George Harrison: Living in the material world

von Benjamin am 12. Januar 2012

in Film ab!

Post image for George Harrison: Living in the material world

„Living in the material world“, der dieses Jahr für das Fernsehen produziert worden ist, ist der x-te Film über die Beatles, der auf seine Art versucht, eine Vollständigkeit über das Wissen die Beatles betreffend herzustellen. Es ist der x-te Film und gleichzeitig wird es aber niemals genug Filme über die Beatles geben. Je mehr Archivmaterial man hervorholt, desto mehr will man wissen. Das sich anhäufende Wissen erzeugt hier das Verlangen nach noch mehr oder wieder mehr, denn immer mal wieder hat man ja auch genug von der Lobhudelei und dem Diener, den man vor den Beatles macht. Aber auch hier: man kann gar nicht genug Diener vor den Beatles machen. Pop-Musik heute macht das aber nicht mehr im Moment. In der heutigen Pop-Musik ist alles dafür bereit zu vergessen und vergessen zu werden. Die nagende Frage, die sich Pop-Musiken heute gefallen lassen müsste, ist: Welchen Eindruck werden die Strömungen hinterlassen, die heute vorherrschen? Und die morgen vorbeigeflossen sind? Stechen die Bands noch so hervor und in das Musikgeschehen ein, dass sie überhaupt einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Wer wird die Popmusik-Geschichte der letzten 10 Jahre und der kommenden 10 Jahre schreiben?

Indirekt stellt Martin Scorseses Film all diese Fragen. Er macht das so geschickt, wie Scorsese all seine Filme und vor allen Dingen seine Dokumentation macht. So unstet wie das Leben ist, sind auch seine Dokumentationen gedreht und geschnitten. Das Leben kann man gerade noch so in eine chronologische Reihenfolge bringen und so halbwegs chronologisch geht auch „Living in the material world“ vor, macht aber auch manchmal Sprünge, dort wo es angebracht ist. Man sieht sehr viel Archivmaterial, sehr viele Archivfotos und sehr viele Interviews. Auch viele, in denen George Harrison selbst spricht und erzählt. In „Living in the material world“ sieht man unendlich viele George Harrisons. Und man freut sich, nicht immer John oder Paul im Fokus zu haben. Interviewt wurden für diesen Film aber viele Menschen, die George nahestanden: Paul McCartney, Ringo Starr, George Martin, Eric Clapton, Patti, Phil Spector.

Auffallend sind hier, wie in allen Scorsese Produktionen der letzten Jahre, die harten Schnitte, die das Archivmaterial deutlich sichtbar von aktuell gedrehten Sequenzen abtrennt und damit den Zuschauer immer wieder aus einer Art Träumerei herausholt. Gedrehte Musikgeschichte soll hier wohl nicht den Anschein erwecken, als füge sich alles vorhersehbar ineinander ein. Gedrehte Geschichte ist bruchstückhaft und Archivarbeit, und die ist holprig und löchrig, das lässt Scorsese hier immer sehr deutlich werden.

Die Dokumentation tut dann aber auch nicht so, als wäre George Harrison gegenüber den Anderen jetzt etwas ganz Besonderes oder Besseres gewesen, sie will ihn nicht gegenüber den anderen Beatles in den Himmel loben, aber sie versucht schon sehr stark den ruhigen privaten Menschen zu zeigen, aber ebenfalls, ohne jetzt Geschichten ans Tageslicht zu zerren, die reißerisch wirken. Dass er ein spirituelles Leben leben wollte, dass er sich von einer gewissen Hysterie entfernen wollte, und was er über einen inneren Frieden und den Glauben verbunden damit dachte, kommt durch viele eigene Worte Harrisons sehr gut heraus. Und diese Ruhe strahlt tatsächlich über den ganzen Filme hinaus.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: