Final Fantasy – He Poos Clouds

von Ariane am 1. Juli 2007

in Musik!

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Final Fantasy – bei dem Namen denken ganze Nationen als erstes an das PC-Spiel.

Schade eigentlich, denn der Junge Musiker, der hinter dem Projekt mit diesem zugegebenermaßen in die Irre führenden Namen steht, hat alle Aufmerksamkeit verdient!

Mit „He Poos Clouds“ hat der Kanadier Owen Pallett im Frühjahr 2006 nach nur einem Jahr nachdem sein Debut „Has A Good Home“ erschienen war, sein zweites Album auf den Markt geschmissen und mindestens ebenso sehr damit verzaubert.

Manch einem, der schonmal in die Arcade Fire booklets geschaut hat, mag der Name Pallett bekannt vorkommen. Auch Freundes der Hidden Cameras sollte er ein Begriff sein.

Mit Arcade Fire hat er zusammen an den Stringarrangements für „Neon Bible“ gearbeitet, auch an „Funeral“ war er maßgeblich beteiligt und wenn die Zeit vorhanden ist und die Möglichkeit besteht, dann sollte man sich auch nicht wundern Owen Pallett als zweiten Violinisten auf einer Bühne mit Arcade Fire zu sehen.

Das Wort „Violinist“ schreckt viele Menschen ab. Aber genau das ist er und zwar ein guter!

Von Klassik ist weder auf „Has A Good Home“ noch auf „He Poos Clouds“ etwas zu hören. Auf der Bühne mag er ein junger Mann mit einer Geige, manchmal einem Schlagzeuger und neuerdings sogar Keyboard sein. Auf den Alben werden jedoch schwere Geschütze aufgefahren.

Würde man versuchen wollen Platte gegen Liveperformance zu stellen, würde man jedoch scheitern. Beides ist ein Erlebnis für sich, dass man sich gönnen sollte!

Ein wenig könnte man seine Musik vielleicht doch mit dem PC-Spiel vergleichen. Beides zieht einen gleichermaßen in seinen Bann und man taucht für eine Zeit, die man selber bestimmen kann, in eine art Traumwelt ein.

Sex ist Thema. Es wird aber auch Kritik an der Gesellschaft geübt.

„Gotta fulfill the seven prophecies!

Gotta be a friend to grandmother!

Gotta rescue Michael from the White Witch!

Gotta find and kill my shadow self

Gotta dig up every secret seashell

You may have been made for love…

But I’m just made.“

– heißt es in dem Song „He Poos Clouds“ und zu recht schreien hier nun wieder die Computerspielliebhaber auf.

Owen Pallett spielt ganz bewusst damit. Wer aber mal daran vorbeischaut und sich bewusst macht, was diese Zeilen eigentlich bedeuten, und zwar, dass nur noch erwartet wird, ohne zu wissen, ob es Sinn hat oder möglich ist. Der Druck steigt stetig und niemand ist dem gewachsen. Was bleibt, ist der Versuch alles zu schaffen, allem und jedem gerecht zu werden ohne sich selbst zu verlieren.

„We’ll press what is left into new“, ja auch „Song Song Song“ beschäftigt sich mit dieser Thematik.

Da gibt es das Mädchen, dieses Verlangen („Arctic Circle“), der Mann, der auf eigenen Beinen steht, stehen muss, aber nicht weiß wie und sich daran erinnert, wie es war einen Vater zu haben, ein Kind zu sein („Many Lives -> 49mp“).

Nein, Owen Pallett mag sich gerne hinter der Fassade des Nerds verstecken. Desjenigen, der Songs über Computerspiele schreibt (dies auch gerne mal den Journalisten erzählt), oder sich in einem Zelda-anmutenden Kostüm ablichten lässt.

In Interviews weiß man nicht, ob er die Journalisten nun ernst nimmt, oder nicht. Wahrscheinlich eher nicht. Noch weniger weiß man, ob er sich ernst nimmt. Auf Nachfrage ist die Antwort zu dieser Frage in den meisten Fällen ’nein‘.

Doch wenn jemand mit geschlossenen Augen auf der Bühne steht, sein Instrument mit soviel Andacht und Vorsicht hält und trotz der (eigenen Aussage nach) dünnen Stimme mit einer Leidenschaft singt, die weit und breit vergeblich ihres Gleichen sucht, und ab und an sogar in das geliebte Intrument schreit…bei standing ovations ja sogar rot wird…das ist ernst. Das ist Liebe zur Musik in purer Form.

Im Mai diesen Jahres hat Owen Pallett begonnen an seinem neuen Album „Heartland“ zu arbeiten, das zwar für noch dieses Jahr geplant ist, aber sicherlich nicht vor Frühjahr 2008 in den Läden stehen wird. Wer soll es ihm verübeln? Im letzten Jahr hat er den kanadisch Polaris Price gewonnen, in den letzten Monaten war er mit Beirut auf Tour, wobei es zu spontanen Kollaborationen innerhalb Owen Palletts Sets, aber auch dem von Beirut gekommen ist. Man verstand sich so gut, dass der Großteil von Beirut an der neuen Single von Final Fantasy „Hey Dad“mitgearbeitet hat (Veröffentlichungsdatum noch nicht bekannt).

Owen Pallett scheinen alle Türen offen zu stehen, doch er rennt nicht. Er öffnet eine nach der anderen. Und wenn ihm nicht gefällt was er sieht, schließt er sie wieder, und öffnet eine andere. So frei und, vielleicht auch unzuverlässig, sollten mehr Künstler heutzutage sein. Man wartet vielleicht ein wenig länger, aber mal ehrlich, möchte man eine Platte, bei der sich der Musiker gehetzt gefühlt hat und im Endeffekt nicht mal sagen kann, ob er 100%ig zufrieden ist?

Man wartet gerne, wenn man weiß, dass das Endprodukt ehrlich sein wird.

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