Frittenbude – Katzengold

von am 3. Juli 2010

in Musik!

Post image for Frittenbude – Katzengold

Die hatte man so nicht auf dem Schirm. Auf dem diesjährigen Hurricane-Festival sorgten Frittenbude für eine (unangenehme) Überraschung, mit der der Veranstalter nicht rechnen konnte. Erstmalig wurde mit der ‚White Stage‘ eine Bühne eingerichtet, die ausnahmslos Elektro-Acts zu bieten hatte: u.a. Erol Alkan, Boys Noize und eben auch Audioliths oberbayrische Grellomaten Frittenbude, die mit „Katzengold“ nach zwei Jahren jüngst ihr zweites Album vorlegten. Massenweise strömten die tanzwütigen Kids an den Gitarrenacts auf den großen Bühnen vorbei, um zu zackigen Beats abzuzappeln. Wie sehr, das zeigte sich bereits nach 15 Minuten, als das Set abgebrochen werden musste, da immer mehr Leute in bunten T-Shirts in das bereits zum Bersten gefüllte Zelt drängten und dabei auch nicht vor Securities und Polizei haltmachten. Aufruhr in kurzen Hosen und teuren Sneakers. Hier ist also die Band der Stunde. Wie es Deichkind schon seit einigen Jahren praktizieren, vereinen Frittenbude musikalische Working-Class-Attitüde mit alltagsphilosophischem, gesellschaftskritischen Studentenaktionismus. Wie bei den Studiprotesten wollen zum Feiern alle dabei sein und Verpeiltheit demonstrieren: „Wir sind total durch den Wind“. Elektro-Aggressivität meets Ballermann im Vollrausch. Poptrack „Unkenrufe“ macht es vor: „Es ist egal was du machst, / egal was dich treibt / Heute Nacht sind alle gleich, / denn wir teilen die Falten von Morgen / (…) / Morgen früh bist du nichts“. Ergo: Carpe noctem, und zwar ohne Wenn und Aber. Eine Platte wie eine Oberstufenparty, zwischen Idealismus und Egoismus. Morgen kann es zu spät sein. Simpel, schrill, stumpf, mitreißend, proletisch! Anklagend, tiefgründig, unkontrollierbar, revolutionär? Vielleicht war das Hurricane-Chaos ein Resultat dieses Aufrufs. Vielleicht hatten auch alle nur Bock, total abzugehen. Es bleibt abzuwarten, was davon in Zukunft übrig bleiben wird. Hoffentlich etwas mehr als Alkoholvergiftungen, zerbrochene Flaschen und blaue Flecken. Nächstes Jahr dürfen Frittenbude wieder auf dem Hurricane spielen, dann aber mit deutlich verstärkten Sicherheitsvorkehrungen.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: