Grant Hart / Kenneth Minor – Gleis 22 Münster, 01.12.10

von am 13. Dezember 2010

in Feierlichkeiten

Post image for Grant Hart / Kenneth Minor – Gleis 22 Münster, 01.12.10

„Wo ist meine Tasche?“ rennt Grant Hart leicht verwirrt durch den zunächst nur spärlich gefüllten Club: „Da sind meine Waffen und Drogen drin!“ Ein Spruch, den er hoffentlich nicht an amerikanischen Flughäfen bringt. Hart scheint sowieso in seiner ganz eigenen Welt zu leben: „Ich bin ein Dinosaurier. Mit dem Internet habe ich nichts am Hut“ erklärt er freundlich in einem kurzen Gespräch vor Konzertbeginn. Dann lästert er noch kurz über Dave Grohl, den er wie die Pest hasse. Schade, covert Grohl doch regelmäßig mit den Foo Fighters Songs von Hüsker Dü. Man könnte sich mit Hart noch stundenlang unterhalten, denn dieser Mann hat unglaublich viel erlebt und durchgemacht. Seinen Drogenkonsum sieht man ihm mittlerweile deutlich an: Ausgemergelt und etwas angestoßen steht er da beim Merchandise-Stand. Kaum zu glauben, was gleich noch auf der Bühne passieren soll.

Zunächst aber erst Labelmates Kenneth Minor. Vielleicht liegt es am Gegensatz zu Mr. Hart, aber die Jungs wirken sowohl geleckt als auch unbeleckt. Mit einem kurzen, aber bissigen Anekdötchen über Grant Harts Passverlust im Hotel machen sie direkt zu Beginn klar, dass sie es nicht nur als Freude empfinden, mit einer Musiklegende zusammen auf Tour gehen zu dürfen. Sie klampfen sich Fink- und walzern sich Eels-artig durch ganz ansprechende Songs. Einen gravierenden Eindruck hinterlassen sie nicht.

Kurz danach zeigt dann der Mann, der eben noch leicht gebrochen wirkte, was passiert, wenn man ihn mit (seiner) Musik zusammenbringt. Die folgenden gefühlten hundert Songs lassen kein Auge trocken. Angeführt von „You’re The Reflection Of The Moon On The Water“ gibt es einen wilden emotionalen Ritt durch die Jahrzehnte. Er spielt einfach alles, was das Publikum hören will – nach einer guten Stunde auch direkt auf Zuruf: „The Girl Who Lives On Heaven Hill“, „2541“, „Don’t Want To Know If You Are Lonely“, „Little Miss Information“, „What’s A Little Angel Doing So Far From Heaven?“, „Never Talking To You Again“ und unglaublich viele Stücke aus allen Schaffensphasen mehr. Abgesehen von „Diane“ ist wirklich alles dabei. In so dichter Folge rausgehauen, ohne Schnick Schnack vorgetragen, erinnert ein Grant-Hart-Konzert an eine Guided-By-Voices-Platte: Rau, unvermittelt, charmant und so viele fantastische Melodien in kürzester Zeitfolge, dass man beim ersten Durchlauf fast gar nicht mehr mitkommt. Was für ein fantastisches Konzert!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: