Get Well Soon – Interview

von Ariane am 22. April 2008

in Interviews

Post image for Get Well Soon – Interview

Direkt vor seinem Konzert im Gleis 22 war Konstantin Gropper, Kopf hinter Get Well Soon, so freundlich uns ein kleines Interview zu geben. Leicht erkältet führte er uns in den warm beheizten Backstage-Raum des Gleis, wo er sich wegen einer Erkältung mit Ingwer und Honig in seinem Tee bei Stimme hält.

Hi Konstantin, vielen Dank, dass du dir ein bisschen Zeit für uns nimmst.

Gern, ich hoffe, ihr hört mich, ich bin etwas erkältet.

Oh, dann erstmal gute Besserung. Du bist heute das erste Mal in Münster, oder?

Ja. Und wir hatten leider keine Zeit uns irgendwas anzugucken, weil ich hab gehört, dass es eigentlich schön ist hier. Aber irgendwie haben wir praktisch nie Zeit dafür, ich hab mir das schon anders vorgestellt, ich dacht man hätte dann schon mindestens so zwei Stunden sich ein bisschen die Stadt anzugucken, aber wir bekommen das nie hin.

Morgen habt ihr wahrscheinlich auch keinen Aufenthalt.

Leider nicht, ich fahr morgen direkt nach Berlin, insofern sollte ich zeitig los.

Wie seid ihr sieben beim Soundcheck eigentlich mit der kleinen Bühne hier klargekommen? Ist ja schon etwas anderes, als die im Gebäude 9.

(lächelt) Nö, also es geht, ist zwar die bisher Kleinste, aber auf der Bühne geht’s, klingt auch gut. Aber ich hab mir ganz ehrlich das legendäre Gleis 22 viel größer vorgestellt.

Bei eurem Tourauftakt in Köln habt ihr euer Album runter gespielt und du hast dich zwischendurch sogar dafür entschuldigt, dass ihr nach „We Are Safe Inside While The Burn Down Our House“ ein kleines Intermezzo spielt. Ist das ein bisschen eurer klassischen Ausbildung als Musiker zu zu schreiben, dass ihr versucht, dein Album als Gesamtwerk möglichst gut zu interpretieren, eben wie eine Art Orchester?

Hmm, ich weiß nicht ob es daran liegt, es ist jetzt eben die erste Tour nachdem das Album raus ist und ich wollte hauptsächlich das Album spielen und da hab ich gedacht, dann kann man das auch eben in der Reihenfolge belassen, die macht ja auch Sinn. Aber ich glaube, mit dem klassischen Hintergrund hat das nicht so viel zu tun.

Auf der Tour spielt ihr mit den verschiedensten Bands zusammen, zum Beispiel „Blood Red Shoes“ auf dem FM4 Geburtstag, oder „Kettcar“ und am Dienstag „iLiKETRAiNS“. Denkst du, dass ist ein Ausdruck gelungener Popmusik, dass sie in jedem Kontext funktionieren kann, unabhängig vom Line-Up? Oder empfandest du ein Line-Up mal als unpassender und hast dir gedacht, heut’ ist’s nicht so gut angekommen?

Also bei Kettcar war’s jetzt schon zu merken, dass die meisten Leute wegen denen da waren, aber es kam trotzdem ganz gut an, glaube ich. Das war eigentlich jetzt gerade auch das einzige Konzert, wo wir Support waren, man hat das auf jeden fall gemerkt, weil es nicht so ruhig war. Mir ist schon aufgefallen, wie aufmerksam und bemerkenswert ruhig das Publikum bei unseren Auftritten ist und das war bei Kettcar eben nicht. Man ist ja auch relativ schnell verwöhnt, was das angeht. (Konstantin grinst breit).

Heute nach der Show ist hier ja auch Kettcar Album Release Party, hast du das gewusst?

Wirklich? Ok, ich kenne nur einen Song von denen, wenn ich ganz ehrlich bin.

Am Dienstag habt ihr in Frankfurt auch mit iLiKETRAiNS in Frankfurt gespielt, hattest du Angst vorher, weil du dachtest, “das passt gar nicht zusammen und was kommen dann für Leute“, oder hast du dich drauf gefreut?

Ja, ich hab sie mir angehört vorher und fand’s gut. Ich find’s auch nicht gut, wenn’s zu sehr passt, dann wird’s auch schnell langweilig. Im Vergleich zu denen sind wir ja fast ‘ne fröhliche Band.

Ja genau, in Frankfurt hast du euch als Mallorca Band angekündig.

Genau. Sag mal auf wie vielen Konzerten wart ihr denn? (lacht) Also Bedenken hatte ich nicht so, ich fand die sehr gut. Eigentlich super, das einzige was ich emfinde ist, dass die ein bisschen eintönig sind, es hat sich so nach dem dritten Song jetzt nicht wirklich viel getan. Was die machen, machen die ganz hervorragend, aber es könnt’ ein bisschen mehr Abwechslung haben, aber auf jeden Fall super und wahnsinnig nett für englische Musiker. Für englische Musikerverhältnisse sogar sehr sehr sehr nett. Als wir in England gespielt haben, haben wir auch ganz andere kennengelernt.

Die Leute, die dich auf deiner Tour supporten, also Florian Horwarth in Köln oder heute Ken Burke, hast du die selbst ausgewählt, oder wurden die vom Label „empfohlen“?

Naja, teils teils. Also Ken ist einfach nur ein guter Freund von mir, Florian Horwarth, da kam die Anfrage eben über City Slang, aber stimmt, wir konnten dann da ein bisschen auswählen und die Tour dann ein wenig so gestalten.

Noch einmal zu iLiKETRAiNS, könntest du dir vorstellen ähnlich an Songwriting ranzugehen, wie die, dass du dich in eine Bibliothek setzt, geschichtliche Themen recherchierst und sagst, darüber möchte ich jetzt schreiben?

Ja, das ist lustig, ich hab festgestellt, dass die wie ich auch ein Lied über die Hexenjagd haben.

Stimmt, „We go Hunting“.

Also da schließt sich ja schon der Kreis. Es ist aber tatsächlich so, dass ich das ähnlich mach’, also ich setz mich jetzt nicht in ‘ne Bibliothek oder so, aber das ist schon so, dass wenn ich mir ein Thema auswähle auch ein wenig recherchiere und das können auch gerne geschichtliche Themen sein. Ich hab da die Technik, dass ich Protagonisten erfinde, zusätzlich zu dem Persönlichen, so dass ich auch Geschichten erfinden kann, die ich aus der Sicht eines Anderen singen kann.

Du hast einmal gesagt, dass du beim Songwriting eher ein Gesamtarrangement im Kopf hast, bevor du weißt, wie einzelne Instrumente darin klingen, oder der Text aussieht. Ist das so ein bisschen das klassische komponieren, wo du dich hinsetzt, deine Noten niederschreibst und weißt, wie das Ergebnis klingt?

Ah, ich würd fast sagen, dass ich, als ich angefangen hab selbst Musik zu produzieren, erstmal elektronische Musik gemacht hab und von da weg eigentlich schon immer gewohnt bin meine Musik direkt am Computer zu schreiben, mit komplettem Arrangement. Ich bin schon sehr am Sound interessiert und nicht nur am bloßen Song. Kommt auch vor, dass ich häufig ‘ne Idee für einen Song hab’ mit Gitarre und Gesang und auf der anderen Seite einen Sound und dann versuche das irgendwie zusammen zu bringen.

Bei den Lyrics setzt du ja auch sehr auf Metaphern, sogar aus dem ökonomischen Bereich.

Wirklich?

Ja, „People Magazine Front Cover“…

(lacht überrascht) Oh ja, stimmt!

Der Song hat mich übrigens auch ein bisschen an „Heroes“ von David Bowie erinnert.

(lächelt leicht ertappt) Ja wegen des Zitats, aber das scheint noch kaum jemandem aufgefallen.

Wenn du anfängst einen Song zu schreiben, weißt du dann von Anfang an, welche Message der er haben wird oder erschließt sich dir das erst mit der Zeit?

Also eigentlich ist es so, dass ich meisten erst das Bild hab, und dann versuche innerhalb dieser Metaphorik das Bild rüberzubringen.

Und da kommen dann diese geographischen Vergleiche ins Spiel, also China für Fremde, die Karibik für Wärme oder Alaska für Ferne und Kälte, oder stehen da noch mehr hinter?

Also in diesen Fällen eigentlich nicht, da ist es dann wirklich zum Beispiel dieses Warm-Kalt-Ding, also Karibik und Alaska.

Jetzt mal eben zu Bildern im wörtlich Sinne, warum diese Tierkostüme auf Pressefotos?

(lächelt breit) Also es gibt eben dieses eine Bild, das ich eben schon tierisch lang mal machen wollte, da sitz ich eben in so einem Bärenkostüm auf einer Parkbank und mache Mittagspause. Irgendwie fanden die das zu unserem Album ganz gut und wollten das machen. Ich finds auch gut, nicht nur so normale Bandfotos zu haben, sondern irgendwie was szenisches zu haben, also ich mag halt so Bilder, wie zum Beispiel von Kruytzen oder so, die eben eine Handlung haben, oder Teil dessen sind.

Auf deiner Gitarre hast du noch einen Aufkleber vom Film „Angst Essen Seele Auf“. Hat das für dich heut noch Relevanz?

Also Fassbinder sowieso und da wo ich herkomme, von dem Land, ist auch die Story des Films noch sehr aktuell, also überall wo es noch sehr konservativ ist.

Jetzt noch zum Relaunch deiner Homepage, war es für dich längst überfällig, oder war es eher: “Ok, der Erfolg verlangt auch einen moderneren Auftritt”?

Ja, ich fands lange überfällig, ich finde die neue Homepage jetzt wirklich super, die hat jetzt ‘ne ganz andere Tiefe, finde ich.

Und du kannst deine Inhalte auch selbst einfügen?

Die hat ein Freund von mir gemacht, der Mario, der auch das Video zu „Christmas in Adventure Parks“ Video gemacht hat und da hab ich so’n CMS (=Content Management System) über das ich eben Inhalte einfügen kann.

Zum Relaunch habt ihr dann auch einen Song verschenkt, eine Coverversion von „It Must Have Been Love“ von Roxette, warum gerade dieser?

Also, ich weiß nicht, wir haben halt mal festgestellt, dass irgendwie von jedem Bandmitglied die erste CD oder der erste Tonträger Roxette war. Das war so in Süddeutschland. In der Grundschule, da musste man Roxette hören und uns ist aufgefallen, dass uns das gar nicht peinlich ist. Ursprünglicher Plan war für diese Tour eine Roxette EP zu machen, aber bisher habe ich nur diesen einen Song geschafft und mir dann gedacht, das kann ich auf die Homepage packen. Wir haben ihn auch tatsächlich schon einmal live gespielt, in Hamburg. Es ist auch ganz witzig, die Leute stehen dann so da und wissen gar nicht, ob sie das jetzt gut finden sollen oder nicht.

Nach „Born Slippy Nuxx“ ja quasi euer zweites Cover eines bekannten Songs. Was ist für dich die größere Herausforderung? Aus schon bestehenden Songs anderer Künstler bestimmte Facetten heraus zu arbeiten, oder einen eigenen neuen Song zu schreiben?

Das sind ja zwei paar Schuhe. Ich denke, wenn man ‘ne Coverversion macht, dann sollte man da auch auf jeden Fall was eigenes reinbringen. Meine Version von „Born Slippy“ ist eigentlich ein anderer Song geworden, bis auf den Text. Das find’ ich auf jeden Fall interessanter als eine 1 zu 1 Coverversion zu machen und einfach nur den Song nachzuspielen. Vielleicht ist es gefährlicher einen Song zu covern und zu verändern, aber es hat sich bisher noch niemand hingestellt und gesagt, „ist ja ‘ne Frechheit, dass der ‘Born Slipp’ covert“.

Kam die Idee zu „Born Slippy Nuxx“ vielleicht auch gerade daher, dass du aus der elektronischen Musik kommst?

Ja, es war halt einfach die Idee einen Technosong irgendwie also größtenteils akustisch umzusetzen. Ich war nie wirklicher Raver oder so was.

Anders als Coverversionen, mit welchem Künstler würdest du gern mal zusammenarbeiten?

(Überlegt) Mark Hollis von Talk Talk, oder Blixa Bargeld. Aber auch zu David Bowie würde ich nicht nein sagen. Das wäre aber zu einfach gewesen, der nimmt ja heutzutage jeden. Ich würde schon auch gern mit Bonnie Prince Billy was machen, aber der ist inzwischen schon auf jedem zweiten Album. Vielleicht mach ich mal ein Album, wo dann nur Duette mit anderen Künstlern drauf sind.

Aber erst nach der Roxette EP natürlich.

Stimmt, oder Roxette, das wär doch auch ‘ne Idee.

Darauf freuen wir uns dann schon. Wir wären dann auch fertig. Bist du eigentlich aufgeregt?

Nö, heute geht’s tatsächlich, ich hoffe nur, dass ich’s nicht verbock’ wegen meiner Erkältung. In Köln war ich sehr aufgeregt, ebenso in Heidelberg und Berlin. Weiß aber nicht woran das da in lag. Köln ist klar, das war der Tourauftakt.

Vielen Dank noch mal für das Interview und gute Besserung.

Danke, viel Spaß heute Abend.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Einen Kommentar hinterlassen

Previous post:

Next post: