First Aid Kit -The Big Black and The Blue

von am 23. Januar 2010

in Musik!

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Hippies ohne Drogen? Wie langweilig. Von Zynismus geprägt und durch und durch böse, wie wir heutzutage alle sind, fällt es nicht ganz leicht, sich mit First Aid Kit ernsthaft auseinanderzusetzen. Die beiden liefern einfach zu viele Steilvorlagen für den coolen Musikhörer des Jahres 2010 (und der letzten dreißig Jahre). Viele Songs auf dem Debütalbum der beiden Schwedinnen lassen sich beim ersten Anspielen als Betroffenheits-Hippiefolk abtun: „In The Morning“ versucht sich gleich zu Beginn in die Herzen der Zuhörer zu jodeln und setzt den Standard, der beinahe durchgängig beibehalten wird. So überschlägt sich zum Beispiel auch „Josefin“ ein paar Mal zu viel, um wirklich erträglich zu sein. Johanna (19!) und Klara (16!!) Söderberg übertreiben gelegentlich dermaßen, dass die zum Teil guten, aber noch häufiger nur gut gemeinten Neofolk-Akkustik-Songs zu einem Surrogat aus Nicole, Joan Baez und einer leider ernstgemeinten, weiblichen Proclaimers-Version herab-geweltschmerzt wird. Dabei findet sich in der überharmonisierten Natursong-Orgie durchaus die ein oder andere Perle. Würde der oben erwähnte Opener gefühlsmäßig nicht so sehr über das Ziel hinausschießen, wären die beiden Teens gar nicht so weit entfernt von den derzeitigen Indie-Folk-Superstars Mumford & Sons. „Heavy Storm“ lässt mit glasklarem Fingerpicking und angedunkelter Atmosphäre angemessen viel Raum für die Stimmen, die den Zuhörer an anderer Stelle aber auch schon einmal gehörig auf den Keks gehen können. Sind wir nun zu abgeklärt, um den nahezu jungfräulichen Weltverbesserungspathos „The Big Black And Blue“ wirklich schätzen zu wissen? Oder müssen die beiden einfach noch ein bisschen dazulernen? Wahrscheinlich ist es von beidem ein bisschen. Noch ist das bisschen Frieden, ein bisschen zu friedlich.

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