich der bandinterne Rekord für ein Bestehen ohne Wechsel sein dürfte. Aber dies entspricht halt vollkommen diesem Hippiekommunendenken, welches Guru Guru ausstrahlen. Allerdings auch dem Publikum möchte ich unterstellen, den ein oder anderen Joint zu Gesicht bekommen zu haben. Und deswegen wird vielleicht ein Space-Rocker mit dem passenden Namen „Space Ship“ von den schätzungsweise 50 bis 100 Anwesenden besonders herzlich willkommen geheißen – Hawkwind lassen grüßen.

Das schöne am Forum ist immer wieder, dass Artenvielfalt hier großgeschrieben wird. Heute eine Hippieband und morgen die feschen Hipster in Röhrenjeans. Langweilig wird es so sicher nicht und die Kunst besteht einzig und allein darin sich sein Potpourri zusammenzustellen ohne etwas zu verpassen.

Foto: myspace.com/guru_guru

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: