Fleet Foxes – Helplessness Blues

von Pynchon am 1. Mai 2011

in Musik!

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Mag es an den wildwüchsigen Bärten, den aus der Mode gekommenen, karierten Baumfäller-Hemden oder schlichtweg an der harmonietrunkenen Musik liegen, aber die Fleet Foxes schienen ja schon vor drei Jahren wie aus der Zeit gefallen, als ihr gleichnamiges Debüt erschien, das der Band viel Aufmerksamkeit und Schulterklopfen einbrachte. Hippies aus Seattle, die sich Mitte der sechziger Jahre womöglich im Haight-Ashbury-Viertel in San Francisco herumgetrieben und ziemlich genau das gemacht hätten, was sie auch anno 2011 tun: gemeinsam musizieren und die Musikwelt mit traumhaft schönem Folkpop beglücken, der unverhohlen Retro ist, zugleich aber unverwechselbar nach den Fleet Foxes klingt.

Für all jene, die 2008 noch nicht auf den Fleet Foxes-Trip gekommen sind und sich nun fragen, was es mit dem Medien-Hype auf sich hat, seien die zwölf Stücke auf „Helplessness Blues“ als melodiöse, in mehrstimmigem Gesang schwelgende Folkpop-Songs irgendwo zwischen Neil Young, Peter, Paul & Mary, dem frühen Bob Dylan und Simon & Garfunkel beschrieben. Songs, die einladen zum Träumen wie alte Fotografien von glücklichen Urlauben am Meer oder in den Bergen, die man dankbar und auch etwas schwermütig betrachtet. Im Vergleich zu ihrem Debüt haben die Foxes ihr instrumentelles Zubehör diesmal erweitert und warten unter anderem mit Holzflöte, Zither, Tibetanischen Klangschalen und einer Geige auf, die etwa im Song „Bedouin Dress“ genial gewinnbringend eingesetzt wird. Die Lyrics spiegeln an vielen Stellen die meditative Naturverbundenheit der Band wider: Im traumhaft schönen Finish „Grown Ocean“ singt Robin Pecknold: „In that dream I’m as old as the mountains, still is starlight reflected in fountains, children grown on the edge of the ocean, kept like jewelry kept with devotion.”

Ein großartiges Debüt kann leicht zu einer Hypothek werden, die einschüchternd wirkt und eine dermaßen gelobhudelte Band verunsichert. Von Verunsicherung oder Erwartungsdruck ist auf „Helplessness Blues“ jedoch nichts zu spüren. Auch unter dem Vorbehalt, dass ich das neue Album natürlich erst einige Male gehört habe, finde ich dennoch, dass es noch reicher, noch facettenreicher, schlichtweg noch großartiger als sein Vorgänger geraten ist! Einen Favoritensong kann ich noch nicht ausmachen, dafür sind die Songs einfach auf einem vergleichbarem Top-Niveau, im Grunde ohne nennenswerten Hänger oder eine Schwäche. Bis dato neben PJ Harvey’s „Let England Shake“ für mich das Album des Jahres!

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