Evan Freyer – Anker

von Pynchon am 26. Mai 2010

in Musik!

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Evan Freyer, ein junger Solokünstler aus Velbert, serviert mit „Anker“ ein zehn Song starkes Debütalbum, das er mit der Grundausstattung Gitarre, Bass und Mikro im heimischen Keller aufgenommen hat. Dass er mit den Instrumenten umgehen kann und sich auch auf größeren Bühnen gut schlägt, hat er in den vergangenen drei Jahren auf diversen Konzerten, vornehmlich in Norddeutschland, bewiesen.

Beim Opener „Immer wieder“ muss ich erstmal unwillkürlich an Fahrin Urlaub denken. Evan Freyer spielt zwar keinen Punk, sondern eher melodiös-stimmungsvollen Rock, doch seine Stimme klingt schon ein wenig nach dem „Ärzte“-Sänger. Der nächste Song, „Hartmut“, ist ein Bekenntnis zur Natur- und ähem, zu Hartmut Engler: „Denn immer wenn wir traurig war´n, immer wenn wir traurig sind, schau´n wir rauf zu den Sternen, oder fühlen mit dem Wind, denn wir lieben die Natur, und hören gerne Pur.“ So ganz bierernst ist das aber wohl nicht zu meinen, in dem schönen Refrain „Vokuhila, enge Wrangler, unser Vorbild, Hartmut Engler“ schwingt doch eine Portion Ironie mit.

Freyers Texte sind durchaus launig, seine schmissigen Kompositionen sind kurz und knackig, selten länger als drei Minuten und mit ihrer optimistischen Gute Laune-Attitüde wie in „18= = 100“ durchaus Feier- bzw. Festivaltauglich. Da wird die deutsche Politik in persona Guido Westerwelle auf den Arm genommen oder das moderne Medienzeitalter kritisch beäugt. Rein musikalisch kann man das als massentauglichen Pop einordnen, mit eingängigen Songstrukturen, die einem schon ziemlich konventionell vorkommen, andererseits aber angenehm roh rübergebracht und mit netten Texten serviert werden.

Bisweilen wechselt der ironisch-distanzierte Gestus der Songs auch hin zur schwermütigen Nachdenklichkeit, wie im englischsprachigen „Conversation with myself“, in dem es um Identitätsprobleme und Selbstfindung geht. Ein schönes Stück Pop, das beweist, dass Evan Freyer (auch wenn ihm die englischen Texte nicht ohne deutschen Akzent von den Lippen kommen) durchaus ein feines Händchen für eingängige und stimmungsvolle Melodien hat.

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