Giles Smith – Lost In Music/ Eine Pop-Odyssee

von Hififi am 15. August 2006

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Hier verliert sich einer wirklich vollkommen, nur leider – und das gilt insbesondere für die Anfangskapitel – auch immer wieder in Fachsimpeleien. Völlig überfordert ist man versucht das Buch zur Seite zu legen, bloß dann entgehen einem die amüsant ironischen Kapitel über die Cleaners From Venus. Mit dieser Band besiegelt Smith Ende der 80er seine Karriere als Musiker um schlussendlich darüber zu schreiben. Die „Pop-Odyssee“ geleitet uns durch Smith´ Musiksozialisation, so dass man ihm den versponnenen Beginn verzeiht, schließlich war klein Giles damals mindestens genauso überfordert.

Dieses Buch erinnert seine Leser immer wieder daran, dass Musik die unterschiedlichsten Gefühle in einem auslöst. Sie verstört und verzaubert, im besten Fall beides gleichzeitig. Giles Smith lässt uns an seiner Unsicherheit teilhaben, und geht einen Schritt weiter. Im Gegensatz zu „High Fidelity“ (dem – zumindest an den Verkaufszahlen gemessen – großen Bruder) möchte der Protagonist Musiker werden, er hat noch Visionen und versucht sie zu verwirklichen, und gibt sie auch so schnell nicht auf. „Lost In Music“ ist eine Autobiografie; hier gibt es keinen Sarkasmus, stattdessen die blütenreine Hoffnung endlich den Durchbruch zu schaffen. Durchsetzt von ironischen Einwürfen begleiten wir Giles Smith durch die 70er und 80er, seine 70er und 80er. Das hier ist der selbst gewählte Lebensentwurf eines Träumers, der genau weiß, dass er einer ist. Hier wird nichts bereut, man gewinnt sogar den Eindruck, dass hier alles seinen Grund hat, alle Fehler sein müssen. Zu keinem Zeitpunkt erweckt Giles Smith den Eindruck unzufrieden gewesen zu sein, denn nun kann er darüber berichten und erreicht ein großes Publikum. Die Cleaners From Venus sind Geschichte, genauso die Popstar-Träume, aber der Fan hat nun einen Beruf, der ihm ermöglicht weiterzuträumen: Er ist Musikjournalist.

„Wer brauchte schon einen gestelzten und peinlichen Austausch von Begrüßungsfloskeln mit Phil Collins? Ich anscheinend. ‚Äh, Phil? Giles Smith? Ich bin mit Ihnen nach Rom geflogen?‘ Collins blinzelte mich argwöhnisch an. … ‚Und jetzt sind Sie hier‘, sagte er. Nun, er hatte Recht. Man hätte es nicht besser sagen können. Ich war tatsächlich hier.“

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