FFF – Fernwaerme

von Pynchon am 16. November 2009

in Musik!

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Der Text des Beipackzettels lässt schon mal erahnen, wohin die Reise geht: „Noch aufgeladener und dynamischer als bisher ziehen FFF ohne Gummistiefel, aber mit einer fragwürdigen Plattensammlung im Gepäck, durch den Gumpensund der Melodien, verlassen pfeifend die Trampelpfade des Klanggleichgewichts und besingen mehrsprachig ihre Abenteuer im Unterholz der Rohrsysteme und Kohleöfen.“

Klingt ein bisschen nach „Going Underground“, gemixt mit einer ironischen Portion Gaga-Blödsinn.

Eine Vorliebe fürs Klangtüfteln hat die vierköpfige Band aus deutschen Landen unverkennbar, wie die Samples aus einer antiquierten Schallplatten-Durchsage aus DDR-Zeiten oder einer Harfenkonzert-Aufnahme in A-dur aus dem Jahr 1973 dokumentieren. Hat ein bisschen was von musikalischem Chemiebaukasten-Experiment. Dringlichstes Prinzip bleibt auch im Folgenden, möglichst schwer fassbar und verschroben zu klingen. Ein paar saftige Gitarrenriffs deuten an, dass FFF auch nichts gegen wohldosierte Rock ´n Roll-Einsprengsel einzuwenden haben, solange sie experimentell in ein größeres Ganzes eingebettet sind.

Desweiteren wird der unvergessenen Anita Wilda Kiesel verdiente Anerkennung zuteil, wenn ihre Aufnahme „Gymnastik zur Lockerung und Entspannung“ in einen der unbetitelten Songs eingesponnen wird, und die Betonung liegt hier auf „spinnen“.

Unterlegt von swingenden Tönen klingt das irgendwie ganz in Ordnung, auch wenn der Eindruck dominiert, das die Musik hinter der künstlerischen Intention und dem theoretischen Überbau von FFFs Tüfteleien in sicherem Abstand hinterher hechelt. Das klingt alles nicht halb so interessant, wie der Kunsthochschulen-Gestus behauptet.

Bisweilen schlägt aber auch mal poetische Wahrhaftigkeit durch und der beherrschende Eindruck akademischer Verschrobenheit verflüchtigt sich, wenn es heißt: „Die Luft so trocken auf der Zunge, die Welt so still unter den Füßen, Should we change our whole lives or go home again“.

Im Anschluss dann ein Ausflug ins Weltall mit Juri Gagarin:„Ein Mensch spricht aus dem Kosmos. Er spricht russisch.“ Dazu assoziative Klangexperimente im Hintergrund. Was würde übrigens Hape Kerkeling dazu sagen? HURZ!

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