Emily Jane White – Victorian America

von musicandi am 18. Dezember 2009

in Musik!

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Ein Album, wie ich schon lange keines gehört habe. Musik von so zerbrechlicher Schönheit, die zugleich so kraftvoll und energiegeladen ist, gibt es leider nur ganz ganz selten. Ein Album, das dazu gemacht scheint, sich zu verlieben – in die Musik, vielleicht auch in die Musikerin, selbst in den Regen, die Welt und das Leben. Seid vorsichtig: der Person, mit der zusammen man diese zauberhafte Musik hört, wird man mit Haut und Haar verfallen – einfach so und dann ist man verloren. Für immer. Und ewig.

Alles ist gut, wenn Emily Jane White ihre an Kate Bush wie an P.J. Harvey zugleich erinnernde zuweilen elfenhafte Stimme erklingen lässt und zur Gitarre greift oder sich ans Klavier setzt. Einflüsse ihrer Musik speisen sich in erster Linie aus amerikanischem Folk, allerdings dem amerikanischen Folk der eher düsteren und bedrückten und leisen Sorte. Herbst.

Statt Banjo und Mandoline werden die Songs hier von Emily Jane Whites akustischer Gitarre dominiert, dazu kommen Cello und Geige, vereinzelt mal eine Lapsteel-Gitarre, hier und dort verirrt sich auch mal eine E-Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug auf den ein oder anderen Song und sorgt für mehr Druck und Abwechslung, was dann von der Düsternis und Energie her ein wenig an 16 Horsepower oder Nick Cave erinnert. Doch von ferne nur. Die Lady singt ihren eigenen Blues. Americana.

Die wirklich einzigartigen Momente hat diese bei dem französischen Label „Talitres records“ erschienene CD in den vielen eher ruhigen Songs, in denen man den Eindruck hat, dass da eine Musikerin ganz bei sich, ihrem Songwriting und ihrer Musik ist. Grandios. Zärtlich. Intim. Musik für einen Herbst. Zu zweit. Und einen Winter mindestens. So klingt: Liebe.

Herausragende Stücke gibt es zuhauf: Der Titeltrack ‚Victorian American‘ mit seiner unglaublich intensiven Atmosphäre und der unsterblichen Melodie erzählt von Verlust und Zerstörung durch unkontrollierbare Mächte. Bilder, die die Suche, den Zweifel, den Verlust, aber auch die Liebe und Zärtlichkeit thematisieren, herrschen vor in den zwölf Songs.

Anspieltipps zu geben fällt schwer, jedes einzelne Lied ist ein kleines Juwel in sich, die meisten ruhig und zugleich intensiv schillernd und strahlend. Verglichen worden ist Emily Jane White auch mit Chan Marshall, also Cat Power. Deren Stimmen und Phrasierungen ähneln sich tatsächlich von ferne. Im Unterschied zu Cat Power, die dem Prinzip ‚Pop‘ in all seinen Spielarten huldigt, ist Emily Jane White alledings fest in der Tradition dunkler amerikanischer Folk-Music verankert. Was ihrer Musik gut tut. Sehr ernsthaft. Sehr ehrlich. Sehr schön.

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