Frittenbude – Interview

von jacques am 11. Juni 2010

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Das Frittenbudentrio Martin Steer, Johannes Rögner und Jakob Häglsperger sind momentan viel in Ostwestfalen unterwegs, ohne es zu wissen. In Paderborn wurden sie aufgespürt und ausgefragt.

Guten Tag ihr drei! Freut ihr euch auf die Show?

Jakob: Auf die Show? Jaja, klar, schon.

Seid ihr noch bei jeder Show aufgeregt, oder hält sich das in Grenzen, nach jahrelanger Erfahrung?

Jakob: Kommt drauf an… Es gibt immer noch Shows, wo wir so richtig nervös sind, manche dann so weniger. Bei mir sind es eher die größeren Sachen, wo ich richtig aufgeregt bin. Oder auch so kleinere, wo man nicht genau weiß, was passiert. Hier zum Beispiel (Cube, Paderborn) ist die Bühne ja auch Tanzfläche und es ist ziemlich laut nach draußen, so dass vielleicht die Polizei kommt… schauen wir mal.

Ihr seid gerade extrem viel unterwegs, euer zweites Album ist frisch draußen. Im Vergleich; kann man schon sagen, ob es steiler geht als euer erstes Album „Nachtigall“?

Johannes: So kann man es nicht direkt sagen. Es ist halt eine Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten Album. Wir haben uns ein bisschen mehr Mühe gegeben als beim letzten Album, in jeglicher Hinsicht.

Jakob: Es geht nicht schlagartig auf einmal steiler, es ist eher so eine geradlinige Steigerung.

Martin: Wir haben das Album ja auch noch nicht komplett live gespielt. Im Herbst werden wir dann sehen, wie es so ankommt.

Also hören wir heute auch eher ältere Songs?

Johannes: Ja, so eine Mischung; ein drittel neu, den Rest ältere Songs.

Habt ihr schon Resonanzen von den Verkaufszahlen?

Martin: Nee, wir haben da keinen Einblick.

Johannes: Also vier haben wir schon verkauft, das weiß ich 🙂

Ihr habt Katzengold auf einer Doppel-CD herausgebracht, mit einer CD voller Remixe. War das eure Idee, oder kam die von Audiolith?

Johannes: Es war irgendwie immer unser Wunsch, die ganzen Remixe, die wir gemacht haben auf CD zu bringen. Ich wollte die eigentlich einzeln rausbringen. Dann saßen wir damals in Dresden mit Lars (Lars Lewerenz: Gründer Audiolith) in einem Hostel-Zimmer und haben darüber gesprochen, wie wir uns das so vorstellen mit dem neuen Album. Dann haben wir an dem Abend eingetütet, dass wir eine limited Edition vom Album machen. Mit einer CD mit allen Remix-Songs.

Ihr seid nun gerade viel in Ostwestfalen und Umgebung unterwegs. Ihr kommt ja aber von ganz woanders, viel weiter weg. Gibt es da eine Erklärung? Merkt ihr, dass ihr hier besonders angesagt seid?

Jakob: Mir ist noch gar nicht aufgefallen, dass wir speziell hier so oft sind…

Johannes: Wir wissen auch einfach oft gar nicht, in welchem Bundesland die Städte liegen, in denen wir spielen. Da kümmert sich nur Artur (zuständig fürs booking) drum.

Ihr seid dieses Jahr das erste mal auf großen Festivals- ihr spielt auf dem Hurricane und auf dem Southside. Seid ihr total aufgeregt, oder freut ihr euch einfach?

Jakob: Ich glaube, dass kommt erst an dem Abend. Ich war selbst nie auf einem der beiden Festivals, ich weiß gar nicht genau, wie groß die sind.

Dieses Jahr gibt es das erste mal die sogenannte „White Stage“, extra für elektronische Bands. Wisst ihr schon, wie die Location aussehen wird?

Johannes: Das wird ein Zelt, absolut vollgestopft.

Jakob: Wird sicher geil, wir freuen uns da alle drauf!

In solchen Zelten habt ihr noch nicht gespielt?

Martin: Doch, schon in diversen Zelten. Aber nie auf einem so riesigen Festival.

Jakob: Beim „Immergut“ war auch ein großes Zelt! Ich glaub, dass ist ungefähr vergleichbar. Also wird es nicht das erste mal in einem Zelt, aber das erste mal auf einem so krass großen Festival.

Habt ihr noch einen Überblick, wie viele Konzerte ihr schon gespielt habt?

Johannes: Wie viele werden das sein?! So an die 100 denke ich…

Jakob: … ich glaub, es waren schon mehr!

Johannes: Na dann 100 plus, minus 200 (lacht)

Auf Wikipedia steht, dass ihr als links-radikale Band bezeichnet werdet.

Johannes und Jakob: Werden wir!

Ja, was sagt ihr dazu?

Johannes: Ja mein Gott, das ist jetzt nicht die schlimmste Schublade, in die man als Band herein gesteckt werden kann.

… aber radikal?!

Johannes: Wenn man das mit hinein interpretiert, ist das eine persönliche Interpretation… Wir sehen uns selbst als eine Band, die Musik macht, nicht um eine links-radikale Band zu sein. Wir machen Musik, um Musik zu machen.

Jakob: Ja, genau! Unser Hintergrund ist die Musik, nicht die politische Einstellung.

Ihr seid ja auch viel auf Demos unterwegs. Macht ihr dort hauptsächlich Konzerte? Oder geht es euch auch um die Demos an sich?

Johannes: Das schon, aber Zeit ist da mittlerweile nicht mehr, um aktiv teilzunehmen.

Habt ihr schon erlebt, dass es Leute in der linken Szene gibt, die sich darüber beschweren, dass ihr zu bekannt seid und dass ihr alles nur benutzt, um noch berühmter zu werden? Oder wurde euch schon Ausverkauf vorgeworfen?

Johannes: Naja, das passiert ja relativ schnell, dass Leute sich beschweren, dass es unsere neue CD bei Müller und Mediamarkt zu kaufen gibt und uns dann als kommerziell beschimpfen. Aber das die erste CD auch schon bei Müller drin stand wird dann nicht erwähnt.

Jakob: Aber das alles ist doch eine ziemlich unrealistische Betrachtung! Sobald eine Band anfängt, T-Shirts zu verkaufen, sind sie kommerziell! Aber mit Musik kann man eh nicht mehr so viel Kohle verdienen, dass sich das wirklich lohnen würde.

Lebt ihr denn von eurer Musik, oder macht ihr nebenbei noch was anderes?

Johannes: Mittlerweile kann man schon davon leben. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir goldene Waschbecken besitzen.

Habt ihr eigentlich schon von der Fachpresse Kritiken zum neuen Album gehört?

Jakob: Ja! Ich mach mir schon Sorgen…

Johannes: … zum letzten Album hatten wir schlechte Kritiken und den Leuten hat das Album super gefallen. Jetzt haben wir gute Kritiken…

Jakob: Ich kann teilweise schon Nachts nicht mehr schlafen.

Johannes: Bald werden nur noch Journalisten auf unseren Konzerten stehen und in ihr Blackberry tippen, wie gut sie unser Konzert fanden und es twittern…

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1 Hififi Juni 13, 2010 um 01:31 Uhr

Tja, ich finde die Vorstellung, dass jemand von uns Konzerteindrücke in sein Handy/ Blackberry hämmert ein weing problematisch. Ich für meinen Teil schaue mir Konzerte an – ohne Notizen zu machen, ob jetzt Blackbery und Konsorten. Das ist teilweise echt schade, da ich meinen Rezensenten-Status kaum ablegen kann und ich tatsächlich zumeist während eines Auftrites schon darüber nachdenke, was ich schreiben könnte. Aber – und dass ist der Punkt bei der Sache – sich die Säfte (Adrenalin und Konsorten) wieder setzen müssen, um eine halbwegs einwandfreie Rezi schreiben zu können . Aber – und dass ist wiederum auch ein ganz wichtger Punkt – es muss jeder machen wie er/ sie meint.

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