Franz Ferdinand von A bis Z – Helen Chase

von Hififi am 15. März 2009

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Der Mensch ist ein Voyeur, das steckt in jedem von uns. Wenn ich mich also in eine Bandbiografie, und den Anspruch hat „Franz Ferdinand von A bis Z“ ja sicherlich, vertiefe, dann will ich auch und/ oder vor allem die Dreckwäsche. Unnachahmlich vorexerziert von Mötley Crüe („The Dirt“), die mit Fug und Recht behaupten können wahre Rockstars gewesen zu sein.

Unter A bekommen wir zuallererst eine Abhandlung über russischen Konstruktivismus geboten, an dem sich Ferdi Franz ihr Artwork betreffend, orientiert haben. Na, dämmert was? Es gibt keine Dreckwäsche, was wenig bis gar nicht an Helen Chase liegt, die hervorragend recherchiert hat, über eine ausdrucksstarke Schreibweise verfügt und jederzeit die passenden Zitate findet, ihre Thesen zu untermalen. Grundsolides Handwerk also, aber wo ist das Problem? Was mir prinzipiell total sympathisch ist, nämlich eine Band die gänzlich ohne Starallüren auskommt, die ihre Fans zu schätzen weiß, all dies langweilt ungemein, wenn man darüber lesen muss. So wie Bono, der geht mit seinem „Gutmenschentum“ ja auch hausieren und darf sich infolgedessen auch nicht wundern, wenn einige die Nase rümpfen. Alex Kapranos, Paul Thomson, Nick McCarthy und Bob Hardy haben im Prinzip alles richtig gemacht, ein perfektes Popalbum aufgenommen und gehören zu den besten Live-Bands die ich jemals gesehen, aber das weiß ich ja alles schon und muss mir das jetzt nicht unbedingt noch seitenweise um die Augen hauen.

Das war schon die Kritik, denn, außer das die Drogen- und Groupie-Eskapaden fehlen, ist dieses Buch ansonsten absolut fantastisch. Eine Art Nachschlagewerk, ein Band-Almanach sozusagen, denn es sind alle Liedtexte vorhanden, sämtliche Konzerte bis 2006 aufgelistet (bis zu ihrer Schaffenspause also und die ist ja erst kürzlich zu Ende gegangen) und die Fotos sind sensationell. Der Druck ist zu dem absolut hochwertig, sodass einem viel für sein Geld geboten wird, aber so soll es natürlich auch sein.

Aber wirklich unterhaltsam ist „Franz Ferdinand von A bis Z“ leider nicht, etwas dröge, so wie die vier Bandmitglieder ja selber irgendwie sind, obwohl sie auf intellektueller Ebene den meisten heutigen Popacts Trilliarden Lichtjahre überlegen sind, aber der Klassenstreber hatte ja nun auch nicht viel zu lachen. Fazit: Eigentlich wirklich nur was für Fans.

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