Erving – Lonely Girl At Heart

von Pynchon am 5. November 2009

in Musik!

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Das britische Duo Erving, bestehend aus Sängerin Carrie Erving und ihrem Co-Komponisten Tom Krimi, legt mit „Lonely Girl at heart“ ein harmonisch-anschmiegsames Popalbum vor, das sich etwas schüchtern entfaltet, dafür jedoch mit einigen sympathisch-altmodischen Instrumenten wie Zither, Ukulele und Glockenspiel aufwartet. Was dabei herauskommt, klingt sicher nicht zufällig nach einer engagierten kleinen Schwester musikalischer Vorbilder wie Aimee Mann oder Norah Jones.

Tatsächlich kamen mir Aimee Manns eindringliche Klänge zum „Magnolia“-Soundtrack mehrmals in den Sinn, wunderschön auf dem silbernen Tablett drapierte Zuckungen des offen gelegten, verletzlichen Herzmuskels. Allerdings nicht wirklich schmerzhaft und mit düsterem Unterton wie etwa bei PJ Harvey, die doch im Vergleich weitaus subversiver und rauer klingt, sondern schlichtweg zum gefahrlosen Verzehr geeignet. „It could rip your heart out, it could rip your heart to the core“, warnt Ervings hübscher Gesang im Opener, aber so richtig spürt man das nicht. Dafür sind Irvings Kompositionen einfach eine Spur zu nett, und nett ist in diesem Fall der kleine Bruder von langweilig.

Ausgenommen allerdings das sehr fein komponierte Stück „Time for a Princess“, in dem Violine, Cello und Bass gemeinsam mit Carrie Ervings Gesang eine stimmige Einhalt bieten, ohne den wirklich tollen, unprätentiösen Popsong zu überladen. Ansonsten dominieren einfühlsame und ebenso gediegene Klänge, Vögel werden besungen und harmonische Laute bahnen sich ungestört ihren Weg in das eine Ohr hinein und, nach einem erquicklichen kleinen Säuselwind im Oberstübchen, aus dem anderen Ohr wieder hinaus – ohne einen störenden Widerhaken, der Ervings Musik einen charakteristischen Erinnerungswert geben könnte. Da mag ich meine Herz-OPs doch bitte etwas blutiger.

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