Get Well Soon – Gleis 22 Münster, 19.04.2008 II

von Dr.Gonzo am 22. April 2008

in Feierlichkeiten

Post image for Get Well Soon – Gleis 22 Münster, 19.04.2008 II

Ich bin zu spät dran mit meinem Bericht über das Konzert von Get Well Soon, Iain war schneller, was auch daran liegt, dass „Rest now weary head, you will get well soon“ ganz gut mein Gefühl am Tag nach dem Konzert und der langen Nacht, die sich anschloss, beschreibt. Macht aber nichts, da sich meine Eindrücke vom Auftritt Konstantin Groppers und seiner Mitstreiter deutlich von denen, die Iain geschildert hat, unterscheiden.

Groß war auch bei mir und meinen drei Begleitern (u.a. Hififi) die Vorfreude auf diesen Abend. Kein Wunder nach diesem fulminanten Debütalbum, das auch mich restlos begeisterte und dem ich ohne Vorbehalte eine weitere Lobeshymne schreiben würde. Doch leider hielt der Abend den Erwartungen nicht stand.

Der erste „Schreck“ erwartete uns gleich am Eingang des ausverkauften Gleis 22. „Rauchfreies Konzert“ stand da geschrieben. Die Erklärung für diese überraschende Ankündigung war natürlich die Erkältung Groppers. Die gute Nachricht: Es war kein Problem das Konzert dennoch zu überstehen, was Hoffnung macht für die Zeit da solche Verbote die Regel sein werden. Die schlechte Nachricht: Es ging auch deshalb, weil ich kein Probem damit hatte zwischendurch vor die Tür zu gehen, ohne befürchten zu müssen, in der Zwischenzeit etwas zu verpassen.

Von Ken Burke habe ich leider nur wenig mitbekommen und das nicht nur weil wir etwas zu spät waren, sondern auch, weil der Singer und Songwriter leider viel zu leise abgemischt war, um im vollbesetzten Gleis bis ins letzte Drittel vorzudringen.

Die nächste Überraschung kam direkt nach der Umbauphase, als Get Well Soon das Konzert mit dem „Prelude“ eröffneten; absolute Stille im Publikum. Kein lautes Gerede im Zuschauerraum, für das das Publikum im Gleis 22 berühmt/berüchtigt ist, kein Geschiebe und Gedränge von Leuten, die sich den Weg zu spät von oder zu der Theke zu bahnen versuchten und auch kein Flaschenklappern. Alles lauschte gespannt und andächtig. Hälse reckten sich, um mehr von dem schmächtigen Wunderknaben und seinen Mitstreitern zu sehen. Auch mir ging es zunächst nicht anders. Doch nach den ersten vier Songs wich die Spannung einer merkwürdigen Ernüchterung und einem leeren Gefühl im Bauch. Irgendetwas fehlte.

Anders als auf dem Album, berührten die Lieder irgendwie nicht und der Sound konnte nicht überzeugen. Ehrlich gesagt war der Gig eines der am schlechtesten abgemischten Konzerte, die ich bisher im Gleis gesehen habe und man hatte das Gefühl, nicht nur Gropper sondern auch der Mischer sei erkältet und höre nicht sonderlich gut.

Der Gesang von Gropper und seiner Schwester war häufig viel zu präsent und lag dadurch unangenehm über den Instrumenten, wodurch sich keine Einheit von Musik und Gesang bildete. Insgesamt war der Sound zu druck- und kraftlos und zu leise, um sich im gesamten Zuschauerraum durchzusetzen. Eine sieben(!)köpfige Band derart abzumischen und das mit einer Anlage, wie sie im Gleis zur Verfügung steht (ich kenne sie ganz gut, da ich selber auch schon zweimal im Gleis spielen durfte), ist schon ein Kunststück. Einzig die Bläser und die Violine kamen so rüber, wie ich es erwartet hatte. Bass und Schlagzeug dagegen, gingen zwischendurch regelrecht unter, was gerade bei einem Stück wie „you/aurora/you/seasideâ“ schmerzlich war.

Doch es war nicht der Sound alleine, der den Konzertbesuch trübte. Gropper war erkältet und das merkte man ihm deutlich an. Trotzdem besteht kein Zweifel, dass er eine große Leidenschaft und viel Herz in sein Spiel legte, das sah man förmlich. Auch seine stimmliche Leistung und die seiner Schwester waren hervorragend. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht war sicherlich die Falsett-Einlage bei „if this hat is missing I have gone hunting“. Und natürlich gab es trotz aller Kritik auch andere, wunderschöne Momente, wie etwa bei „people magazine front cover“, „your endless dream“, diesem bezaubernden Duett, oder „tick tack! Goes my automatic heart“.

Der Tiefpunkt des Konzertes war hingegen ausgerechnet das fantastische „Witches! Witches! Rest now in fire“. Vom Tempo her total verschleppt und ohne Atmosphäre. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich auch der Geräuschpegel im Publikum deutlich gesteigert.

Der Funke sprang an diesem Abend bei mir, ganz anders als beim Hören des Albums, nicht über. Wahrscheinlich ist genau dieses Album das Problem. Es ist einfach zu perfekt. Es ist nicht nur die Reihenfolge der Songs, die so gut gewählt ist, dass es kaum möglich ist, sie live in einer anderen Anordnung zu spielen. Jeder Song für sich ist so komplex und so gut arrangiert, das es manchmal schon fast wehtut. Es schien mir so, als sei damit das Album zu einer Art Korsett für die Band geworden, aus dem es live nur sehr schwer möglich ist mal auszubrechen und zu überraschen. Dadurch geriet der Auftritt zu bemüht einerseits und andererseits so glatt wie das jungenhafte Gesicht von Konstatin Gropper: ohne Ecken und Kanten.

Hinzu kommt, dass Gropper zumindest an diesem Abend so schmal und schüchtern wirkte, dass man das Gefühl hatte, er könne die Schwere und das (wunderbare!) Pathos, das viele seiner Songs prägt nicht tragen, ja er konnte es im wahrsten Sinne des Wortes nicht glaubhaft verkörpern. Gropper ist eben (noch!) nicht so ein gestandener Musiker wie etwa Morrissey oder Nick Cave, mit denen er ob seiner Stimme gerne verglichen wird. Aber ein wirklich guter ist er jetzt schon.

Was bleibt ist also ein Konzert, das eine merkwürdige Leere hinterließ und ein Album, das noch lange bei mir auf „heavy rotation“ laufen wird.

Share Button

{ 7 Kommentare… read them below or add one }

1 Iain April 22, 2008 um 19:58 Uhr

witzig eigentlich, das beschreibt mein anfängliches gefühl nach dem köln konzert ganz gut, vielleicht wusste ich daher auch wies wird und konnte mich noch ganz anders auf alles konzentrieren ;o)

2 Ariane April 22, 2008 um 23:17 Uhr

hhhmmm nun ja..
aber: gRopper heißt der junge mann dann doch ^^
und was den leisen Ken Burke angeht..vielleicht hätte das so gesprächige publikum auch bei dem einfach mal ruhig sein können da hinten. das gelaber hat man vorne nämlich so deutlich gehört, als hätt man direkt an der bar gestanden…und der mann war nun mal auch nur in begleitung seiner gitarre. da wird das nicht all zu laut.

gefehlt hat mir persönlich auch in köln nichts. vielleicht, weil ich nicht ne kleine arcade fire truppe erwartet habe. was man bei dem album ja könnte, allerdings angesichts des „alters“ der jungs und des mädels schon nicht wirklich realistisch ist.

3 Dr.Gonzo April 22, 2008 um 23:31 Uhr

Ups, wie peinlich. Ich wünschte, ich könnte behaupten meine „r“ Tast sei defekt, ist sie aber nicht. Sorry für den faux pas.

4 RockinBen April 23, 2008 um 11:33 Uhr

Pssst, willst Du ein „R“ kaufen?
ich hoffe, ich habe alle Goppers erwischt und in Gropper geändert…

Hihi, aber schon witzig, da nennt sich ein Wunderkind „Get well soon“ und ist selber krank…

5 Iain April 23, 2008 um 12:47 Uhr

Pure vorausschauende Selbstironie :o)
aber man kann dem wunderkind attestieren, dass es heute rein charismatisch schon weiter ist als ein vergleichbares wunderkind bei der „I’m wide awake it’s morning“ tour 2005 oder so

6 RockinBen April 23, 2008 um 13:28 Uhr

Ähm, Einspruch! auf der Lifted-Tour 2001 war das Wunderkind zwar ein wenig verschüchtert aber mit einer Ausstrahlung und Intensität, die ihresgleichen sucht… Aber das sind ja auch alles subjektive Erfahrungswerte…

7 Iain April 23, 2008 um 13:33 Uhr

so issat ;o)

Previous post:

Next post: