Gemma Ray – The Leader

von Hififi am 29. Oktober 2008

in Musik!

Post image for Gemma Ray – The Leader

Das englische Q Magazine schreibt: „Imagine Norah Jones on Amy Winehouse’s drugs“, was ich nicht nur lustig finde, sondern ebenfalls sehr treffend. Gemma Ray wird auf der Insel schon einmal ordentlich abgefeiert und mit Vorschusslorbeeren versehen, allen voran der natürliche Feind seriöser Musikberichterstattung, der NME. Aber braucht es denn tatsächlich noch eine Amy Winehouse, oder Duffy? In diesem Fall vielleicht schon.

Gemma Ray hat sich sicherheitshalber ein wenig außerhalb dieses ilustren Kreises platziert und ihren Sound mit ein wenig mehr Blues versehen, aber nicht ohne den Soul zu vergessen, bloß das der sich manchmal hinter einer Wand obskur klingender Instrumente versteckt. Da geht einiges, mit Harfe und Glockenspiel, geht es dem normalen Pop-Instrumentarium an die Gurgel. Messerscharfe Gitarren, ohne große Effekte, wie Hall oder Delay, klingen angenehm nach retro, vielleicht eher vintage, da retro doch mittlerweile ziemlich negativ belegt ist.

Kleine Sensationen, die den großen Schritt in die Charts durchaus schaffen könnten, sind Songs wie „Rise Of The Runts“ oder die verschrobene Ballade „Hard Shoulder“, die dann doch ein wenig an Duffy erinnert und was bei der blonden Waliserin funktioniert hat, sollte doch auch bei unserer Londonerin eine Chance bekommen. Ansonsten gibt es auch schon mal einen halbwegs lupenreinen Gospel zu hören („Eyes And Ears“) und in weniger reiner Form – nämlich eigentlich nur während der Bridge – bei „Name Your Lord“. Wunderbare Songs voller Phantasie, getragen von Gemmas geheimnisvoller Stimme, die den Zuhörer einlädt auf die Reise zu gehen, ganze dreizehn Songs lang.

Share Button

{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon November 7, 2008 um 19:10 Uhr

Stimme ich absolut zu!
Vielleicht ist auch ein Unterschied zur gr0ßen „Drama-Amy“, dass Gemma nicht so massenkompatibel ist und es lieber ruhiger und mit mehr Hingabe an die eigentliche Hauptsache, die Musik, angeht.
Erstauinlich by the way, wieviele gute Solo-Künstlerinnen in diesem Jahr ein Album rausgebracht haben, man denke nur an Lykke Li, Martha Wainwright, Emiliana Torrini oder PJ Harvey- ich rufe dieses Jahr zum Jahr der Frauen mit Gitarre aus!
Am besten gefallen mir übrigens „Dry river“ und „On your own“.

2 Hififi Juni 27, 2009 um 04:30 Uhr

Das Jahr ist längst vorbei und… und war es jetzt wirklich das Jahr der Frauen? „Jungle Drum“ zählt nun wirklichn nicht, schon allein, weil es bessere Songs von Emiliana gibt. Oder? Diskussion!

3 Pynchon Juni 28, 2009 um 16:28 Uhr

„Jungle Drum“ ist auch nicht mein Torrini-Favorit, aber ihr Album zähle ich schon zu meinen Lieblingswerken aus 2008, ebenso wie Martha Wainwright (wenngleich das – da bin ich nicht sicher – auch Ende 2007 rausgekommen sein könnte).
Aber dieses Jahr ist fast noch besser in Bezug auf das sanftmütige Geschlecht: Die neue PJ-Harvey Scheibe ist sehr hörenswert, Pepi Ginsberg hat was tolles vorgelegt, und als besonders heißen Tipp empfehle ich das Debüt von der Schweizerin Sophie Hunger – da kann man doch nicht meckern?

Previous post:

Next post: