Faith No More – Angel Dust

von Hififi am 10. Mai 2006

in Musik!

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Das da was nicht ganz stimmen kann, sieht man schon am Artwork. Als Frontcover-Motiv ein weisser Kranich auf kaltblauem Hintergrund und Rinderhälften am Schlachterhaken auf der Rückseite sorgen für eine morbide Stimmung, die sich auch und vor allem in den dreizehn Songs wieder findet. Niemand hat nach „The Real Thing“ mit so einem Album gerechnet, das sich komplett dem Pop abwendet und teilweise nach einer anderen Band klingt.

Mike Patton ist mit „Angel Dust“ zu dem Künstler geworden, den auch heute noch die alternative Musikwelt bewundert und fürchtet. Der Millionenseller „The Real Thing“ war für Patton der Einstieg in das Geschäft, dass er ein paar Jahre später umkrempelte, vor allem hat er Faith No More umgekrempelt, Jim Martin (Gitarre) aus der Band getrieben, sich und seine Stimme für den Bandkosmos unabkömmlich gemacht. Musikalisch bewegen sich Songs wie „Crack Hitler“ und „Jizzlobber“ auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Mike Patton hört man in jeder Sekunde des Albums an, wie nah er der dunklen Seite des Mukertums in so jungen Jahren schon gekommen war. Singletauglich allein „Midlife Crisis“ und „A Small Victory“, wenn man bedenkt, dass auf dem ursprünglichen Release (1992) „Easy“ noch nicht vorhanden war. Erst als sich ein finanzielles Desaster andeutete und die Plattenfirma Druck zu machen begann, wurde kurzerhand das Commodores-Cover auf die Platte gehievt. Darüber kann man nun denken was man will, denn eigentlich ist „Easy“ auch nur ein weiterer Bruch mit sämtlichen Hörgewohnheiten, hat es doch eigentlich auf einem solch kompromisslosen Album nichts verloren, aber eben genau deshalb wieder doch. Erwartet hat diese Schmalz-Ballade zumindest niemand. Und genau darum geht es: Bloß keine Erwartungen erfüllen, die völlige Abkehr von „The Real Thing“ und der willkommene Nebeneffekt, dass sich ein neuer Hörerkreis erschließt.

Das hier ist kein Spaß.

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1 Cut1977 Mai 11, 2006 um 18:06 Uhr

Nein, wirklich nicht. Mit Spaß hatten damals gückicherweise weitaus weniger Alben als heute zu tun. Es gab noch nicht so viel Ironie, so viele Ebenen, so viele Brechungen, und vor allem nicht so viel Zitat im Alternative-Bereich. FAITH NO MORE haben mit „Angel Dust“ eine neue Musikrichtung geschaffen, einen aggressiven und sehr intensiven Stil, den bis heute niemand wagt abzukupfern. Jeder weiß, dass das nur in die Hose gehen kann und sofort entlarvt würde.

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