Faith No More – Berlin Wuhlheide, 16.06.09

von Hififi am 23. Juni 2009

in Feierlichkeiten

Post image for Faith No More – Berlin Wuhlheide, 16.06.09

Wie ich andernorts lesen musste, wird nun mittlerweile gar die musikalische Relevanz Faith No Mores angezweifelt. Dieser Eindruck lässt sich nach anderthalb Stunden Greatest Hits-Programm gewinnen, nachdem „Easy“, „Evidence“ und das in seiner Grässlichkeit kaum zu überbietende „I Started A Joke“ zu hören waren. Ein wirklich einzigartiger Auftritt wäre es erst dann geworden, wenn sie sich die Gassenhauer gespart und sich auf ihre eigentlichen Stärken besonnen hätten; die perfekte Inszenierung kompromissloser Musik. Wenn nach elf Jahren Mike Patton mit seinen ehemaligen Bandkollegen halbgare Balladen intoniert, dann ist das wohl nichts anderes als ein einziger Kompromiss, der seinen Fans vielleicht mehr weh tut, als ihm selbst.

Es sind harte Zeiten und die verlangen, wie wir alle wissen, harte Maßnahmen: Mike Patton, der Freigeist mit dem etwas anderem Musikverständnis, der in elf Jahren seit der Auflösung nicht müde wurde, über seine frühere Band zu lästern, tritt nun wieder mit selbiger auf. Das ist zynisch! Jetzt ist aber Geld ein nicht zu unterschätzendes Gut, welches sicherlich auch ein Herr Patton gerne sein eigen nennt und irgendwie passt es schon wieder. Erwarte das Unerwartete sozusagen. Nun habe ich allerdings erwartet, dass die Hits modifiziert, sie ins Jahr 2009 gerettet, oder sie erst gar nicht gespielt werden. Was es allerdings gar unerträglich macht, ist die Gradlinigkeit in der sie dargeboten werden, sodass sich praktisch gar nicht sagen lässt, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befinden. Mit dem Fehlen Jim Martins ist der optische Beweis erbracht, dass Faith No More 2009 lediglich existieren, um sofort wieder in der Versenkung zu verschwinden, nicht ohne die obligatorische Geldgeilheit in Form eines weiteren Best Of-Albums und diverser Festivalauftritte zu demonstrieren. Zynisch dann auch die Coverversion von Peaches & Herbs „Reunited“, „and it feels so good“. Dazu sehe ich förmlich die einzelnen Bandmitglieder in ihren eigenen Nightlinern von Konzert zu Konzert fahren, weil man sich ja eigentlich schon seit zwanzig Jahren nichts mehr zu sagen. Ausgenommen Jon Hudson, der so inspiriert in die Seiten greift, als ob noch nie jemand mit ihm gesprochen hätte. Wenigstens ist es schön leise in der Wuhlheide und so bekommt das Ganze so eine Art Kurkonzert-Feeling mit teetrinkender Langzeitstudenten-Beteiligung. Richtig bezeichnend wird es dann, wenn Patton seinen Senf zu den zeitgleich in Berlin spielenden Simple Minds abgibt: „Who is playing? Simple Minds? Simply Red? Or just simply shit?“ Aber nun gut, wären wir beim einzigen Pluspunkt der Veranstaltung: Mike Patton. Ein Derwisch im lachsfarbenen Anzug und Krückstock, den er angeblich einer Fußverletzung verdankt, das Berliner Publikum denkt da eher an einen Gag. Jetzt hat es dieser Mike Patton nach über zwanzig Jahren im Geschäft halt einfach immer noch drauf das Publikum in seinen Bann zu ziehen, seine gesangliche Leistung steht zudem außer Frage. Nun hätte ich eher eine lustlose Performance seinerseits erwartet und bin etwas unschlüssig, wie ich das zu bewerten habe. Ich glaube Patton ist einfach Profi genug die paar Festivalauftritte über die Bühne zu bringen, ohne seinem durchaus ramponiertem Image noch mehr zu schaden und dafür spult er in der Geschichte einfach elf Jahre zurück und schlüpft in die Rolle des Faith No More-Frontmanns. Nun heißt es durchhalten und Geld zählen.

Share Button

{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Sterereo Juni 26, 2009 um 11:43 Uhr

Ja, da spricht der langjährige Fan, der Faith No More als Soundtrack seiner Jugend kennt. Erwartungen, die eine Reunion wohl nie hätte erfüllen können.

Ich bin an das Konzert also etwas unbedarfter herangegangen. Klar kenne ich die Songs von Faith No More und davon eben vor allem die „Hits“. Easy hätte es für mich auch nicht sein müssen, aber es zu spielen fand ich ok, denn es machte einige Leute selig. Den Rest der Zeit habe ich mich über ein gutes Konzert vor großer Kulisse gefreut. Mit hüpfen, mitsingen und allem. Weniger mit überlebensgroßen Erwartungen. Denn dann würde ich wohl auch zu dem Abziehbildchen- oder Geldeselreiterei-Schluss kommen.

2 Hififi April 15, 2011 um 03:23 Uhr

„Ausgenommen Jon Hudson, der so inspiriert in die Seiten greift, als ob noch nie jemand mit ihm gesprochen hätte.“ Den Satz würde ich gerne streichen, da ich meinem Unmut, über dass Fernbleiben des wahnsinnig guten Jim Martin ja vorher schon Ausdruck verliehen habe. Bloß waren Faith No More die Helden meiner Jugend, und dieses Konzert hat mich echt in meinen Grundfesten erschüttert. Fast so, als ob die Beatles heutzutage mit Paul Simon auftreten würden, der John Lennon ersetzt.

3 Hififi April 15, 2011 um 03:29 Uhr

Allerdings mit Jim Martin an der Gitarre, der George Harrison ersetzt, wäre es zumindest tröstlich. 😉

Previous post:

Next post: