Feist – Tempodrom Berlin, 22.10.2011

von Benjamin am 27. Oktober 2011

in Feierlichkeiten

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Leslie Feist ist eine beeindruckende Erscheinung. Und das soll sie nicht verniedlichen oder verharmlosen, ganz im Gegenteil. Sie singt schön, aber die Schönheit ist kein Selbstzweck oder seelenloses Verharren in eigenem Glanz, Feists Stimme ist nuancenreich und besitzt Textur. Auf dem neuen Album hat sie ihre Stimme eingesetzt, um sie mit anderen Klängen in einen Raum zu stellen. Und vor allen Dingen hört man den Raum.

Welch bessere Location als das Tempodrom in Berlin mit seiner hochgezogenen Zirkuszeltdecke hätte man sich für Feist-Konzert aussuchen sollen? Hier wird den Abend über der Raum mit in das Konzert einbezogen. Das Tempodrom ist ausverkauft, trotzdem hat der Veranstalter darauf geachtet, dass man nicht dichtgedrängt im Innenraum steht, man hat genügend Platz um den Abend zu genießen.

Als Vorband spielen der Keyboarder und der Drummer Livemusik improvisiert zu F.W. Murnaus „Sunrise“, den ersten Film, den er nach seiner Emigration in die USA fertiggestellt hat. Sunrise ist dramatisch und traum-haft – ein perfektes Vorspiel für das Konzert, was daraufhin folgt.

Begleitet wird Feist an diesem Abend u.a. von Mountain Man, einer a cappella Band aus den USA. Außerdem ist ein ehemaliger Mitstreiter aus den Tagen von Broken Social Scene mit dabei, Charles Spearin, der auch mit der Kopf von Do Make Say Think und Initiator des Happiness Project ist. Feist legt mit ihren neuen Songs die Grundlage für ein freies Spiel aus Klängen, das in den besten Momenten leise und laut gleichzeitig erscheint und immer einen unvorhersehbaren Moment beinhaltet. Bis auf 2-3 Stücke spielt sie alle Songs vom neuen Album „Metals“, dazu dann tatsächlich auch die Hits von The Reminder. Besonders auffallend ist das Einbeziehen der komplexen Rhythmen des neuen Albums, die alle sehrursprünglich wirken und vor allen Dingen aus tieferer Percussion und dem Aufstampfen auf dem Boden bestehen.

Keine ihrer Gitarren scheint jünger als 25 Jahre alt zu sein und Plecs benutzt Leslie Feist ebenfalls nicht, stattdessen zupft und reißt sie an den Gitarrensaiten, ganz unkonventionell und avantgardistisch. Das ist mehr als wundervoll und bewundernswert zu beobachten. Auch ein Duett von The Hidden Cameras Frontmann Joel Gibb und ihr wird aufgeführt, ein ironisch vorgetragener Country-Gassenhauer, in dem es um eine brave Hausfrau und einen hard-working husband geht. Neben all der Ernsthaftigkeit, die auch dem neuen Album sehr anhaftet, haben Feist und ihre Mitspieler durchaus viel Spaß auf der Bühne. Dazu gehört auch eine Punkrock-Version von My Moon, My Man, die an das Ende des Songs angehängt wird.

Die Krönung setzt Feist dann aber mit dem Ende des Konzerts, an dem sie die vor der Bühne stehenden Zuschauer auf die Bühne bittet, um mit ihr und allen anderen zu tanzen. So klettern dann – unter den weit aufgerissenen Augen der angespannten Security – ca. 30 Menschen auf die Bühne und tanzen vor den Augen des Tempodroms zu Feists Musik. Ein gesunder Zauber, der die Zuhörer nicht verführen will, wohnt dem Konzert am Abend inne und nach knapp 2 Stunden ist dieser Zauber leider vorbei.

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