Fest van Cleef – Ringlokschuppen Bielefeld, 12.12.2010

von Benjamin am 15. Dezember 2010

in Feierlichkeiten

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Das Fest van Cleef tourte nun schon zum 5. Mal durch diverse Veranstaltungssäle dieser Republik und wie jedes Festival hat es seine Stärken und Schwächen. Wobei die Schwächen schnell erzählt sind: lange Schlangen vor dem Versorgungsstand, gesprächs- und trinkfreudiges Publikum (stört bei den ruhigeren Acts) sowie ein aufdringlich-nervend-witziger Thees Uhlmann.

Alles andere aber war wunderbar (Kettcar habe ich nicht mehr gesehen, weil man den Uhlmann nicht länger als 3 Songs ertragen konnte und an Essen kam man ja auch nicht ran…). Eröffnen durften Beat! Beat! Beat! Und machten ihre Sache gut: Tanzbar und gutaussehend rockten sie sich durch die jüngere und ältere britische Musikgeschichte. Beatmusik, Indie-Rock wie die Libertines und ein wenig New Wave. Mal werden die Stile mit Bedacht gemischt, mal pur vorgetragen. Geschmackssicher allemal!

Anschließend ging es zur zweiten Bühne. Dafür ein großes Lob: man konnte die eine Band komplett sehen, dann mit Zigarettenpause zur anderen Bühne und verpasste maximal die Ansage. Die macht aber Thees Uhlmann und diese waren auch nur bedingt witzig. Tim Neuhaus jedenfalls liebt Instrumentenvielfalt und eine große Produktion. Da er aber eine Nachwuchshoffnung in der deutschen Musiklandschaft ist, muss er auf der Bühne auf die große Begleitung verzichten und hat nur Florian zur Unterstützung dabei. Dieser Florian – vorgestellt als „Das ist Florian, meine Band“ – stellte sich als wahrer Tausendsassa an diversen Percussions heraus und wechselte auch während eines Stückes seine Schlagwerkzeuge. Marcus Wiebusch unterstützte die beiden beim Cover des Phoenix-Songs „Lisztomania“. Von Neuhaus wird man noch einiges hören, denk ich. Ein feiner Gig!

Aus England kommen Young Rebel Set. Das hört man lediglich am britischen Akzent beim Gesang, ansonsten könnten sie aber auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommen. Countrymusik, aber durchaus ansprechend und für gute Laune sorgend. Richtig großartig ist das Septett, wenn es sich auf den Folk konzentriert. Doch, war gut.

Nils Koppruch hatte auf Bühne zwei nur eine halbe Stunde Zeit, aber die reichte, um vollends zu überzeugen. In Begleitung eines Bassisten und mit ungeahnten Entertainerqualitäten absolvierte er sein Programm voller kleiner Hits wie „Komm küssen“, „Mein einziges Lied“, „Stadt in Angst“, „Kirschen (wenn der Sommer kommt)“ und „Die Aussicht“. Publikumsinteraktion, Gäste wie Tim Neuhaus und Florian sowie Gisbert zu Knyphausen rundeten das Programm ab. Volle Punktzahl für diesen Auftritt.

Muss man zu Gisbert zu Knyphausen Auftritten irgendwas sagen außer ob er mit oder ohne Band aufgetreten ist und wer evtl. zusätzlich auf die Bühne kam? Also zu Knyphausen trat solo auf. Er ist ein unglaublicher Gitarrenvirtuose, er schreibt tolle Songs und singt sie wunderbar. Aus beiden Alben wurden etwa zu gleichen Teilen Songs gespielt. Bei einem Song begleitet ihn ein alter Bielefelder Kumpel an der Gitarre und „Knochen und Fleisch“ hat zu Knyphausen ja auch mit Nils Koppruch aufgenommen, also singen die beiden den Song gemeinsam. Mehr möchte ich zu Gisbert zu Knyphausen nicht sagen, denn ich bin Fan und von daher voreingenommen. Jedenfalls fand ich es großartig.

Richtig gut und unterhaltsam war dann auch das australische Duo An Horse. Rhythmisch, laut und völlig verzerrt. Dazu diese Gesangsmelodien, die sich trotz der gelegentlichen Rotzigkeit im Gesang von Kate Cooper im Gehörgang festsetzen. Das war direkter Rock mit Spaß am Krach und am Musizieren. Dazu sind die beiden witzig. Fein fein.

Auf der großen Bühne sollten jetzt Thees Uhlmann und Freunde auftreten. Während Uhlmann die ersten bierseligen Reihen aus der Hand fressen, empfinde ich ihn den von Marcus Wiebusch als Peter Fox des Indie-Rocks titulierten nur noch anstrengend. Irgendwie ist Uhlmann eher der Otto Walkes des Indie-Rocks und den Ottifanten-Schöpfer erträgt man ja auch maximal 15min am Stück. Thees Uhlmann muss ich aber trotzdem danken: Das Fest van Cleef brachte auch 2010 starke Künstler auf die Bühne und als Labelmitinhaber ist Uhlmann ja auch dafür verantwortlich. Und die Preise am Merchandisingstand sind für die Größe der Veranstaltung wirklich günstig gewesen. Also doch alles gut!

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1 RockinBen Dezember 18, 2010 um 15:10 Uhr

Habe jetzt gelesen, das es eine Würstchenbude zusätzlich gab, die sich in einem Zelt befand, welches seinen Zugang zwischen Merch-Stand und kleiner Bühne hatte. Das Zelt hatte ich wohl gesehen, aber bei den Außentemperaturen geht doch niemand freiwillig in ein Zelt (auch wenn es mit Heizpilzen bestückt war und dort Glühwein ausgeschenkt wurde). Nun gut, die Versorgungssituation war doch nicht ganz so schlimm wie oben geschildert – nur entdeckt habe ich die Alternative nicht.

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