Film School – Hideout

von Sterereo am 23. November 2007

in Musik!

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„Ich danke meiner Mutter, meinem Visagisten und allen, die diesen unglaublichen Erfolg möglich gemacht haben“, schluchzen bis zur Unkenntlichkeit aufgetakelte Hollywood-Schnicksen, sobald sie auch nur die unwichtigste Auszeichnung auf den Sims ihres unechten Kamins stellen dürfen. Ob bei dem Danksagungsreigen schon mal eine Filmschule bedacht wurde, bleibt in der modernen Forschung leider unerfasst. Andersrum allerdings bedanken sich die Kalifornier von „Film School“ ausführlich bei gleich 140 Mäzenen im Booklet zur neuen Scheibe „Hideout“.

Denn nach einem folgenschweren Fiasko, als ein dummdreister Dieb einfach mit dem Tourbus samt Equipment vom Hotelparkplatz auf Nimmerwiedersehen davon preschte, hießt es erstmal den Gürtel enger schnallen. Doch viele Fans, Freunde und freundliche Mitmenschen unterstützten die nun mittellosen Musiker. Während dieser schweren Zeit bleiben Querelen in den eigenen Bandreihen natürlich nicht aus. Die Konsequenz: erneute personelle Umschichtungen. Gesucht wurde unter anderem ein unbedingt weiblicher Ersatz am Bass. Schamlos abgekupfert von den Pixie setzte Frontmann Greg Bertens folgende Annonce auf: „Looking for someone into Hüsker Dü and Peter, Paul and Mary“. Wie einst Kim Deal biss hier Lorelei Plotcyk an, die neben der Bassgitarre auch noch ihr zuckersüßes Stimmchen in die Mikrofone hauchen darf.

Nahezu sämtliche Songs wurden anschließend in Bertens Apartment in L.A. geschrieben. Dabei heraus kam wundervoller Shoegazer-Pop mit träumerischen Melodien. Leichte Spacerock-Anleihen verpassen dem Album eine Gitarrenwand, die vom Keyboard umwickelt und durch ein treibendes Schlagzeug durchzogen wird. Hervorragendes Beispiel direkt zu Beginn: Der Opener „Dear Me“ wird getragen von eben diesen breiten Gitarren und Bertens harmonischen Gesang. Die Palette von „Hideout“ ist breit gefächert. Mit kurzen Intros werden die Stücke des Albums sorgfältig vorbereitet, um dann ausgebreitet und ausgeweitet zu werden. Der neue weibliche Touch ist nahezu in jedem Song zu hören. Vor allem „Plots and Plans“ mit der sinnlich weiblichen Stimme, anschließend umgarnt von Bertens sehnsüchtigem Gesang, und dem behutsam arrangierten Zusammenspiel zeigt das Talent von „Film School“ was Inszenierung angeht.

„What I Meant to Say“ schießt noch einmal wie eine adrenalingeladene Kanonenkugel ins verzerrte Finale, inklusive Begräbnis-Piano und eingängigem Gesangspart, klingt verrückt, funktioniert aber.

Somit ist klar, verstecken braucht sich „Hideout“ nicht. Eine Danksagung von mir an dieser Stelle an die Academy, äh, „Film School“.

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