Grant Hart – Oeuvrevue

von am 1. Dezember 2010

in Musik!

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„Bob Mould is great, but Grant Hart is magic“ steht seit Jahren auf der Homepage vom Münsteraner Gleis 22. Dem kann man kaum noch etwas hinzufügen, insbesondere wenn Hart mit „Oeuvrevue“ eine Werkschau vorlegt, die einen auf eine höchst beeindruckende Reise durch die Jahrzehnte mitnimmt. Der Einfluss dieses Mannes auf die verschiedensten (alternativen) Musikstile ist kaum vollständig zu erfassen: Hüsker Dü, Nova Mob oder solo – der knapp Fünfzigjährige ist ohne Frage eine Legende. Kollege Bob Mould war in den letzten 15 Jahren – solo oder mit Sugar – deutlich präsenter und mehr geradeaus, wenn es um Veröffentlichungen und ums Touren ging: Vom Proto-Alternative-Rock ging es stückweise immer weiter in Richtung Pop. Eine Konstante war zu jeder Phase sicher immer die Verbindung von Krach und Melodien (hier vielleicht am besten durch „No Promise Have I Made“ vom 1985er „Candy Apple Grey“ nachzuerleben), die auf dem heute immer noch explosiven Hüsker-Dü-Album „Zen Arcade“ einen spektakulären Höhepunkt fand.

Grant Hart war da immer schon schwerer festzumachen als Co-Songwriter Mould. Eingängigen Pophits wie Nova Mobs „Old Empire“ (stellvertretend gibt es hier das nicht minder tolle „Little Miss Information“) standen immer auch verschrobene rumpelnde Folkigkeiten gegenüber. Trotz seines Status als Raritätensammlung überwiegen auf „Oeuvrevue“ aber eher die eingängigeren Songs aus den Neunzigern. Dazu gibt’s auf ein paar sehr feine Coverversionen wie Loves „Signed D.C.“ oder Dixons vielfach interpretiertes „I Just Wanna Make Love To You“ in einer rohen, verdrogten Liveversion. Das hier ist ganz weit entfernt von sentimentaler Rückschau, sondern ein grandios tiefstapelndes Stück bewegende Rockgeschichte. Jenseits von üblichen Schwulen-Klischees und Glamour war und ist Grant Hart stets ein einzigartiger Künstler. Also zugreifen, anhören und danach den ganzen Pseudo-Alternativschrott aus dem Plattenschrank wegschmeißen.

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